Platten des Monats – August 2026 – Singles & EPs

Singles & EPs – Platte des Monats

Guy From Downstairs
Brighter EP (Pirka)
Victor Ernuteanu aus Bukarest hat mir mit diesem Four-Tracker auf dem mazedonischen Label Pirka den Monat gerettet. GFD, der nicht nur auf seinem eigenen, gleichnamigen Label, sondern auch bereits auf u.a. Cadenza, Robsoul, Curtea Veche oder Sounds Of Sirius seine Duftmarke hinterlassen hat, überzeugt auf dieser 12“ über alle Maßen. Ich liebe es, wenn minimal-technoid-housige Backings mit soulig-eingängigen Vocals versehen werden. Damit es nicht zu flach und schön wird, kann es zwischendurch auch ein wenig bleepen oder disharmonisch klingen. So bleibt die Spannung erhalten. Die Vocals klingen zwar nach älteren Soul- oder House-Produktionen, scheinen aber neu zu sein. Jeder Track ist spielbar, sowohl zum Aufwärmen als auch zur Peaktime. Klasse. 10 points tseb

Singles & EPs – Top Ten

Adam Port & SG Lewis
Be The One (Keinemusik)
Das erste Mal zur IMS auf Ibiza gehört, ist das aktuelle Release des „Move‘“-Machers so etwas wie die Blaupause eines House-Hits. Wer die Harmonien und / oder den Gesang von SG Lewis nicht spürt, ist in etwa so empathisch wie Voldemort oder Vecna. Es ist aber natürlich gefährlich, wenn man die Hook bereits nach einmaligem Hören mitsingen kann. 10 points svenman

Blauert
Resonanz (200 Records)
Super Deep- und Dub-Scheibe vom kleinen, aber feinen Kölner Label 200 Records. Kollege Blauert schickt vier House-Tunes ins Rennen, die mit analogem Charme und nostalgischer Wärme überzeugen. Auf der A1 beglückt uns „Affection“ mit wuchtigem Low-End, classy Drums und klangvollen Chord-Strings, deren Zusammenspiel angenehm durch die Speaker rollt. „Transformation“ auf der A2 kommt mit weniger Tiefenpower, dafür aber mit einem strafferen Groove und einer Leichtfüßigkeit, die sich mittels durchlaufender Synth-Sequenzen und gefilterten Chords in Bewegung setzt. Die Flip startet dann wieder etwas kräftiger im Unterbau und macht sich Dub-Techno-Anleihen zu eigen („Alienation“). Zum Abschluss serviert uns Blauert dann mit „Resonance“ ein introspektives Sunriser-Finale mit feindosierter Melancholie und Afterhour-Charakter. Top Ding. 9 Laenkford

Decibel Place
Swarm EP (Scrap & Delite)
Du willst es hart!? Du willst es dreckig!? Du willst ausdroppen!? Das hier ist deine Chance: Erleichtere deinen Bankaccount um ein paar Taler und hol dir die Abfahrt des Liverpoolers direkt ins Wohnzimmer. Neben dem aus den Untiefen Mordors emporgefahrenen „Swamp“ als (funky) Speed-Techno, hält der Belgier Steve Redhead den Percussions die Treue und besticht mit Klarheit und Kontrolle – kommt trotz der Härte, wahrscheinlich wegen des Fokus, irgendwie deep. Geboren in den Industriehallen dieser Welt, ausgestattet mit gebrochener Rhythmik und harten, mechanischen Texturen, treibt „Injection“ scharf und punktiert den Groove. Die viszerale Energie von „Smoking Kills“, befeuert durch den unterschwelligen funky Loop (zweitbester Track dieser EP!), bringt uns raus. Welch ein Trip! 10 Cars10.Becker

