Platten des Monats – August 2026 – Alben & Compilations

Alben & Compilations – Platte des Monats

Madonna
Confessions II (Warner Records)
Mit „Confessions II“ meldet sich Madonna mit ihrem ikonischen House-Pop-Sound zurück. Das Album ist keine gewöhnliche Veröffentlichung, sondern die Fortsetzung ihres vor 20 Jahren erschienenen Klassikers „Confessions on a Dance Floor“, der mit Songs wie „Hung Up“ oder „Jump“ sowohl die Charts als auch die queere Clubszene nachhaltig prägte. Schon nach den ersten Tracks wird deutlich, dass Madonna genau dort anknüpft, wo sie damals aufgehört hat. „I Feel So Free“ eröffnet das Album mit einem sanften elektronischen Einschlag und einer Botschaft über Freiheit auf der Tanzfläche. Der Übergang zwischen den Songs wirkt fließend und lässt das Album wie eine einzige Clubnacht erscheinen. Mein persönliches Highlight ist „One Step Away“. Der Track eignet sich perfekt als Opener für ein DJ-Set, funktioniert aber genauso gut als entspannter Song für den Alltag. Besonders die atmosphärischen Vocals zu Beginn ziehen einen sofort in ihren Bann und schaffen eine besondere Stimmung. Auch „Danceteria“ überzeugt mit seiner energiegeladenen House-Atmosphäre. Für die größte Aufmerksamkeit sorgt jedoch „Bring Your Love“, auf dem Madonna gemeinsam mit Sabrina Carpenter zu hören ist. Die Kombination aus modernen Pop-Elementen und klassischen House-Einflüssen funktioniert überraschend gut und zählt zu den stärksten Momenten des Albums. Insgesamt ist „Confessions II“ eine gelungene Hommage an Madonnas fast 40-jährige Karriere. Das Album verbindet nostalgische House-Pop-Momente mit einer modernen Produktion und zeigt, dass Madonna auch heute noch genau weiß, wie man Songs für den Dancefloor schreibt. 10 Anil

Alben & Compilations – Top 6

Brooklyn Funk Essentials
Black Butterfly (Dorada)
Die Brooklyns traten vor über 25 Jahren in mein Leben und bereicherten es mit groovigen Jazz-Funk Dancetunes. Dies ist das inzwischen achte Album von Lati Kronlund und Alison Limerick und nur wenig hat sich an ihrer Grundeinstellung zu Funk, Soul, Jazz, HipHop und Latin geändert: Alles fusioniert, fließt, klingt wie aus einem Guss. „Bust The Bus Stop“ verquickt so groovy Funk, Jazz und Dance, dass man sofort den Floor erklimmen möchte. Doch auch komplexere Rhythmik hat das Kollektiv im Angebot („Life During Wartime“) und sanfte soulige Downbeats („Black Butterfly“). Dass das Projekt mit Brooklyn an sich nichts gemein hat und aus Stockholm stammt sei an dieser Stelle verraten und ist eine ganz andere Geschichte. 8 Cars10.Becker

Dave Mech
Berlin Seite (Diffuse Reality)
Nicht wundern, solltet ihr die Tracks einzeln hören und diese gefühlt plötzlich abbrechen. Sie sind Ausschnitte von Live-Performances energetischer Sets gefüllter Nächte im Aeden und Oxi. Ohne viel Schnickschnack in der Postproduktion – lediglich ein paar mehr Loops – fühlen sich diese dadurch noch authentischer und echter an. Benannt nach einer Durchsage aus einem Berliner Aufzug begleitet das dazugehörige Sample Dave durch etliche Sets. Der dreiteilige Titeltrack beginnt teils experimentell, ein wenig Industrial-like, ebnet aber recht schnell den Weg eines rohen und ungefilterten Albums. Mal technoid, mal roh stampfend, mal deeper, mal dubby, mal Detroit. Je nach Stimmung. Eines meiner Highlights sind der gleichzeitig verträumte und trotzdem strikt nach vorne gehende „Concrete Jungle“, der rau-groovende „Sledgehammer“ sowie die Harmonien aus „Off Into The Woods“ & „Deep Into Woods“. 8 scharsigo

Demuja
Title.txt (Peach Discs)
Als EP deklariert, wird dieses Produkt bei 40 Minuten Lauflänge als Album klassifiziert. Sieben Tracks, die zwischen elektronischem Tech-House („Stop Asking Me“), dubbigen Melodien („Oldhead“), deepem Percussion-House (“Say No More“ – toller Groove, „Almost Cherry“) und souligem Techno (“Tool 6”) changieren. Bester Track: Das deepe und kosmisch infizierte „Pulse“. Schöne Platte! 8 Cars10.Becker

