Wir haben uns zum Jahresbeginn einfach mal das gegönnt, was vielen Digitaljockeys Tränen begeisterter Freude in die Augen treibt: Ein komplettes Pioneer-Set bestehend aus zwei brandaktuellen CDJ-Playern und einer DJM-Unit als klassischen Vierkanal-Effektmixer. Denn was über viele Jahre vornehmlich optisch eine harmonische Einheit ergab, macht nun auch im technischen Zusammenspiel richtig Sinn. Schließlich künden die  Zusätze „nexus“ bei den 2000er Modellen von einer fantastischen, dank DJ-Link eng vernetzten DJ-Zukunft.

Wer hätte das gedacht? Tatsächlich reicht die DJ-digitale Spur bei Pioneer dann doch bis ins Jahr 1994 zurück. In jenem Jahr der großen Dance Music-Kommerzialisierung (u.a. Jahresendcharts Single Pop #6: Marusha – Somewhere Over The Rainbow) stellten die Japaner mit dem CDJ-500 ihren ersten pitchbaren Single-Player im  Tabletop-Design vor. Ebenso wie der kompaktere Nachfolger CDJ-500S des Jahres 1997 noch als Top-Loader konstruiert, war dieses Gerät zwar noch weit davon entfernt, dem Turntable auch nur ansatzweise den Rang streitig zu machen. Und doch: Mit der Idee, CDs über ein riesiges Jog Wheel ähnlich einem Vinyl handhabbar zu machen, war der Grundstein des heutigen Erfolges gelegt.

Bereits damals war übrigens ebenfalls schon der bis zum heutigen Tage nahezu uhrwerkgenau eingehaltene Produktlebenszyklus von drei Jahren für ein CDJ-Modell erkennbar. Nach dieser Zeit folgt eine, wie auch immer geartete, neue Variante.  Den endgültigen Siegeszug durch die Clubs, Profistudios und schließlich auch Bedrooms trat dann ab dem Jahre 2001 das Laufwerk CDJ-1000 an. Dieses prägt im grundsätzlichen Layout noch heute das Gesicht des Pioneer-Players wie auch vieler seiner Mitbewerber. Der letzte große Quantensprung im Bezug auf die Technik und das Design erfolgte schließlich Ende 2009 mit der Vorstellung des CDJ-2000: Ein innovativer Bolide mit gigantischem Display, welcher die Grenzlinie vom CD- zum Multiformat-Player inklusive Vernetzung und Software-Nutzung endgültig überschritt. Dieser löste dann auch Erfolgsmodell CDJ-1000 in der letzten Version mk3 endgültig ab und bildet in weiten Teilen die Grundlage des jetzigen CDJ-2000nexus.

Entsprechend finden sich viele der 2000er-Vorzüge auch beim nexus wieder. Angefangen beim riesigen 20 cm-Jogwheel, welches im Drehwiderstand frei eingestellt werden kann. Bis hin zur Anschlusssektion, welche rückseitig mit einem Stereo-Cinch-Ausgang sowie koaxialen Digitalausgang, ferner einem Faderstart-Slot und der entscheidenden Netzwerkschnittstelle belegt ist. Bei einer physischen Verkabelung lassen über einen Hub so bis zu zwei Rechner wechselseitig ansteuern. Im Falle einer WLAN-Vernetzung sogar bis zu vier, einschließlich Smartphones und Tablets. Wir werden später den LAN-Weg über den DJM-2000nexus gehen. Der „Kurzschluss“, also die direkte LAN-Verkoppelung von zwei (maximal vier) CDJ-2000nexus inklusive Zugriff auf das Musikmaterial des jeweils anderen Players funktioniert natürlich weiterhin auch.

