NUSHA – Leidenschaft und harte Arbeit

NUSHA – Leidenschaft und harte Arbeit / Foto: Bogdan Moldovan, Matúš Šafranka

Seit 2007 ist sie im elektronischen Kosmos aktiv und seitdem zu einer der gefragtesten Akteurinnen der gesamten Techno-Szene avanciert. Energetische und kraftvolle Sets sind dabei das Markenzeichen der Rumänin, mit denen sie in ihrer mittlerweile über 15-jährigen Karriere schon die renommiertesten Festivals und Clubs bespielt hat. Dazu verholfen haben Nusha sicherlich auch ihre Releases, die durch eine Fusion aus Acid-Techno-Beats, harten Kicks und hypnotischen Melodien ihren Trademark-Sound bilden. Auf Titeln wie „Chaos“, „Addiction“ und „Serenity“ singt Nusha sogar. Der Track „Cip Cirip“ aus dem Juli 2022 verbrachte über vier Wochen in den Techno-Top-20 auf Beatport. Darüber hinaus listet ihre Diskografie Labels wie Mainground Music, Autektone, Dolma Records und Orange Records. 2022 bespielte sie Festivals wie das Balaton Sound, Untold, Parookaville, One Day Music, Caprices, Neversea und viele mehr. Alleine im April letzten Jahres tourte sie binnen weniger Tage auf insgesamt fünf Kontinenten. Auch das neue Jahr steht bereits unter guten Sternen, sowohl in Sachen Shows als auch beim Thema Releases. Im März startet sie im legendären Club „EGG“ in London eine Residency mit dem Titel „Nusha invites“. Wir haben sie gesprochen.

Nusha, lass uns einige Jahre zurückgehen. Was hat dich besonders beeinflusst und was waren deine ersten Schritte auf dem Weg zum Artist?

Hallo, FAZE! Am Anfang war ich recht oft in Clubs unterwegs und ich erinnere mich, dass ich eines Abends James Zabiela gesehen bzw. gehört habe und ihn buchstäblich für einen Zauberer hielt. Von da an wollte ich nur noch so sein wie er. Ich hatte das Glück, viele DJ-Freund*innen zu haben, die mich schließlich in diese Materie einführten und mir das Auflegen zeigten. Später verteilte ich Mix-CDs an verschiedene Promoter*innen und bettelte darum, dass sie mir zuhörten. Allerdings gab niemand auch nur einen Cent für meine CDs. Bald darauf bekam ich jedoch ein paar Bookings in verschiedenen Lokalen. Danach wurde ich Resident und spielte eine Zeit lang Warmup-Sets. Das brachte mich schließlich dazu, meine eigenen Veranstaltungen zu organisieren, jedes Wochenende sowie montags. Später kamen Shows im Ausland dazu. Es entwickelte sich auf recht natürliche und organische Art und Weise, hat aber natürlich dementsprechend gedauert. Aber ich begann nach und nach, auf der ganzen Welt und sogar b2b mit James Zabiela zu spielen (lacht). Diese 15 Jahre in der Branche sind wie eine intensive Reise, geprägt von harter Arbeit und Leidenschaft. Jeder sieht das große Ganze, aber hinter den Kulissen gab und gibt es eine Menge Schweiß, Blut und Tränen.

Dein Tour-Kalender führt dich sehr oft nach Deutschland. Wie, würdest du sagen, hat das sowohl dich als Künstlerin als auch deinen Sound beeinflusst?

Ja, mein erster internationaler Gig war in Deutschland, im Sisyphos 2012. Seitdem habe ich im ganzen Land in den bekanntesten Clubs und auf den größten Festivals gespielt. Deutschland ist für mich wie eine zweite Heimat und das hat meinen Sound beeinflusst und mich als Künstlerin definiert. Ich baue meine Sets immer so auf, dass ich dem Publikum eine Reise bieten kann, von Acid-Techno bis zu hartem Techno mit melodischen Einflüssen und Trance-Synthie-Tracks. Das scheint hier ziemlich gut zu resonieren, und ich freue mich schon sehr, auch in 2023 wieder sehr oft in Deutschland zu spielen.

Letztes Jahr hast du u.a. beim Balaton Sound, Parookaville, Electrisize, MAYDAY Polen, UNTOLD und Caprices Festival gespielt. Wie rekapitulierst du das Jahr 2022?

