
Mit „Unify“ haben Joachim Pastor, Joris Delacroix und Teho den Grundstein für ihr gemeinsames Projekt PACT gelegt – nun folgt mit „The Edge“ der nächste Schritt. Während die Debütsingle vor allem die euphorische und cineastische Seite des Projekts zeigte, geht der neue Track deutlich tiefer in Richtung Spannung, Intensität und Live-Energie. Genau dort liegt auch der Kern von PACT: eine Verbindung zwischen Künstlern und Publikum, die weit über das klassische Verhältnis zwischen Bühne und Dancefloor hinausgeht. Die Crowd wird Teil der Show, beeinflusst den Sound live über eigens entwickelte Controller und prägt mittlerweile sogar die visuelle Identität des Projekts. Im Gespräch sprechen die drei Franzosen über spontane Momente auf der Bühne, die Entwicklung ihrer Live-Experience und darüber, warum PACT für sie längst mehr als nur ein Label oder ein Live-Act ist.
„The Edge“ ist eure zweite Veröffentlichung auf PACT. Wie fühlt es sich an, auf dem Fundament von „Unify“ aufzubauen?
„Unify“ war ein wichtiger erster Schritt für uns, weil der Launch eines neuen Labels immer mit Aufregung und Unsicherheit verbunden ist. Die Reaktionen haben uns viel Selbstvertrauen gegeben und uns gezeigt, dass die Menschen wirklich eine Verbindung zu dem Projekt aufgebaut haben. Mit „The Edge“ fühlt sich jetzt alles natürlicher an. Das Label, die Live-Show und die kreative Richtung beginnen sich miteinander zu verbinden. Besonders an diesem Release ist, dass es der erste PACT-Track ist, den wir bereits intensiv live gespielt haben, bevor er veröffentlicht wurde. Dadurch konnten wir die Reaktion der Crowd Nacht für Nacht erleben. Vor allem fühlt es sich gut an, Musik komplett zu unseren eigenen Bedingungen zu veröffentlichen und etwas aufzubauen, das langfristig gedacht ist.
Im Vergleich zu eurem Debüt wirkt „The Edge“ intensiver und stärker von Spannung geprägt. War das eine bewusste Entwicklung?
Interessanterweise war „The Edge“ tatsächlich der erste Track, den wir gemeinsam produziert haben. Ursprünglich sollte er sogar die erste Veröffentlichung werden, aber dann entstand „Unify“, das sich mit seiner euphorischeren und cineastischen Energie besser als Einstieg angefühlt hat. „The Edge“ repräsentiert eine andere Seite von PACT – roher, intensiver und näher an der Energie unserer Live-Sets. Dahinter steckte aber keine kalkulierte Entscheidung. Wir denken nicht zu viel über Genres oder Formeln nach. Manchmal fühlt sich die Musik verträumt an, manchmal aggressiver. Wichtig sind für uns Emotion und Instinkt.
Der Track arbeitet stark mit Spannung und Auflösung. Spiegelt das auch die Entwicklung eurer Live-Shows wider?
Definitiv. Der Live-Aspekt stand bei PACT immer im Mittelpunkt. Noch bevor wir gemeinsam eigene Musik veröffentlicht haben, haben wir bereits unsere Tracks als Trio für die Bühne neu aufgebaut, und das hat natürlich auch die Art beeinflusst, wie wir heute komponieren. Ein großer Teil unserer Live-Identität entsteht durch Spannung und Auflösung – lange Build-ups zu kreieren, Momente abhängig von der Energie der Crowd zu verlängern und dann schließlich die Auflösung zu liefern. Diese Dynamik erzeugt sowohl in der Musik als auch während der Shows Spannung und Emotion. „The Edge“ wurde genau mit diesem Gefühl im Hinterkopf geschrieben.
Nach zwei Releases: Habt ihr das Gefühl, dass PACT mittlerweile eine eigene musikalische Identität entwickelt hat?
Die Identität war eigentlich schon da, bevor das Label überhaupt existiert hat. Die melodische Basis hat uns drei immer verbunden, und die Live-Show hat uns geholfen, eine gemeinsame kreative Sprache zu entwickeln. Wichtig ist, dass sich nichts erzwungen anfühlt. Wir versuchen nicht, eine Formel zu erschaffen oder in einen bestimmten Sound zu passen. Bei PACT geht es wirklich um Freiheit und Instinkt. Gleichzeitig fühlt sich das Projekt wie eine echte Mischung unserer individuellen Welten an. Man hört Teile von jedem von uns in der Musik, aber zusammen entsteht daraus etwas Neues und Einheitliches.

Das Artwork von „The Edge“ basiert auf einem echten Crowd-Moment. Warum war es euch wichtig, das Publikum auch visuell einzubinden?