Die Files können ausgelesen werden von SD- bzw. SDHC-Karten oder aber USB-Datenträgern (Sticks, Festplatten…) – beide Anschlüsse sind an bekannter Stelle oberseitig vorhanden. Ach so, ein Slot-In-Laufwerk für CD/DVD-Silberlinge besitzt das gute Stück natürlich ebenfalls. Einmal mehr beeindruckend ist der Bildschirm des 2000er-Modells. Eher schon Monitor denn gewöhnliches LC-Display gibt es auf einer Diagonalen von 15,5 alle entscheidenden Informationen gestochen scharf preis. Eingerahmt wird die angewinkelte Display-Kuppel von den bekannten Funktionsbuttons zur Auswahl des Abspiel-Mediums (Disc, SD, USB, Link) sowie Organisation (Browse, Tag List, Info, Menu/Utility). Eine Neuerung stellt hierbei der separate Button „Rekordbox“ dar. Dieser detektiert am CDJ angeschlossene, Rekordbox-kompatible Geräten. Das kann ein Computer oder nun ebenso auch ein Wireless Device (Smartphone, Tablet) sein. Mittels des Push-Encoders am rechten Bildschirmrand kann man dann komfortabel durch die Device-Liste (wie auch alle anderen Menüs) navigieren und die gewünschte Library öffnen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich ist auch der CDJ-2000nexus imstande, Tracks unterschiedlichster Formate abzuspielen, die zuvor nicht durch die Management-Software Rekordbox geschleust wurden. Alles andere wäre ja auch witzlos. Und bei den CD/DVD-Titel sogar erfolglos. Denn diese lassen sich nicht „rekordboxen“ und brennen. Es wäre es aber im Umkehrschluss ebenso witzlos, sich den nexus-Player zuzulegen, und die Rekordbox nicht zu nutzen. Denn mit dieser werden die Tracks überhaupt erst so „hingebürstet“ und mit Taktrastern, Wellenformdarstellungen usw. versehen, dass sich der nexus-Funktionsumfang voll auskosten lässt. Man sollte sich also die, zugegeben etwas zeitraubende, Arbeit machen und seinen Musikbestand sauber durchanalysieren und ggf. Cue-Punkte und Playlisten gleich mit anlegen. Im rasanten Mehrdeck-Flow kommt wirklich nichts ätzender, als irgendein nicht oder fehlerhaft analysierter Track. Die Rekordbox ist inzwischen auch als App für Android- und iOS-Geräte erhältlich, so dass sich im Grundsatz dieselben Analyse-Aktionen nun auch mobil durchführen lassen. Bis hin zur kabellosen Übertragung von Rekordbox-Tracks zwischen beispielsweise einem PC und Mobilgerät. Oder der Steuerung eines von einem Mobilgerät an den CDJ-2000nexus gesendeten Titels. Anders als beim neuen Pioneer XDJ Aero Controller, der einen eingebauten Wi-Fi Router mitbringt, muss der CDJ-2000nexus jedoch zuvor mit einem externen WLAN-Router verknüpft werden, damit das kabellose Spiel funktioniert. Der herüber gesandte Track wird übrigens offenbar tatsächlich im CDJ selbst gebuffert – von einer reinen, brüchig kalten Wi-Fi-Fernsteuerung kann also nicht die Rede sein. Dafür muss der Track dann aber auch im schnell verschickbaren Kompaktformat MP3 oder AAC vorliegen. Noch scheiden sich am diesem, auch schon von Denon mit Engine umgesetzten, Wireless-Feature die Geister: Was die einen als ultimative Innovation und Befreiung feiern, lässt bei anderen einmal mehr die Sinnfrage keimen. Aber schon anno 1994 dürften sich dieselben Personen gleichermaßen gefragt haben, welchen Sinn es denn mache, mit einem CD-Player auflegen zu wollen. 

Weit sind wir abgeschweift, dabei war das CDJ-Display doch noch gar nicht komplett abgehandelt. Denn dieses bringt als zusätzliche Neuerung eine hoch aufgelöste Wellenform-Darstellung mit, in die sogar hineingezoomt werden kann, um bestimmte Bereiche anzusteuern und Cue-Punkte exakt zu setzen. Auch die Taktraster werden sichtbar und können bei Bedarf direkt am Gerät verändert werden. In allen Fällen hervorragende Dienste leistet der mit der Generation 2000 eingeführte „Needle Search“ Ribbon-Controller unterhalb des Displays. Dank dessen spürbar erhabenen Abstandsmarken lässt sich wirklich blitzschnell und gezielt durch die Wellenform surfen. Mit der Anlage von Taktrastern innerhalb der Tracks (wir erinnern uns: Recordbox-Analyse) kommen dann schließlich noch viele weitere CDJ-Neuerungen voll zum Tragen. So zum Beispiel der „Slip“-Mode, mit dem ab sofort selbst gewagteste Schleifen-, Reverse- und sogar Scratch-Stunts stets taktsynchron durchgeführt werden können. Ebenso bleiben die mit dem „Loop“-Mode aktivierbaren und in der Länge per Ribbon Controller veränderbaren Trackstückelungen stets „in time“. Ja selbst Hot Cues können mittels „Quantize“ rasterpunktgenau gesetzt werden. Aber das ist noch nicht alles …