2022 war nicht nur für mich, sondern wohl für die gesamte Szene ein Jahr, in dem es zurück zur „Normalität“ ging. Und das macht es zu einem Jahr, an das man sich gerne erinnert. Die Freude, wieder mit voller Kraft dabei zu sein, war gefühlt doppelt so groß wie in den Jahren zuvor. Ich erinnere mich, dass ich im April superintensiv getourt und quasi kreuz und quer über fünf Kontinente geflogen bin. Das hat mich extrem erfüllt, wieder voll in meinem Künstlerdasein zu stecken. Angefangen in Europa ging es von Südamerika nach Nordamerika und nach Asien und Australien. Es war verrückt. Teilweise bin ich bei 0 Grad in den Flieger eingestiegen und bei 37 Grad ausgestiegen. Zahlreiche Jetlags, wenig Schlaf. Aber es war Balsam für die Seele, auf so viele lächelnde Gesichter zu treffen. Viele Festivals und Club-Gigs während des ganzen Jahres, wie das One Day Music Festival in Sizilien, La Estacion in Argentinien, Verknipt in den Niederlanden, Cancun Music Week in Mexiko, Egg London in UK, World Club Dome in Deutschland, Bolgia in Bergamo, Ritter Butzke in Berlin, Tanzhaus West in Frankfurt oder MOLO4 in Trieste, um nur einige zu nennen, waren definitiv einige der Highlights.

Wie gehst du persönlich mit dieser intensiven Tour-Agenda um? Zumal du ja auch an Flugangst leidest.

Das stimmt. Der größte Stressfaktor beim Reisen sind für mich demnach natürlich die Flüge. Ich interessiere mich sehr für Luftfahrt im Allgemeinen, lese sehr viel darüber und habe sogar schon einen Flugsimulator ausprobiert. Ich liebe es, etwas über Flugzeuge zu lernen und kann sogar die jeweiligen Modelle an kleinen Details erkennen. Wenn ich einen Flug bei einer für mich neuen Gesellschaft buche, müssen die Agenten mir alle möglichen Informationen geben, z.B. ob die Airline sicher ist, wie viele Zwischenfälle es gab, welche Art von Maschinen betrieben werden usw. Ich weiß, das ist ein bisschen verrückt. Wenn ich an Bord gehe, freue ich mich besonders, wenn ich das Flugzeug anhand der Registriernummer überprüfen kann, um zu sehen, wie alt es ist (lacht).

Ich habe meine Ängste in den letzten Jahren wirklich überwunden, aber ich habe immer noch Probleme hin und wieder. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich dank meines Jobs die Möglichkeit habe, um die ganze Welt zu reisen. Wer reist, lebt zweimal, sage ich immer. Jedes Land, das ich zum ersten Mal betrete, ist eine absolute Überraschung. Ich liebe es, die Welt zu entdecken und die Kultur eines jeden Landes kennenzulernen, sowohl auf der musikalischen als auch auf der kulturellen Seite. Es ist ein Segen, ich liebe meinen Job!

Was war das wohl denkwürdigste oder verrückteste Erlebnis, das du während einer Reise erlebt hast?

Ich erinnere mich, dass letztes Jahr am Amsterdamer Flughafen Personalmangel herrschte, sodass die Schlange an der Sicherheitskontrolle tatsächlich über einen Kilometer lang war und sich bis nach draußen auf die Straße erstreckte. Die anderen DJs, die frühere Flüge hatten, erzählten mir, dass sie ihre Flüge verpasst hatten und umgebucht worden waren. Von meinem Hotel direkt am Flughafen konnte ich vom Fenster aus die Schlange sehen. Ich checkte aus dem Hotel aus und war in zwei, drei Minuten am Flughafen. Mir war jedoch klar, dass ich es nicht zum Booking schaffen würde, das ich an diesem Tag hatte, zumal kein anderer Flug in diese Stadt ging. Ich war megatraurig und war gerade schon dabei, meinen Booker zu kontaktieren und ihn darüber zu informieren. Nach ein paar Minuten kam ein Mann mit Krücken auf mich zu und fragte mich, ob ich ihm sagen könne, wo er jemanden von der Sicherheitskontrolle finden könne, der ihm helfen würde. Ich fragte ihn, wohin es für ihn ging und zufälligerweise flogen wir zum selben Ziel. Ich ging sofort zu jemandem an der Sicherheitskontrolle und sagte ihm, dass der Mann Hilfe brauche. Irgendwie dachten sie, wir seien zusammen und setzten uns sofort in einen speziellen Hilfsaufzug. In nur zwei Minuten waren wir mit unserem Gepäck am Gate, ich erwischte den Flieger und hatte sogar noch genug Zeit, um beim Duty Free entspannt einzukaufen (lacht).

Du hast letztes Jahr eine Menge Musik veröffentlicht, die insgesamt in 174 verschiedenen Ländern gestreamt wurde und über das Jahr hinweg über eine Million Hörer*innen hatte. 2023 bist du mit deinem Track „Serenity“ auf Platz 1 der „Techno Bunker“-Playlist auf Spotify gelandet. Herzlichen Glückwunsch! Erzähle uns mehr über die Kollaboration.