Gojnea76
More Is Less EP (Roots Records LTD)
Mit der „More Is Less EP“ feiert Gojnea76 sein offizielles Debüt auf Roots Records LTD. Dabei bringt er seinen bekannten Tech-House-Sound mit – doch schnell wird klar, dass es sich hierbei um keine gewöhnliche Veröffentlichung handelt. Durch Einflüsse aus Rap und Ghetto-Kultur entsteht ein facettenreicher Klang, der verschiedene musikalische Welten miteinander verbindet. Bereits auf der A-Seite zeigt sich die besondere Handschrift von Gojnea76. Memphis-Rap-inspirierte Grooves, markante Vocal-Cuts und rollende Pads verschmelzen zu einem zeitlosen Sound. Dabei gelingt es ihm, gekonnt zwischen Nostalgie und moderner Clubästhetik zu balancieren. Auch die B-Seite überzeugt mit einer eigenen Energie. Der erste Track zeigt deutliche Einflüsse der 90er-Jahre, die sich bereits durch die Diskografie von Gojnea76 ziehen. Prägnante Vocals treffen auf housige Sommer-Sounds, die sowohl für Peak-Time-Momente als auch für den Abschluss einer langen Clubnacht geeignet sind. Ein Paradebeispiel dafür ist „Summer Sunrise“. Wie der Name bereits vermuten lässt, besitzt der Track genau die Atmosphäre, die man sich für den Sonnenaufgang nach einer durchtanzten Nacht wünschen würde. Insgesamt zeigt Gojnea76 mit der „More Is Less EP“ erneut seine Vielseitigkeit und liefert eine Veröffentlichung, die sowohl Fans von Tech House als auch Liebhaber von klassischen Club-Sounds begeistern dürfte. 9 Anil

Joe Davies
Wonderful Tempo EP (Smallville Records)
Wenn ich raten müsste, dann würde ich sagen, dass die Idee der EP war: wie deep und klassisch kann ich House Music machen? Zweifellos wird diese Frage von den vier Tracks auf der EP von Joe Davies beantwortet. Es beginnt mit dem sommerlich, klassisch, balearischen „Ton, Scheine, Sterben“, was trotz der Leichtigkeit und dem tollen Drive natürlich an einen Klassiker der deutschen Musik erinnern soll. „Born Yesterday“ ist der zweite Track und Joe Davies ist definitiv nicht gestern geboren, dafür hat er zu viel klassische, tolle House-Musik gehört, ganz toller Track! Die B-Seite fängt mit „Something on my mind“ an und ist sehr gut für die späten Stunden auf der Tanzfläche geeignet, wenn sowohl der DJ als auch die Gäste alle im besten Sinne des Wortes freidrehen können und man den Kopf freitanzen darf und überhaupt. Bei „Shine Shine“ ist das Warten auf die Bassdrum beinahe unerträglich, aber die Spannung ist so schön, dass man gerne auf die Bassdrum wartet. Das Flirren zieht sich durch den ganzen Track beziehungsweise durch die ganze EP. Total herrlich! 9 Dirk Domin

Maceo Plex
The Plan EP (Ellum Audio)
Maceo Plex kommt endlich wieder mit einem neuen Two-Tracker auf seinem eigenen Label und beide Tunes setzen auf technoiden Sound mit warmer, housiger Attitüde. Im Titeltrack kommen die Beats driving, während darunter ein Basssynthie für Furore sorgt und die wilden Vocals von Baby Monsta die restliche Stimmung bringen. In „Lonely Drive“ kommen die Synthies dagegen deutlich wärmer, melodischer und brighter was von gehauchten Vocals und groovigen Techhouse Beats getragen wird. Beide Tracks bringen also genau den Sound für den Maceo Plex bekannt ist, technoid, präsente Synthies und melodisch schwelgend. Sehr nice. 9Rusty

