Der aus Hamburg stammende Niklas Paschburg hat sich für seine neues Album „Svalbard“ in die Dunkelheit begeben – nach Spitzbergen. Die norwegische Inselgruppe, die in der Landessprache Svalbard genannt wird, befindet sich nördlich des Polarkreises, so dass es im Winter den ganzen Tag dunkel ist. Warum Paschburg ausgerechnet eins der nördlichsten bewohnten Gebiete der Erde aufsuchte, das erzählt er uns im Interview:

 

Was hat dich dazu bewegt, nach Spitzbergen zu gehen, wie entstand diese Idee?

Als ich anfing, über mein zweites Album nachzudenken, wusste ich bereits, dass ich dafür an einen kalten und verschneiten Ort reisen möchte. Ich war neugierig, welchen Effekt die kalte Winterlandschaft auf meine Musik haben würde. Während meiner Suche nach einem geeigneten Ort entdeckte ich Spitzbergen auf der Karte. Ich hatte vorher bereits von der Insel gehört, aufgrund der Pflanzensamenbank, die sich dort befindet. Allerdings war ich mir nicht bewusst, ob man dort auch tatsächlich als Tourist hinreisen kann. Als ich dann noch von der im Winter herrschenden absoluten Dunkelheit hörte, packte mich die Faszination und der Wunsch, dort hinzureisen. Damit begann meine Recherche nach einem Klavier auf der Insel und geeigneten Orten zum Aufnehmen.

Wie viele Wochen warst du dort und gab es Momente, in denen abbrechen wolltest?

Ich war insgesamt zwei Wochen dort. Dadurch, dass die Zeit doch recht begrenzt war, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl abbrechen zu wollen. Sobald man sich an die Dunkelheit gewöhnt hat, vergingen die Tage wie im Flug. Ich wäre eigentlich gerne noch länger geblieben, allerdings ging direkt danach bereits eine Tour los. Das war dann ein recht harter Einstieg wieder zurück in den Alltag.

Wie sehr genau hat dich denn der Aufenthalt auf die Musik ausgewirkt, kann man das irgendwie bemessen? Und wie wirkt sich so ein Aufenthalt auf einen persönlich aus?

Der Aufenthalt hat den Klang grundlegend geprägt. Ich denke, viele der Eindrücke übersetzen sich unterbewusst auf die Songs, die auch an diesem Ort entstehen. Das kann die Sehnsucht nach Wärme, Licht und der Sonne sein. Oder aber auch genauso gut durch eine direkte Inspiration kommen, zum Beispiel durch den erlebten Schneesturm, den ich wiederum in dem Track “Cyan” verarbeite.

Auch persönlich hatte die Reise eine starke Auswirkung auf mich. Durch die Bewohner der Insel erfuhr ich, wie sehr dieser Ort bereits unter dem Klimawandel leidet. Die Winter werden deutlich wärmer, das Eis schmilzt und der Boden taut auf. Sich dann vorzustellen, dass diese unglaublich schöne Eislandschaft über die nächsten Jahre verschwinden wird und dabei ganz andere Naturkatastrophen verursachen kann, hat mich stark zum Nachdenken angeregt.


Gibt es eventuell schon weitere Orte, die dir für das nächste Album vorschweben?

Es gibt tatsächlich schon Pläne, an welchen Ort es für das nächste Album gehen soll. Allerdings sind das Vorhaben und die Vision so groß, dass das ganze Projekt eine sehr lange Vorlaufzeit benötigt. Ich kann es derzeit leider noch nicht verraten, dafür muss das ganze Vorhaben noch weiter wachsen. Aber es steht fest, dass es nochmal deutlich weiter weggehen wird und dieses Mal auch für mehrere Monate.

Wie war die Zusammenarbeit mit Andy Barlow (Lamb), der das Album produziert und ja auch kein Unbkannter ist. Wie entstand da der Kontakt? 

 

Die Zusammenarbeit mit Andy Barlow war großartig! Mein Manager Carlo und ich hatten bei Andy angefragt, ob er Interesse hat das Album zu produzieren und zu mischen, woraufhin uns Andy zu sich einlud. Nachdem ich Andy die ersten Demos gezeigt hatte, fing er gleich begeistert an, seine Ideen zu erläutern. Dabei merkte ich, dass seine Vorstellung und meine Vision von dem Album perfekt übereinstimmten. Wir haben uns auf Anhieb musikalisch und menschlich super verstanden. Bei einigen Tracks haben wir gar nicht mehr viel verändert, bei anderen sind wir tiefer in die Produktion gegangen und haben uns auf die wichtigsten Elemente konzentriert, um die Idee des Songs besser hervorzuholen. In der gesamten Zusammenarbeit sind wir nie ins Stocken gekommen, jeder Tag war unglaublich produktiv und dabei haben wir auch nicht vergessen, den Sommer am Strand von Brighton zu genießen.

 

 

„Svalbard“ ist am 28. Februar auf 7K! erschienen.
www.niklaspaschburg.com

Foto Paschburg: Natalia Luzenko
Foto Spitzbergen: Niklas Paschburg