Vielen Dank! „Serenity“ ist meine zweite Zusammenarbeit mit Belocca. Es ist ein Track, den ich wirklich liebe und bei dem ich wieder einmal meine eigene Stimme benutzt habe. Er wurde letztes Jahr im September auf dem Label Mainground Music veröffentlicht. Wir kombinieren gute Ideen und ich arbeite wirklich gerne mit ihm zusammen. Die Nummer 1 in dieser Playlist auf Spotify zu sein, ist ein schönes Gefühl und ein Beweis dafür, dass unsere Arbeit geschätzt wird. Letztes Jahr habe ich auch „Cip Cirip“ auf dem Label Fe Chrome veröffentlicht und er war vier Wochen lang in den Top-20 bei Beatport. Im August ist die EP „Fall Back“ auf Dolma Records und im Oktober der Remix von „Intoxication“ auf Tommy Trax Records erschienen. Es war also ein sehr produktives Jahr.

2023 scheint genauso intensiv weiterzugehen. Im Londoner Club EGG wirst du eine Residency starten. Erzähle uns mehr darüber.

Ja, das stimmt! Ich habe mich sehr über das Offer dieses legendären Clubs gefreut. Ich habe 2022 schon zweimal dort gespielt, im Februar und im Oktober. Das Konzept heißt „Nusha invites“ und ich werde das ganze Jahr über eine Reihe von Veranstaltungen kuratieren. Alle drei Monate lade ich einige meiner beliebtesten Acts ein, sowohl bekannt als auch jung und aufstrebend. Der erste Gast wird Klaudia Gawlas am 18. März sein, und ich kann es kaum erwarten, diese Kollaboration mit dem Club zu starten.

Was ist in Sachen Releases für 2023 in der Pipeline?

Ich habe den Remix für Dense & Pikas „Apache“ fertig gemacht und er wird dieses Jahr auf dem Label Kneaded Pains erscheinen. Die „Fall Back“-EP, die nur digital auf Dolma Records veröffentlicht wurde, wird bald auf Vinyl erscheinen. Außerdem werde ich einen Remix von Dario Soranos „We Are Aliens“ machen, meinem Lieblingssong des letzten Sommers. Dieser Remix wird ebenfalls auf Vinyl erscheinen und viele andere tolle Kollaborationen sind in Arbeit, die ich noch nicht verraten kann. Das ist erst der Anfang, ich bereite aktuell viele Projekte für dieses Jahr vor.

Hast du schon viele Shows bestätigt?

Definitiv. Nachdem ich im Januar meine Batterien aufgeladen habe, ist mein Kalender für die nächsten Monate schon so gut wie voll. In den nächsten Wochen geht es nach Griechenland, Frankreich, Schweiz, Ungarn, Bulgarien, Slowakei, Zypern, Großbritannien, Tschechische Republik, und eine Asien-Tour mit Singapur und Indien steht ebenfalls vor Mai an. Im Juni werde ich wieder nach Australien fliegen und später im Jahr zum ersten Mal in die USA. In Deutschland werde ich in Clubs wie dem Gotec, Proton, Affenkäfig, Tanzhaus West, Die Rakete und auf Festivals wie dem Ikarus, Echelon, Sea You oder dem Gute Zeit Festival unter anderem auftreten. Darüber hinaus stehen noch viele weitere Festivals in Europa an, die ich aber noch nicht verraten darf.

In einem Interview hast du einmal gesagt do it with passion, work hard, dream big and stay humble.“ Würdest du sagen, dass du aktuell die Früchte der Jahre erntest, in denen du diese Punkte befolgt hast?

Harte Arbeit zahlt sich immer aus. Leidenschaft ist der Schlüssel zum Erfolg und der Weg ist voll von Höhen und Tiefen. Die Leute sehen nur die Kirschen, die Reisen, die Bilder bei Instagram und die Highlights. Aber dahinter stecken harte Arbeit, Hingabe, Schlafmangel und vieles mehr. Die Medaille hat immer zwei Seiten, und ich bin der festen Überzeugung, dass diejenigen, die hart arbeiten, früher oder später auch dementsprechend belohnt werden.

2023 ist noch recht jung. Wie lautet deine Botschaft an deine Fans?

2023 wird voller Techno sein! Wir sehen uns auf dem Dancefloor! Bleibt glücklich und gesund!

 

Aus dem FAZEmag 132/02.2023
Text: Triple P
Foto: Bogdan Moldovan, Matúš Šafranka
www.instagram.com/nushamusic