numark orbit
Kreativität ist gefragt. Nicht nur beim Musizieren, sondern auch bei der Konzeption der dafür notwendigen Tools. Wirklich nicht beschweren kann man sich über die Zahl der erhältlichen Optionen. Fürs DJing wie auch Produzieren. Eventuell sind es sogar mehr, als dem Markt insgesamt gut tut. Die meisten Produkte folgen mehr oder minder dem Mainstream. Ein DJ Controller sieht eben aus wie er aussieht, weil die Anordnung für den Anwender Sinn ergibt. Gerade in diesem Bereich freut man sich jedoch über jeden Ausreißer, der in der Handhabung neue Wege geht.


Der neue Numark Orbit zählt auf jeden Fall bereits optisch zur Innovatoren-Kategorie. Ein wahrlich „handliches“ Werkzeug, das Anfang des Jahres erstmals als Prototyp vorgestellt wurde und schon damals polarisierte: Spielzeug oder Werkzeug? Wer den Handheld-Controller dann das erste Mal zu fassen kriegt, kommt sofort zur Einsicht, dass er zumindest kein mit minderwertig assoziierbares Spielzeug ist. Der Orbit liegt ergonomisch und vom Gewicht perfekt in der Hand und ist bis ins Detail hervorragend verarbeitet. Besonders gut weiß die Gummierung sowohl der Buttons und Pads wie auch des gesamtes Chassis zu gefallen. Rutschen und Flutschen ausgeschlossen. Wenn man dem Orbit etwas Spielzeughaftes zuschreiben möchte, dann den ausschließlich positiven Aspekt, dass er sich wie ein Game Controller, eher noch die fast größenidentische Playstation Portable, führen lässt. Versuche, original Game-Controller beispielsweise der PS2/3 als MIDI-Controller nutzbar zu machen, gab es schon immer. Sei es über Software-Converter für den Rechner oder auch Hardware-Lösung wie den nicht mehr hergestellten Midiator. Aber das war natürlich alles Kinderkram im Vergleich zum Numark Orbit.

Für dessen MIDI-Belegung stehen zum einen 2 x 8 = 16 Trigger-Pads für Notenmeldungen und MIDI-Kanäle bereit, de- nen jeweils zwölf verschiedene Lichtfarben zugewiesen werden können. Die Pads einer Bank lassen sich prinzipiell gemeinsam spielen, so dass der Orbit als 16-stimmig bezeichnet werden darf. Allerdings fehlt den Kissen jegliche Anschlagdynamik, was deren Einsatz als Drum-Pads etwas einschränkt. Den Trigger-Pads zugeordnet sind 4 Bank-Buttons, so dass sich die Zahl verfügbarer Noten und Kanäle auf 64 maximiert. In den Bänken lassen sich darüber hinaus die jeweils K 1–4 Funktionen für die Drehrad-Zuweisung ablegen. Macht Zugriff auf 4 x 4 = 16 Control Change- Meldungen. Das Aluminium-Drehrad als Scratch Wheel einsetzen zu wollen, macht übrigens wenig Sinn – dafür ist es im Widerstand zu fest. Für feinfühlige Lautstärke- oder Effektveränderungen ist die Festigkeit aber genau richtig.

Ein blauer Leuchtkranz um das Drehrad zeigt dabei die Intensität der jeweils angewählten Parametereinstellung an. Im Zweihandbetrieb lässt sich das Rad mit den Daumen komfortabel bedienen. Wer den Orbit nicht immer ablegen möchte, kann einen Strap durch die dafür vorgesehenen Bügel ziehen und ihn um den Hals hängen. Oder aber dank auch unterseitiger Befestigungsschlaufe am Unterarm befestigen und als DJ Cyborg agieren. Eine aus der Tragbarkeit resultierende Besonderheit des Orbit ist der eingebaute Neigungssensor. Dieser setzt auf zwei Achsen Bewegungen in MIDI-Daten um und schickt sie an die DJ-Software. Welche Controllermeldungen auf die Y- und Y-Achse des Accelerometers gelegt werden lässt sich ebenfalls frei definieren. Aktiviert wird der Neigungssensor bequem über zwei Schalter auf der Gerätestirn.

