Pik Dame – Eine Legende aus Frankfurt am Main

Foto: Mayk Azato

Eröffnet wurde die Pik Dame in der Elbestraße 31 im Frankfurter Bahnhofsviertel bereits 1959, damals als Kabaretthaus, von Hermann Gauß. Unter der Führung des Sohnes wandelte sich das Lokal Ende der 80er-Jahre in einen Stripclub und erlangte im Laufe der Jahre Kultstatus in der Metropole am Main. Im Frühjahr 2018 schloss Frankfurts ältester Nachtclub wegen Umbauplänen am Haus, direkt im Anschluss folgte die Corona-Pandemie.

Mitte 2021 eröffnete die Pik Dame in dritter Generation und in neuem Glanz als eine Top-Adresse für elektronische, aber auch für stilistisch übergreifende Musik. Heute federführend ist Max Coga, der Enkel des einstigen Gründers. Gemeinsam mit seiner Familie gestaltet er nun in dritter Generation aktiv das Programm und Konzept. Coga ist ebenfalls im Milieu der Bankenmetropole aufgewachsen und neben seiner Tätigkeit als Club-Besitzer auch professioneller MMA-Kämpfer. 

Foto: Mayk Azato

Max, der Sommer neigt sich dem Ende. Wie waren die letzten Wochen für dich und die Pik Dame?

Der Sommer war recht straff getaktet. Mein Team, die DJs, alle Artists und ich waren viel unterwegs. Wir haben eine enge Zusammenarbeit mit dem Tantra Club auf Ibiza, waren mit unserem Resident Bachi auf Events und in Clubs unterwegs und haben unser erstes Festival in Frankfurt mitorganisiert und veranstaltet. Wir versuchen, uns stets zu steigern und zu verbessern.

Die Pik Dame wurde 1959 von deinem Opa Hermann Gauß gegründet. Somit ist die Pik Dame der älteste Nachtclub in FFM.

Ja, das stimmt. Ich hatte einen engen Bezug zu meinem Großvater. Er war ein sehr harter, aber auch lebensfroher Mensch. 1959 hatte er die Idee, nachdem der Krieg vorbei war, einen Nachtclub bzw. Cabaret zu eröffnen, ein Etablissement mit Frauen und den skurrilsten Shows. Als ich elf Jahre jung war, ist er verstorben. Den Geschichten meines Vaters und Onkels nach muss er wohl ein absolut wahnsinniger und zugleich liebenswerter Mensch gewesen sein.

Ende der 80er-Jahre wurde der Club von deinem Vater und deinem Onkel übernommen, die Pik Dame avancierte zu einem Stripclub. Welche Geschichten hallen bis heute noch aus dieser Zeit nach?

Die Striptease-Tage waren toll. Meine Mutter und mein Vater hatten beide Nachtclubs. Ich bin sozusagen von einem Club in die nächste Seitenstraße zum anderen Club gelaufen, abhängig davon, ob ich bei Mama oder Papa geschlafen habe. Beide Clubs hatten eine Vielzahl an Artisten und Tänzerinnen und schöne Shows, die ich von klein auf sehen durfte. Striptease war schon etwas Besonderes. Eine erotische und stilvolle Darstellung eines nackten Körpers kombiniert mit Musik. Als Kleinkind erlebte ich die letzten Jahre dieser besonderen Zeit. Mit den Jahren ist es allerdings immer einfacher und plumper geworden.

2021 hast du den Club in dritter Generation übernommen und ganze drei Jahre lang umgebaut. Welche Idee und Motivation steckt dahinter?

Der Umbau selbst hat bereits vor Corona im Frühjahr 2018 begonnen. Die Idee meines Vaters und Onkels war, die Pik Dame in das Pik House wachsen zu lassen. Wohnungen im Stil der Pik Dame als Widmung für meinen Großvater. Die Idee war also, ein Wohnhaus zu bauen, das mit dem Club kombiniert wird. In diesem Haus wohnen Freunde und Familie, die sich mit der Pik Dame identifizieren, also auch gerne vor Ort leben, arbeiten und trainieren. Als der Bau abgeschlossen war, steckten wir noch mitten im Lockdown. Zu dieser Zeit stand ich vor der Entscheidung, ob ich die Geschäfte in dritter Generation übernehme oder mich einzig und allein dem Sport widme. Ich entschied mich, die Pik Dame zu führen, aber den Sport trotzdem professionell weiterzumachen. Am 10. Juni 2021 war es dann soweit, mein erster Abend als Chef.

