Platten des Monats – April 2026 – Singles & EPs

Singles & EPs – Platte des Monats

Zcelli Forever
The Sun and The Rainfall (Any Second Now 002)
Ich muss zugeben, weder das Label noch der Künstler haben mir etwas gesagt, bis das neue Paket von Deejay.de bei uns im Büro eingetroffen ist. Ich mache das dann meistens so, dass ich die Platten, die ich für mich nicht so spannend finde, sofort unter den Rezensenten verteile und die Platten, die mich irgendwie catchen, noch ein zweites oder drittes Mal höre. So geschehen bei Katalognummer 002 des deutschen Labels ASN von Marcel Schulz, den einige von euch vielleicht noch als Mitglied von Kollektiv Ost kennen dürften. Jetzt releast er unter Zcelli Forever großartige Musik zwischen Balearic, Deep House, Neotrance und Tech House. Die vorliegende 12“ ist in zwei Seiten und zwei Stimmungen aufgeteilt. Während ich die Sonne sehr gelungen, aber nicht außergewöhnlich finde – die Nummer treibt gut und ist dabei deep – klar – ist der Regen nichts anderes als großartig. Selten habe ich eine dermaßen emotionale Balearic Produktion gehört, bei der einfach alles stimmt. Wenn jetzt Vocals von Fritz K. dazu kämen, hätten wir unbestritten „Sky & Sand Part 2“. Musik zum Träumen, Schätzelein. 10 points svenman

Singles & EPs – Top Ten

Anas M
Element 115 (Worst Date Records / Deejay.de)
Der gebürtige Marokkaner Anas M weiht sein frisch aus dem Ei gepelltes Label Worst Date Records mit einer großartigen EP ein und kombiniert dabei seine UK-Tech-House-Wurzeln mit einer träumerischen Minimal-Essenz – super Dancefloor-Material. Druckvolle Unterbauten, schimmernde Pads und treibende Drums harmonieren hier großartig und verführen uns mit einer federnden, verspielten Rhythmik mit verspieltem Groove. Spitze. 10 Laenkford

Aney F.
Deep Inside EP (South Of Saturn)
Aney F. der bereits seit einigen Jahren erfolgreich deepen bis minimalen House veröffentlicht, bringt sein nächstes Release auf SoS, einem Label von Lee Foss. Zu hören bekommen wir deep gehaltenen House, allerdings labeltypisch etwas aufgepumpt. Mir gefällt „Mariache“ gut, denn hier kommen die Beats etwas entspannter, deepe Chords bringen einen oldschooligen Touch ins Spiel, der von den tollen Vocals noch verstärkt wird. Aber auch dieser schiebende House von „Having A Good Time“ überzeugt mit fetzigen Synthies, coolem Basslauf und treibenden Beats. Also insgesamt hört man den Sound von Aney F. deutlich heraus, und damit wird die EP sowohl Techhouser und ‚Oben-Ohne-Tänzer‘ aber auch die deepen Freunde überzeugen. 10Rusty

Anna Reusch
Triplet King / Games (Electric Ballroom 051)
Die nächsten beiden Kollabo-Tracks von Anna Reusch und Thomas Schumacher kommen auf schickem Picture Vinyl daher und bieten energetisch pumpenden, wenn auch wenig spektakulären und somit eher austauschbaren Peaktime-Techno bei „Triplet King“ und interessanten Vocal-Techno bei „Games“. Letztgenannter Track verarbeitet sehr coole Percussions und die tatsächlich gesungenen Vocals zu einem stark polarisierenden Stück. Ich finde es gut, wenn man sich etwas traut und die ausgetretenen Pfade verlässt. Und das macht „Games“. Dafür gibt es 8 points tseb

