Ich mag Amsterdam! Zwei Mal im Jahr stromere ich hier ein verlängertes Wochenende durch die „Straaten“. Das erste Mal, wenn ich Gesine besuche und das zweite Mal zum ADE.
Ich freue mich sehr, dass Gesine nach Amsterdam gezogen ist. Zuvor lebte sie in New York, was dazu führte, dass wir uns hauptsächlich zu Weihnachten sahen, wenn sie ihre Familie in Hamburg besuchte. Obwohl: 2009 flog ich über den Teich. Da waren wir auf der WMC und holten uns den Sonnenbrand unseres Lebens. Morgens, halb dicht nach irgendeiner Party. Spontaner Funke von Romantik – und am Strand eingeschlafen. Klassiker. Wollten nur mal kurz die Augen schließen, dann waren unsere Hintern verbrannt und das Sitzen eine Weile kritisch.
Für die Rückreise nach New York hatten wir unterschiedliche Flüge gebucht und wollten uns am Flughafen treffen. Einer der beiden Flieger wurde in ein Kaff umgeleitet, weil ein Landeblinklicht kaputt war. Ratet mal, welcher … Sechs Stunden später bin ich dann auch in JFK gelandet und musste alleine nach Brooklyn. Ziemlich cool, mein erstes Mal in New York. Mitten in der Nacht, ich kam aus dem Flughafen, sah die gelben Cabs, die man aus Filmen kennt, die Skyline, die Lichter, die Reklame und musste die ganze Fahrt über aus dem Fenster schauen.
Zurück zum ADE. Gesine arbeitet jetzt bei Armada und hatte ein relativ straffes Business-Programm. Ich hatte ein paar Termine und genügend Freizeit. Zuerst traf ich Karotte. Peter flog mit Chris Liebing, Gregor Tresher, Terry Lee Brown und The Timewriter von Frankfurt nach Amsterdam. Am Gepäckband kamen zwei Jungs und fragten, ob die vier Pan-Pot seien. Kurzer Blickaustausch. Der Sarkasmus siegte. Das Quartett gab sich als Pan-Pot aus und stimmte einem „Fanbild“ zu. Ich kann mir sie nur vorstellen, die Blicke der beiden Jungs auf einem Pan-Pot-Gig. Aber wir wussten es ja schon immer: Alle DJs sehen irgendwie gleich aus!
Peter musste zum Abendessen und ich in die Traktor Cookery School. Traktor, Native Instruments und Beatport haben sich während des ADE in einer Kochschule zwischen Felix Meritas und dem Dylan Hotel einquartiert und drei Mal am Tag verschiedene DJs ihre Lieblingsgerichte kochen lassen. Es war ein sehr netter Treffpunkt mit guten Weinen und interessanten Leuten. Zu später Stunde traf ich dort einen leicht betrunkenen, mir unbekannten Herren, der aus heiterem Himmel lustige Sätze wie: „Guck mal, das ist der Chef von Beatport, er ist immer auf Betablockern, und zukünftig sollte man Traktor aus dem Laptop raus integrieren“ formte. Kurz darauf rief Gesine an, und wir ließen den Donnerstag mit einem Rotwein ausklingen.
Entsprechend war der Freitag.
Samstagabend im Backstage der Sugar Factory erzählte mir Oliver Huntemanns Tourmanager Suratt von ihrem letzten Wochenende in Brasilien. Ein Gast aus dem „VIP-Zelt“ erläuterte, dass Oliver zwar ein ziemlich cooler DJ sei, er am liebsten aber Itschi Otschi möge. Suratt hatte nicht einmal den Hauch einer Ahnung, wer Itschi Otschi sein könnte. Der Gast guckte ungläubig und dozierte, dass jeder Itschi Otschi anbete und überhaupt, wie könnte man Itschi Otschi nicht kennen? Kurz darauf erschien der Veranstalter und der Gast mokierte sich: „Hey, Suratt kennt Itschi Otschi nicht.“ Woraufhin der Veranstalter antwortete: „Man muss ihn schon korrekt aussprechen, wenn man ihn erkennen soll, den Richie Hawtin.“ Aus, Ende, Enter!


FAZEmag 010/12.2012

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