… denn der Synchronlauf auf lässt sich auf das gesamte Setup ausdehnen. An dieser Stelle bringen wir nun endlich auch den DJM-2000nexus Vierkanalmixer ins Spiel. Als neues Flaggschiff des 1996 mit dem Modell DJM-500 eingeführten Klassikers bringt dieser rückseitig sechs Netzwerkanschlüsse aufs Trapez, um mit zwei Computern und  bis zu vier CDJ-2000nexus-Playern zu interagieren. Per Netzwerkkabel werden die CDJs mit dem DJM über die Pro DJ Link-Anschlüsse verkoppelt, automatisch erkannt und den entsprechenden Kanalzügen zugewiesen. Im Display der CDJs leuchtet die Kanalnummer (1, 2 …) entsprechend auf. Der Vorteil der 2000er Mixerreihe ist nun, dass sie ebenfalls ein großes, touchfähiges Multifunktions-Display im Herzen trägt. Kommen wir also gleich nun zu dem, was seit Ankündigung die Gemüter erregt: Die Sync-Funktion des neuen DJM. Öffnet man im Mixer-Display das „MIDI“-Fenster, lässt sich auf der ersten Seite festlegen, welcher Player im Sync-Modus mitläuft bzw. die Master-Funktion übernimmt. Ebenso kann auch am Mixer selbst ein Tempo eingegeben werden, so dass dieser die Funktion des Taktgebers übernimmt und die Grundgeschwindigkeit an alle anderen LAN- und MIDI-Gerätschaften streut. Und zum dritten besitzen auch die DJM-Player nun eigene Sync- und Master-Buttons, damit man jederzeit den Status von jedem Gerät aus wechseln kann. Oder falls der Mixer als Kernstück eben gar nicht vorhanden ist.

Und nun lasset den Spaß beginnen! Denn läuft erst einmal alles im Grid-Gleichschritt synchron, kann man sich ungefähr ausmalen, was alles möglich ist. Sämtliche Effekte, selbst die sonst schwierigen Delays, umgarnen ohne unangenehme Abweichung magisch die Musik. Effektfahnen können jederzeit verkürzt und verlängert werden, aber wiederum stets im Quantisierungsmuster der Musik. Samples lassen sich aus allen möglichen Kanalrichtungen ziehen, stapeln, versetzen und wieder entfernen. Ebenso können die auf dem DJM befindlichen Drum-Sounds exakt gesetzt sowie mittels Beat-Slice Remix komplett neue Tracks aus den sezierten Titeln der verschiedenen Zuspieler generiert werden. (Ableton lässt grüßen!) Bis hin eben zur Synchronisierung externer Soft- und Hardware-Gerätschaften, da das Taktsignal auch als MIDI-Clock ausgespuckt wird. Sagenhaft! Nochmal der Hinweis: Das alles funktioniert natürlich nur derart fix und reibungslos, solange die Files zuvor durch die Rekordbox gezogen und mit den erforderlichen BPM-und  Rasterdaten versehen wurden. CD/DVD-Tracks, egal in welcher Form sie vorliegen, können nicht in den automatisierten Gleichlauf einbezogen werden. Zwar besitzen sowohl der CDJ wie auch DJM einen Beat-Counter. Allerdings lässt sich die so ermittelte Taktgeschwindigkeit nicht als Master-BPM nutzen. Ebenso können die Rekordbox-Daten, wie bereits erwähnt, nicht auf CD exportiert/gebrannt werden. Das Medium CD wäre ohnehin viel zu träge für den neuartigen DJ-High Speed-Aktionismus.

