
In Europa breitet sich eine neue Form des organisierten Verbrechens aus: Über Onlineshops werden nach Medienberichten vermeintliche Arzneien verkauft, die oft hochgiftige oder illegale Stoffe enthalten.
Immer wieder sterben Konsumenten an Überdosen. Im Fokus stehen synthetische Opioide und hochpotente Designer-Drogen wie Cychlorphin. Sicherheitsexperten warnen seit Monaten. Gegenüber Merkur sagt Daniel Brombacher von der Global Initiative against Transnational Organized Crime:
„Angesichts der großen Gesundheitsgefährdung und der zahlreichen Todesfälle kann man konstatieren: Diese neue Art der organisierten Kriminalität ist bedrohlicher für die Gesellschaft als die Mafia, aber weniger sichtbar.“
Die Täter agieren ohne offene Gewalt, Korruption oder Revierkämpfe. Stattdessen verkaufen sie über soziale Medien und Messaging-Apps Zugänge zu Plattformen, die scheinbar legal Arzneien anbieten.
Auch verschreibungspflichtige Mittel seien den Berichten nach ohne Rezept erhältlich. „Meist geht es um Mittel, die gerade besonders in Mode sind. Abnehmspritzen, Viagra, Beruhigungsmittel, Ketamin – all das finden Sie auf den Plattformen“, erklärt Brombacher.
Viele Anbieter würden Begriffe wie „Pharma“ oder „Apotheke“ nutzen, um Seriosität vorzutäuschen. Besonders gefragt seien Benzodiazepine, sogenannte „Benzos“, die unter Jugendlichen als Lifestyle-Droge gelten.
Das Ausmaß sei schwer zu beziffern. „Es gibt keine Dealer, die im Görlitzer Park in Berlin oder am Neumarkt in Köln unterwegs sind“, so Brombacher. „Anbieter und Kunden bleiben weitgehend unsichtbar.“
Der Markt sei dennoch groß. „Wir haben eine Woche lang einen niederländischen Anbieter beobachtet. Innerhalb dieser kurzen Zeit wurden mehr als 30.000 Nachrichten mit potenziellen Kunden ausgetauscht“, berichtet er.
Produziert werden die Fälschungen oft aus abgezweigten Vorprodukten aus Ländern wie China, Indien oder Pakistan. Die täuschend echten Verpackungen enthalten jedoch nicht die erwarteten Medikamente.
„Die Kunden denken, sie würden Beruhigungsmittel kaufen, bekommen aber extrem starke Schmerzmittel“, sagt Brombacher. Ohne Toleranz komme es deshalb immer wieder zu Todesfällen.
In Berlin wurden demnach bereits gefälschte Tabletten mit Nitazenen entdeckt. Eine Menge in der Größe einer Kugelschreiberspitze reicht für eine Überdosis. „Diese sogenannten Nitazene sind rund 100-mal stärker als Heroin und extrem schwer zu dosieren, sie wurden nie für den medizinischen Gebrauch zugelassen“.
Quelle: Merkur
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