NRW-Clubbetreiber erzählt, wie seine Location das Clubsterben „überlebt“

NRW-Clubbetreiber erzählt, wie seine Location das Clubsterben „überlebt“

Während im Ruhrgebiet immer mehr Clubs schließen, erlebt der Kulttempel in Oberhausen einen starken Zulauf.

Wie Betreiber Peter Jurjahn gegenüber der WAZ schildert, stehen Gäste selbst sonntags bereits am frühen Nachmittag Schlange, um zur „Day Disco“ eingelassen zu werden. Geschlossen haben zuletzt unter anderem Clubs in Bochum und Essen.

Der Kulttempel setzt auf ein anderes Konzept als viele klassische Nachtclubs. Die Day Disco läuft von 14 bis 20 Uhr, danach gehen die Gäste ausgeruht nach Hause. Auf der Tanzfläche laufen 90er-Pop, die Gäste trinken Whisky und Cocktails.

Laut Jurjahn ist der Altersdurchschnitt deutlich höher, viele Besucher sind 50 plus. Ein weiterer Faktor sind die vergleichsweise niedrigen Preise. Ein kleines Bier kostet drei Euro, Longdrinks 4,50 Euro, der Eintritt meist acht Euro ohne Mindestverzehr.

„Weil es voll ist“, erklärt Jurjahn der WAZ, könne sich der Club trotzdem tragen. Viele Gäste kämen seit Jahren regelmäßig. Er betont, dass sich sein Angebot gezielt an ein älteres Publikum richtet.

Bei vielen Veranstaltungen gilt Einlass ab 30 Jahren. Dass junge Menschen weniger feiern, treffe ihn daher kaum. „Das macht die Jugend heutzutage nicht mehr“, sagt er über durchfeierte Nächte.

Großen Wert legt der Betreiber auf Sauberkeit und kontinuierliche Investitionen. „Wenn am Freitag ’ne Klobrille kaputt ist, muss die am Samstag fertig sein“, so Jurjahn. Allein die Renovierung der Herrentoilette kostete 15.000 Euro.

Pro Abend fallen Öffnungskosten von bis zu 3000 Euro an. Beim Umsatz zeigen sich je nach Veranstaltung deutliche Unterschiede. Gothic-Gäste geben im Schnitt zehn bis 14 Euro für Getränke aus, bei 80er-Partys und Rock-Konzerten sind es über 25 Euro.

Als Gründe für das Clubsterben nennt Jurjahn finanzielle Belastungen und fehlende Erneuerung. Die Pandemie habe vieles verschärft, doch „viele haben sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht“.

Die Zeit wird zeigen, ob ähnliche Konzepte auch innerhalb nischiger Szenen funktionieren könnten, bleibt die Jugend doch in vielen Szenen ein wichtiger Bestandteil. Der Kulttempel setze jedenfalls auf musikalische Vielfalt, Konzerte, Flohmärkte und Comedy. „Ich mache weiter, bis ich umfalle.“

Quelle: WAZ

Das könnte dich auch interessieren:

DJs verzichteten auf Gagen: Berliner Kultclub dank Spenden gerettet