DJ Black Low
Impumelelo (Awesome Tapes from Africa)
Die Musikrichtung Amapiano wird seit vielen Jahren völlig unterschätzt. Entstanden vor einigen Jahren in den Townships der Großstädte in Südafrika, oft mit Geräten produziert, die buchstäblich im Müll gefunden wurden. Das Label Awesome Tapes from Africa ist seit den ersten Tagen dieser Musik großer Fan und entdeckt junge, großartige Talente, die durch den einzigartigen Rhythmus und den völlig unerwartet einsetzenden Bass und die Percussion pure Magie auslösen. DJ Black Low kommt aus Pretoria und hat ein Album veröffentlicht, das durch rohe Energie und Rhythmus beeindruckt und einen beinahe in Trance versetzt. Highlight ist das Stück „Emcimbinii“ mit verschiedenen Gastsängern, die ihren Alltag, ihre Realität und auch ihre Wut zum Ausdruck bringen. Große Emotion, ein Bass, der durch Mark und Bein geht, politische Statements – nicht umsonst feiern Klaus Fiehe, Arthur und Mark Ernestus diese Musik aktuell so. 9 Dirk Domin

Function
Aeternum (Existenz) (Tresor Records)
Das Minialbum „Aeternum (Existenz)“ bildet den Abschluss eines Zyklus an Werken, die Dave Sumner in den letzten sieben Jahren veröffentlicht hat. 2019 ging es mit „Existenz“ los, es folgten „Subject f (Transcendence)“, „Awakening from the Illusory Self“ und die EP „Green“ – nun also das Finale und gleichzeitig der Beginn einer neuen Kurve. Was Ende 2016 mit einem Burnout begann, entwickelte sich danach in eine Phase der produktivsten Schaffensphase seiner Karriere, mit seinem Studio als Zufluchtsort, wo Sumner seine Erschöpfung in diesen Zyklus umwandeln konnte. Die sechs Tracks hier sind zwischen 2016 und 2019 entstanden, der Opening-Track „Ascent“ schwebt ruhig im Ambient-Kosmos wie zur besten Afterhour-Ruhezeit, während „City Of Luz“ ein scheinbar endloser Trip in Ambient-Wolken mit Beat-Passagen ist und dabei in halluzinogene Sphären eintaucht und sich regelrecht auflöst. „Transmutation“ taucht tief ins Gewölbe, ein roher Techno-Track, der sich hypnotisch durch den Untergrund schlängelt, plockert und pumpt. „rowth Cycle (Hermetic Mix)“ ist eine Re-Vision des gleichnamigen Tracks der „Existenz“-LP, bei dem Robert Owens gefühlvoller Gesang von Stefanie Parnows sirenenhafter Stimme ersetzt wurde. „November 29“ und „Rubedo“ erscheinen beide nur digital, bilden den Abschluss des Releases mit ziselierten Ambient-Sounds, Drone-Wellen und Beat-Fragmenten. 9 Tech Guardiola

SEVEN’s Various Artists 03
(SEVEN)
Das bekannte Berliner Label meldet sich mit einer neuen Various-Artists-Compilation zurück und versammelt neben etablierten Namen auch spannende Newcomer:innen, die auf der Doppel-LP ihr Debüt feiern. Künstler:innen aus Berlin, Paris, Hamburg und der Schweiz zeigen dabei, wie facettenreich moderner House klingen kann. Den Auftakt macht Ground16 mit „Blurred“, einem atmosphärischen House-Track, der perfekt für die frühen Abendstunden geeignet ist. Direkt danach folgt „Sigh“ von limbic sis, das mit auffälligen Kicks und treibender Energie sofort zum Weitertanzen motiviert und für mich zu den Highlights der Compilation zählt. Auf der B-Seite übernehmen LUMBAGO sowie MARGO, die gemeinsam mit BRUNA an ihrem Track gearbeitet hat. Beide Produktionen präsentieren eine energiegeladene Seite des House, geprägt von markanten Vocals und purer Dancefloor-Energie. Die C-Seite eröffnet Nesa Azadikhah mit „Boundless Imagination“. Trommelnde Rhythmen, prägnante Beats und hypnotische Elemente zeigen eindrucksvoll ihren unverwechselbaren Stil. Danach überzeugt Theo Scuera mit „Groove Mechanics“, einem schnelleren House-Track, der sich hervorragend für Peak-Time-Momente eignet. Den Abschluss übernimmt schließlich YNNY, dessen Track die Compilation stimmig ausklingen lässt und noch einmal unterstreicht, wie vielseitig House-Musik heute sein kann. Insgesamt ist diese Doppel-LP eine gelungene Sammlung unterschiedlichster Sounds und eine ideale Möglichkeit, neue Künstler:innen zu entdecken. 10 Anil


Aus dem FAZEmag 174/08.2026