Baka G
No Breaks All Fun EP (Seven)
Die französische Schweizerin in Brüssel (!) verarbeitet auf der neuen Seven ihre Einflüsse aus Garage, Disco, Latin, Tribal und Soul. „No Breaks All Fun“ startet wie Strictly Rhythm in der 90ern mit Pianos auf Housebeat und gewisperte Vocals vermitteln Intimität und eine gewisse Herzlichkeit – das Teil scheucht den Tänzer gekonnt über den Dancefloor. Es folgen drei Mixe, die von Künstlern des Seven Rosters stammen: Retromigration addiert Claps, singende Chords und Tribaluntertöne. Zombies in Miami schießen den Vogel ab: Swingende Synkopen, soulige Pads, klasse Percussionarbeit und kosmische Atmo – Deep House kann kaum besser klingen! Andre Zimmer überlässt der Bassline das Kommando und der House-Jam breitet sich flächendeckend, leicht monoton in seiner Version aus. Als weiterer Track kommt „Clavel“ zum Zug. Etwas schneller bei 132 bpm unterwegs, pusht der Track mit eine rollenden Bassline und einer Mischung aus male und female Vocals für zusätzliche Emotionalität zwischen den Pianolines. Fazit: Mitreißende EP, die mit Herz und Gefühl für den Floor entwickelt wurde. Love it! 10 Cars10.Becker 

Brizman
Those Nights (Silvi / Deejay.de)
Die neue Single von Brizman kommt wieder auf Silvi und hat drei reduzierte Housetunes, sowie einen Remix von Crihan im Gepäck. Mein Favorit der EP ist natürlich „For The Ones You Know”, denn hier klingen die Beats an sich schon housig, etwas ruppig vielleicht, aber trotzdem schön groovend. Das Highlight ist aber dieser tiefe Basssynthie, der sich unfassbar harmonisch, warm, melodisch angeht und nichts als Gänsehaut bei mir hinterlässt. Das Beiwerk aus fluffig leichten Synthies und Flächen, die sich daneben tummeln runden genau diesen harmonischen Eindruck perfekt ab. Allein dafür würde ich der EP schon 10 Punkte geben. Hinzu kommt aber noch der Titeltrack zu dessen reduziertem Arrangement mit leichter Acidnote, Pianosample und peitschenden Percussions, wunderschöne Vocals von Nina Noy, die Stimmung aufhellen as fuck. Das ist eine echt gut gemachte EP die perfekt zum Start in den Frühling meinen Vitamin D-Spiegel oben hält. 10Rusty

Crystal Clear
Set It Up EP (V Recordings)
Leute, ich bin verliebt. Zum Beispiel in die Frau, die mir gegenüber an diesem Tisch in der Lobby dieses Hipster-Hotels in Sankt Peter Ording sitzt. Und – wenngleich auf ganz andere Art – in die neue EP von Crystal Clear. Vier Tracks, und bei jedem frage ich mich: Alter, wie schön kann Drumandbass eigentlich sein? Wie viel Liebe, Soul, Energie und Einfallsreichtum kann generell in Musik stecken? Und wie vertraut kann sich ein Sound anhören, ohne, dass er langweilig wird? Ihr merkt schon, ich habe mehr Fragen als Antworten. Und genau das mag ich an Drumandbass: dass ich auch nach über 25 Jahren, die ich mir diese Musik jetzt um die Ohren haue, noch mit offenem Mund dastehe und es einfach nicht fassen kann, dass etwas so gut sein kann. 10 points Feindsoul

Felix Flavour
M (The Amapiano Alphabet)

Südafrika hat Eindruck hinterlassen. Seit seiner Reise dorthin schenkt uns Felix Flavour immer wieder Fusionen aus House und Amapiano, die gleichzeitig bisweilen auch in das sogenannte „Amapiano Alphabet“ eingebaut werden. Wir befinden uns nun beim M. Guter Buchstabe. Dabei folgt er nicht der alphabetischen Chronologie, sondern seinem kreativen Prozess. „M“ entstand in Zusammenarbeit mit DJ Arch Jnr, der vor vielen Jahren im Alter von 3 Jahren South Africa’s Got Talent gewann. Zudem bringt der 13-Jährige seinen Kumpel Longkay mit, der an der Produktion mitwirkte. Die Vocals liefert Philharmonic. Bei der sehr gefühlvollen und rhythmischen Nummer ist aber vor allem das schöne Piano-Outro in Erinnerung geblieben. Ein durchweg atmosphärischer Track. 08/10 scharsigo