Wer sich jeglichen Kabelzwangs entledigen möchte, kann den mitgelieferten USB-Adapter in den Computer stöpseln und die grenzenlose Freiheit des WiFi-Controllings genießen. Grenzenlos meint laut Hersteller für acht Stunden auf maximal 30 Meter. Danach muss der interne Akku über das USB-Kabel wieder aufgeladen werden. Auf zehn Meter und durch eine Wand hindurch war die WiFi-Bedienung jedenfalls tatsächlich latenzfrei möglich. Mehr ging von unserer Seite aus nicht, sonst wären wir aus dem Fenster gestürzt.

Das Zauberwort „Class Compliant“ liest man immer gern, sorgt es schließlich dafür, dass sich er Orbit selbständig und rasch im System einnistet. Einen kleinen Hürdenlauf gilt es dennoch zu bestehen: Die zugehörige DJ-Software

„Orbit DJ“ wie auch den Editor erhält nur, wer sich auf der Numark-Seite registriert und einige persönliche Daten preisgibt. DJ Orbit in der Version 1.1 ist eine Doppeldeck- Software, die zwar in ihrem Funktionsumfang ziemlich rudimentär ausgestattet ist, somit aber auch bestens geeignet, mit dem Orbit warm zu werden. Sozusagen als Lernparcours. Die einzelnen Tasten auf dem Bildschirm sind dabei mit der belegten Funktion beschrieben. Wer jemals einen Game Controller in der Hand hatte, wird jedenfalls recht schnell von der Arbeitsweise mit dem Orbit begeistert sein. Vor allem der Umfang mit den zahlreichen Effekten über den Accelerometer ist wirklich fantastisch. Hat man den Dreh für die dritte Dimension erst einmal richtig raus, las- sen sich durch die Armbewegungen Filterverläufe, Stutters oder Repeats intuitiv gestalten und über die Finger weitere Funktionen steuern. Kuppelung kommen lassen und Gas geben. Wer den Standard dann beherrscht, kann man zu seiner Lieblingssoftware übergehen. Wer mit Traktor arbeitet hat Glück: Auf der für den Orbit eigens eingerichteten Numark „O-Zone“ lassen sich nicht nur einige Videotutorials ansehen, sondern auch Traktor-Mappings für den Zwei- und Vierdeckbetrieb herunterladen. Die Königsdisziplin ist natürlich, sich eigene Mapping zurechtzulegen. Aber selbst erweist sich Kinderspiel. Einfach den Orbit anschließen und über die Mapping-Software die jeweiligen Funktionen dort hinlegen, wo man meint, dass sie Sinn ergeben. Man kann das Pferd aber auch von hinten aufzäumen. Sprich: Falls die Applikation eine Learn-Funktion hat, die einzelnen Taster inklusives des Bewegungssensors seitens der Software festlegen. Das muss übrigens keine DJ Software sein. Wer einmal Blut geleckt hat, wird neben offensichtlichen Einsatzmöglichkeiten beispielsweise als Clip-Schleuder für Ableton Live schnell auch beispielsweise seine Softsynths testweise orbitifizieren. Die Ergebnisse können dramatisch (gut) sein. Und warum nicht einfach mal zwei Parameter einer Hardwarefunktion steuern? Experimentiert und lasst euch gehen – unbedingt! Man darf auch gespannt sein, welche außergewöhnlichen Mappings auf der O-Zone künftig noch bereit gestellt werden.

So bleibt uns in Anbetracht des wirklich moderaten Preises von etwas oberhalb 100 Euro kaum mehr übrig, als eine Kaufempfehlung auszusprechen. Das Fluggerät wird zwar einen ausgewachsenen Controller nie ersetzen können. Das ist aber auch gar nicht der konzeptionelle Ansatz. Vielmehr stellt er eine sinnvolle Ergänzung für DJ-, Producer- und Live-Setups dar, die ihre Performance und Klanggestaltung kreativ würzen möchten. Von einem bloßen Gimmick oder billigen Spielzeug ist der Orbit jedenfalls Lichtjahre weit entfernt.

 

Numark Orbit
Performance MIDI-Controller

• Frei konfigurierbar
• 16 beleuchtete Pads, 4 Bänke, 16 Virtual Knobs pro Bank
• 84 Parameter direkt steuerbar
• X/Y Neigungssensor mit 2 Schultertastern
• Beleuchtetes Control Wheel aus Aluminium
• WiFi-USB-Stick für kabellose Steuerung
• Aufladbarer Lithium-Ionen Akku
• Preis 143 EUR UVP (119 EUR Straße)

www.numark.de