Das Publikum stand bei PACT schon immer im Mittelpunkt. Während der Live-Shows bleiben die Menschen keine passiven Zuschauer; sie kommen tatsächlich auf die Bühne und interagieren mit der Performance über eigens entwickelte Controller, die wir selbst gebaut haben. Als wir das Label gestartet haben, wollten wir diese Verbindung auch auf die Releases übertragen. Echte Crowd-Momente als Artworks zu verwenden, fühlte sich wie der natürlichste Weg an. Dadurch fühlt sich jedes Cover mit einer realen Erinnerung verbunden an und verstärkt die Idee, dass PACT auf Verbindung und Beteiligung aufgebaut ist.
Wie ist die Idee hinter diesen Artworks entstanden?
Die Idee entstand aus unseren Instagram-Livestreams vor den Shows. Die Leute begannen, Passwörter vorzuschlagen, mit denen Fans eine bessere Chance hatten, mit uns auf die Bühne zu kommen. Danach haben einige angefangen, Schilder mit diesen Passwörtern darauf zu basteln. Irgendwann entschieden wir uns, die Titel unserer kommenden Tracks als Passwörter des Abends zu verwenden. So begannen die Menschen, Schilder, Shirts oder Gemälde mit dem Namen des nächsten Releases mitzubringen, und während der Shows haben wir diese echten Crowd-Momente festgehalten. Die besten Fotos werden zu den Artworks, viele andere nutzen wir für Videos und Visualizer. Was wir daran lieben: Nichts davon ist inszeniert.
Die Crowd ist ein zentraler Teil von PACT. Verändert sich ihre Rolle mit der Entwicklung der Shows?
Definitiv. Am Anfang haben wir experimentiert und herausgefunden, wie die Menschen reagieren würden. Mittlerweile versteht das Publikum das Konzept viel natürlicher. Die Interaktion ist nicht mehr nur ein Überraschungsmoment während des Sets; sie ist Teil der Identität des Projekts geworden. Die Menschen erwarten es, bereiten sich darauf vor und bringen manchmal sogar neue Ideen in die Experience ein. Je mehr wir auftreten, desto mehr möchten wir das Publikum einbeziehen – nicht nur in die Live-Shows, sondern auch über das Label und die gesamte kreative Richtung hinweg.
Gab es schon Momente auf der Bühne, in denen die Crowd die Richtung eines Sets komplett verändert hat?
Vielleicht nicht die komplette Richtung eines Sets, aber definitiv die Energie bestimmter Momente. Manchmal kommen Menschen auf die Bühne und spielen etwas so Interessantes, dass wir selbst aufhören zu spielen und ihnen für eine Weile die Führung überlassen. Diese Momente sind besonders, weil sie spontan und unmöglich zu reproduzieren sind. Die Interaktion ist real; die Menschen können den Sound tatsächlich beeinflussen und manchmal sogar versehentlich stoppen. Die Balance zwischen Freiheit und musikalischer Kontrolle zu finden, war eine der größten Herausforderungen des Projekts – und wir verbessern sie mit jeder Show weiter.
Wie wollt ihr die Live-Experience weiterentwickeln, ohne die Spontaneität zu verlieren?
Spontaneität ist essenziell für PACT, deshalb dient jede technische Weiterentwicklung dazu, uns mehr Freiheit zu geben – nicht weniger. Für die nächste Tour verabschieden wir uns von festen Tracklists und entwickeln ein System, das es uns ermöglicht, Tracks in beliebiger Reihenfolge zu spielen und die Übergänge trotzdem flüssig und musikalisch zu halten. Dadurch haben wir deutlich mehr Flexibilität, um auf die Energie des Raums zu reagieren und zu improvisieren. Gleichzeitig bleibt die Interaktion mit dem Publikum komplett unvorhersehbar – und genau dieses menschliche Element hält die Show lebendig.
Wohin soll sich PACT als Projekt als Nächstes entwickeln?
Wir sehen PACT als ein vollständiges künstlerisches Projekt wachsen – nicht nur als Label oder Live-Act. Das Ziel ist, weiterhin Musik zu veröffentlichen, die wir wirklich lieben, und gleichzeitig die Live-Experience an neue Orte und zu neuen Menschen zu bringen. Das Label gibt uns die Freiheit, Dinge auf unsere eigene Weise aufzubauen – mit deutlich mehr Reife und Selbstvertrauen als früher in unseren Karrieren. Im Zentrum steht immer noch dieselbe Idee: Zusammenarbeit zwischen uns, aber auch Zusammenarbeit mit der Crowd. Diese gemeinsame Energie definiert PACT letztendlich. Und natürlich würde es auch nicht schaden, irgendwann Milliardäre zu werden.
Aus dem FAZEmag 172/06.2026
Text: Triple P
www.instagram.com/pact.team