Konstantin Smirnov
On My Mind (Luck of Access / Deejay.de)
Konstantin Smirnov – ein mir bis dato unbekannter Künstler – zeigt uns sein Können auf Andrey Pushkarevs Luck of Access. Was dabei rumkommt, ist schlichtweg fantastisch. „On My Mind“ eröffnet auf der A-Side mit straffen 135 BPM und einem stompy anmutenden Dub-Techno-Roller – verträumte Pads, rhythmische Bleeps und weibliche Focal-Fetzen sorgen für ein tolles Ambiente, der Beat drückt mächtig nach vorne. Erste Sahne! Nicht minder dreamy gestaltet sich dann „Gravity“ (A2), das im Breakbeat-Stil daherkommt. Schön subby und mit tollen Chord-Progressions. Auf der Flip gibt es dann weiteren Grund zur Freude, wenn Japans Underground-Meister Satoshi Tomiee für einen Remix anlegt. Seine Version von „On My Mind“ reduziert das Tempo deutlich, wodurch die orchestralen Flächen nun noch besser zur Geltung kommen und uns zusammen mit dem bestechenden Groove in den Bann ziehen. Für das Finish übernimmt dann wieder Smirnov und schickt uns mit der sakralen Ambient-Nummer „Entering The Control Room“ in den Äther. Awesome! 10 Laenkford

Mathias Kaden
Fyutr (Rekids)
Seit spätestens “Red Walls” in 2011 bin ich Fan von Mathias‘ Art, House auf ein spezielles Level zu heben. Und auch hier gelingt es ihm wieder dieses Genre in besondere Dimensionen zu hieven. Ame-like Dubchords auf einem Slow-Burner Beat im Zusammenspiel mit der Stimme von Zoe Xenia machen die Magie von Fyutr“ aus. Das Teil nimmt dich mit wie einst Mister V., Roadamaal, Franck Roger, Kerri Chandler, DJ Spen, Karizma oder Henrick Schwarz Anfang der 00er. Kein Wunder, dass ein Name aus dieser Riege, nämlich niemand Geringeres als Dennis Ferrer, ebenfalls seine Vision beisteuert: Ein harter Housecut, der die Stimme anderes verpackt und den Groove direkter rollen lässt. Um ehrlich zu sein: Dennis kackt gegenüber dem fantastischen Original doch etwas ab. Dennoch volle Punktzahl. 10 Cars10.Becker   

Millsart
Whatever The Case (Axis Rec)

Der mittlerweile neunte Teil der „Axis Expressionist Series“ beherbergt ausschließlich neue und exklusive Tracks vom Meister höchstpersönlich. Zu Beginn begegnen wir in „Blow It Off (What Tongue Do You Speak?)“ einem vermeintlich dunklerem und bassgeprägten Grundbeat, zu dem sowohl eingeworfene Flötenspiel-Schnipsel als auch penetrante Synthlinien wie Off-Key-Kontraste gegenüberstehen. Das darauffolgende „It’s“ wirkt hingegen wie eine jazzige Percussion-Session, während der progressiv anmutende „Aquarius“ mit seiner technoiden Art und Weise die elektronischen Elemente samt reduziertem Four-to-the-Floor in den Vordergrund stellt. Zum Abschluss bekommen wir dann noch einmal eine hypnotische Klanglandschaft geboten, die sich in Form von „The Maze“ und kleinen Sax-Einlagen aus der EP sticht. 08/10 scharsigo

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Aus dem FAZEmag 170/04.2026