Was unter dem Strich bleibt, ist eine sensationelle Tool-Erfahrung, die leider in dieser netzwerkverbundenen Konfiguration bestehend aus mindestens zwei CDJ-2000nexus plus DJM-2000nexus (plus ggf. weiterer Zusatztools) Sinn macht. „Leider“, weil damit dann auch mal eben fast 6.000 Schleifen über den Ladentisch wandern. Der kreative Spaß und Zusatznutzen ist jedoch selbst mit Gold kaum aufzuwiegen. Übrigens gerade wegen der Sync-Funktion, welche überhaupt erst den zeitlichen Freiraum für die gigantischen und in atemberaubender Geschwindigkeit durchführbaren Effekt-, Mix- und Remix-Optionen schafft. Und wo würde die Tanzmusik wohl heute stehen, hätte es nicht auch in der Vergangenheit nicht bereits Hilfsfunktionen wie den Arpeggiator, Step-Sequencer und Sync-Boxen gegeben? Kaum ein Track, dem diese Automatisierungen nicht zugrunde lagen. Ein Produzent und Advanced DJ ist eben keine Band. Gerne weisen wir noch darauf hin, dass es den Player auch als kleinere (und entsprechend günstigere) DJM-900nexus Variante gibt. Ebenso den Mixer. Allesamt auf Wunsch auch in Weiß. Und sogar als nochmals reduzierte CDJ/DJM-Bundles in unterschiedlicher Zusatzusstattung.

Pioneer DJM-2000nexus
Digitaler 4-Kanal-Effektmixer

Anschlüsse:
6 CD/Line-In (Cinch)
2 Phono-In (Cinch)
4 Digital-In (coax.)
1 Mikrofon-In (XLR/Klinke)
2 Master-Out (Cinch, XLR)
1 Booth-Out (Klinke)
1 Rec-Out (Cinch)
1 Digital-Out (coax.)
1 Kopfhörer (Klinke)
1 Send / Return (Klinke)
1 MIDI-Out
1 USB (Typ B)
6 Pro DJ Link / LAN (2 Computer, 4 Player)

Audio:
Abtastfrequenz 96 kHz, D/A-Wandler 32 Bit, A/D-Wandler 24 Bit, Frequenzgang 20 Hz – 20 kHz, Klirrfaktor 0,004 % oder niedriger

Hauptmerkmale:
15 cm Multitouch-LCDisplay, 7-Band Frequency Mix, Sidechain Remix, Beat Slice, Sync- und MIDI-Mode, Live-Sampler, Dreiband, EQ/Isolator pro Kanal, Crossfader frei zuweisbar

Effekte:
Inst FX mit Filterregler pro Kanal: High Pass Filter, Low Pass Filter, Jet, Zip, Crush, Noise Beat Effects mit 3-Band-Effektfilter-Control: Delay, Multi Tap Delay, Roll, Reverse Roll, Trans, Gate, Echo, Reverb, Slip Roll, Filter, Phaser

Preis: 2.299 EUR UVP

 

Pioneer CDJ-2000nexus
Multiformat DJ-Player

Nutzbare Medien:
iPhone 3/GS und 4/GS, iPad ab 3. Generation, iPod Touch ab 3. Generation, Android Geräte (Phones, Tablets…), USB-Speicher (Flash, Festplatten…), SD/SDHC-Karten, Computer (Mac, PC)

abspielbare Formate:
MP3, AAC, WAV, AIFF, Audio-CD, CD-R/RW, DVD±R/RW/R-DL

Anschlüsse:
1 Audio-Out (Cinch)
1 Digital Out (coax.)
1 Pro DJ Link / LAN
1 Control (Miniklinke)
1 USB-A, 1 USB-B
1 SD Card Slot

Hauptmerkmale:
206mm Jogwheel, Needle Strip Ribbon, WLAN, Wi-Fi Control, Beat Sync / Master Play, Wave Zoom, Quantize, verbessertes Master Tempo, Slip Mode, Active Loop, Emergency LoopSlip Mode, Beat Countdown, Phase Meter, MIDI/HID Control

Preis: 1.899 EUR UVP

www.pioneer.de