
Jahrelang hat Manu mit OXI Instruments Werkzeuge für andere Musiker entwickelt. Seine eigene Musik blieb dabei auf der Strecke. Jetzt rückt sein Projekt Occipital wieder in den Mittelpunkt: Am 28. September erschien „Epiphany“ auf Runemark Records, inklusive eines Remixes von Ten Walls.
Für Manu beginnt damit keine neue Leidenschaft, sondern die Rückkehr zum ursprünglichen Antrieb. „Lange bevor es die Firma gab, habe ich jahrelang versucht, es als Produzent zu schaffen.“ Der Instrumentenbau verschlang allerdings immer mehr Zeit. „Man sagt sich, man macht am Wochenende Musik – und dann macht man es nicht.“ Erst mit einem größeren Team und etablierten Produkten entstand wieder Freiraum. „Ich hatte Jahre damit verbracht, Werkzeuge zum Musikmachen zu bauen, und kaum eigene Musik gemacht.“ Occipital möchte er deshalb nicht länger aufschieben. Seine Arbeit als Entwickler und Musiker lässt sich ohnehin kaum trennen. Beim OXI One ging es ihm nie nur um technische Daten: „Ich denke darüber nach, was dich beim Schreiben eines Tracks im Flow hält und wie du auf bessere Ideen kommst als die, bei denen du normalerweise landen würdest.“ Ein Sequencer soll vertraute Muster aufbrechen, ohne den kreativen Moment zu unterbrechen. „Du baust kein neutrales Werkzeug, sondern einen Standpunkt. Dann gibst du es weiter, und die Leute bringen es an Orte, die du dir nie vorgestellt hast.“ Auch Manu selbst nutzt den OXI One bewusst abseits klassischer DAW-Abläufe. „Die Art, wie ich arbeite, landete in der Maschine. Und dann begann die Maschine zurückzuwirken.“
„Epiphany“ entstand aus Jam-Sessions mit Rack und Sequencer. Metallische Stabs, dunkle FM-Sounds, Bassline und Kick waren schon länger vorhanden. Darüber probierte Manu immer neue Arpeggios und Melodien aus, bis er das zentrale Motiv fand. „Diese Melodien sind das Destillat vieler anderer Ideen, die es nicht geschafft haben.“ Der direkte Hardware-Workflow hilft dabei: „Ich kann Dinge schnell gegeneinander ausprobieren, und wenn etwas endlich klickt, bleibt es.“ Das Ergebnis treibt voran, ohne die Spannung sofort aufzulösen. „Die Melancholie kommt von der Hauptmelodie, die immer wieder dieselbe Frage stellt und nie wirklich eine Antwort bekommt.“ Ten Walls beantwortet diese Frage in seinem Remix auf eigene Weise. „Was mir gefallen hat: Er hat die Frage beantwortet, statt sie zu wiederholen.“ Während das Original harmonisch bewusst stehen bleibt, bringt der Remix zusätzliche Harmonien und die charakteristische Bassline ins Spiel. „Er ersetzt das Original nicht, sondern erklärt es aus einem anderen Blickwinkel.“
Weitere Tracks auf verschiedenen Labels sind bereits in Arbeit. Sie alle stammen aus einem eigenständigen Hardware-Live-Set, das Manu parallel zu den Studiofassungen entwickelt. „Mit wenigen Elementen versteckt sich nichts. Jeder Part muss stark genug sein, den Track allein zu tragen.“ Im Rechner werden die Stücke anschließend aufwendiger ausgearbeitet. „Es gibt zwei Versionen dieses Projekts: die, die in den Maschinen lebt, und die, die veröffentlicht wird.“ Neben einem hybriden Set reizt ihn vor allem eine reine Hardware-Performance: „Es ist riskant, es bringt die Maschinen an ihre Grenzen – genau deshalb interessiert es mich.“ Und so schließt sich der Kreis: „OXI entstand, weil ich die richtigen Werkzeuge nicht finden konnte. Jahre später gibt es sie, weil wir sie gebaut haben – und die Show kann endlich stattfinden.“
Aus dem FAZEmag 176/10.26
Text: Triple P
www.instagram.com/occipital_music