Foto: Mayk Azato

Du hast es gerade schon angesprochen, eigentlich bist du professioneller MMA-Kämpfer, aufgewachsen im Rotlichtmilieu. Deine Mutter war Tänzerin in der Pik Dame. Wie vereinbarst du deinen Alltag als Sportler und Clubbesitzer dieser Tage?

Als Profi kann ich tatsächlich niemandem dazu raten, diese Art von Marathon zu leben. Schlaf ist sehr wichtig für einen Athleten, ich bin aber so aufgewachsen und bin es irgendwie gewohnt. Ich opfere alles auf für dieses Leben und ordne dem Ganzen alles unter. Das Nachtleben und das Kämpfen haben mich extrem geprägt und genau diese widersprüchlichen Welten zu verbinden, ist es, was mich so antreibt. Ich schöpfe Kraft aus den Dingen, die ich tue, und verbinde alles, was ich tue, mit Musik. Eigentlich muss ich nur meinen Schlaf managen, ansonsten lebe ich recht gesund und halte in Kampfvorbereitungen harte Diäten ein.

Die Pik Dame ist dieser Tage ein Konzepthaus mit 13 Wohnungen. Leben und Arbeit werden verbunden, wie du schon erwähnt hast. Erzähle uns mehr zu diesem Community-Konzept.

Die Idee des „Pik Dame House“ ist, Leben und Arbeit zu kombinieren. Wer für mich arbeitet, muss trainieren. Es macht das ganze Geschäft sicherer, wenn alle Mitarbeiter*innen es verstehen, sich und andere zu schützen. Außerdem stärkt es die Teambindung. Ich muss gestehen, dass es mir aber auch selbst Spaß macht, mit einigen der Jungs hartes Sparring zu machen. Es schweißt zusammen. In den 13 Wohnungen befinden sich ausnahmslos Freunde und Familie.

Foto: Anna Scheidemann

Mittlerweile ist der Club eine feste Instanz in Sachen Musik. Du selbst bist Musikliebhaber und hattest bereits namhafte Acts wie Andhim zu Gast. Erzähle uns vom aktuellen Booking in der Pik Dame sowie von den beiden Floors.

Das Booking bespreche ich in der Regel mit meinem Bruder. Wir haben drei Residents, mit denen wir fest arbeiten, aber auch wechselnde Line-ups, vor allem im elektronischen bzw. technoiden Bereich. Wir haben einen Dance-, Classics- bzw. Hip-Hop-Floor, wo von Prince bis Haftbefehl alles laufen kann, und im unteren Teil der Pik Dame einen Bereich, der nur mit elektronischer Musik bespielt wird. Sozusagen der Club im Club. Dort arbeite ich mit starken DJs zusammen. Dieses Jahr kommen noch ein paar ganz spezielle Line-ups, lasst euch überraschen.

In unserer letzten Ausgabe hatten wir ein Feature mit Bachi, deinem Resident. Seine Geschichte ist sehr besonders.

In der Tat. Ich habe enormen Respekt vor dem Jungen und seiner Familie. Sie haben durch verschiedene Kriege gleich zweimal alles verloren und sind immer noch positiv eingestellt und motiviert, sich ein Leben aufzubauen. Mit Bachi lache ich extrem viel. Wir lieben Musik und geben beide auf unsere Art 100 Prozent. Sein Leben in Kiew war meinem jetzigen Leben nicht unähnlich. Er und sein Bruder führten dort einen Club, in dem er auch selber gespielt hatte. Ich freue mich immer, ihn spielen zu hören.

Wie sieht deine Vision aus, mit der Pik Dame Menschen mit Musik zu verbinden? Diese Absicht wurde dieser Tage sogar mit einem eigenen Label untermauert.

Ich empfinde Feiern, Tanzen, Musikhören und Menschen treffen als eine absolute Notwendigkeit, die kein Alter kennen darf. Musik bringt Menschen zusammen – und das untermauern wir mit dem Label Pik Records.

Der Herbst und Winter stehen vor der Tür. Wie sehen die kommenden Wochen und Monate im Club sowie bei dir persönlich aus?

Ich freue mich auf längere Nächte. Die anstehenden Events werden krass, wir haben Top-Acts und Top-DJs, die in den nächsten Wochen spielen werden. Aber ich möchte noch nicht zu viel vorwegnehmen. Ich selbst bin vor vier Monaten NFC-Champion geworden. Die Storyline zum Kampf war ein Meilenstein im deutschen MMA-Sport. Derzeit fokussiere ich mich wieder einzig und allein auf die Pik Dame und das Label, bin aber stets bereit für eine gute Schlacht (lacht).

Aus dem FAZEmag 140/10.2023
Text: Triple P
Fotos: Mayk Azato / Anna Scheidemann (Familienbild)
www.pikdamefrankfurt.com