Orlando Voorn
(Soul Stage 002)
Die zweite Soul Stage kommt herrlich deep, clubbig und überzeugend gestaged rüber. Stellvertretend seien das famos Chordloop auf „Chord Release“ genannt, das den Track über die gesamte Laufzeit trägt und den Tänzer grooven lässt. In kosmische Gefilde entführt uns danach „Dub Treatment“: Blubbernde Hintergründe, sanfter Shakereinsatz, rhythmische Claps und ein minimales Dubfeel begeistern abermals. Auf der Flip donnert es stärker im House, wenn der Bass dumpf poltert und die Schlaginstrumente prominent im Vordergrund hämmern – dieser „Simple Souls Rmx“ kommt nicht so ausdrucksstark. Dafür marschiert „Eternal Elevator“ im Stile von Daniel Steinberg mit leicht discoidem Touch und jeder Menge an pumpenden Elementen sensationell und zeigt am Ende, was alles möglich ist – Track des Monats! Sehr empfehlenswerte Produktion! 10. Cars10.Becker

Poul Verner, Lesterr
Change My Mind (Nowaves)

Poul Verner feiert sein Debüt auf Nowaves Germany mit einem handgestempelten White Label, das beim Hören für einen echten WTF-Moment sorgte. Verantwortlich dafür zeichnet die Reinterpretation von Lesterr auf der B-Side: weiche Double-Kicks, eine warm groovende Bassline, malerische Chords und kleine Vocal-Fetzen, die wie Treibgut durch den Mix fließen. Super Tune, alles so weit normal. Und dann plötzlich das: Break. Und aus Vocal-Fetzen wird ein Chor: „Scheiß, AfD, scheiß AfD!“, stimmt es aus den Monitoren. Sekunden später setzt dann wieder Beat ein. Chapeau, Poul Verner! Und natürlich gibt’s auch noch das Original, das auch ohne „Scheiß AfD“ zu überzeugen weiß. Verners Version zieht die Pace deutlich nach unten, behält aber die warmen Tiefen bei und versinkt Hals über Kopf im Dub-Nebel. Super 10 Laenkford

Robag Wruhme
Fumaxohn (Cocoon Recordings)
Dem vielseitigen Gabor Schablitzki gelingt unter dem Pseudonym seines bekannten Einmannprojekts die vorliegende Vier-Track-EP, die vom Stil her klar minimal ausgerichtet ist. Die A-Seite kombiniert den spannungsgeladenen Track „Ohlani“ als Opener mit dem eher düsteren „Iftah“. Es braucht ein wenig Geduld zu Beginn, ehe sich die geisterhaften Vocal-Einschübe sowie an- und abschwellende Details nach dem zweiten Break zu einer engelsgleichen Tiefe formen. „Iftah“ kontrastiert diesen anfänglichen Sound durch seinen antreibenden Groove, der im Grunde stark durch seine rollende Bassline antreibt und damit den Unterbau für spacige Sounds und einige repetitive Muster bildet. Die B-Seite startet mit dem Titeltrack, dessen Vocal-Schleifen in einen melancholischen Twist übergehen, nahezu andächtig. „Pentho“ transportiert abschließend die charakteristische hypnotische Spannung der Platte, reduziert und treibend zugleich. 08 Master J

Various Artists
(DBA 005)
Die fünfte DBA startet samba-esk mit leichter Percussion, Shakergerät und einem Latinswing. Etwas später setzt der dicke Bass bei 120 bpm ein – toller, smoother Mover von Reggie Dokes („Underneath It All“). Santonio & die Echols Brothers scheppern auf „Inside My Love im OV Remix“ mit den HiHats deutlicher und setzen Femalvocals ein – leichter Deep House zum wohligen Goutieren. Bei der Hans Litz Group dreht sich alles um die Flöte – ein fetter Bass und viele kleine Nittigritties konstruieren ein herrliches Sommerfeeling an der Beach zum maximalen Entspannen und Mitwippen – saustark dieses „When The Funks Hits The Flute“! Kommen wir zum letzten im Bunde: Gari Romalis hat elektronisch anmutende Kraftwerk Breaks im Gepäck – unaufgeregt und von einer funky Rhythmik beseelt, im weiteren Verlauf durch highfrequent Schlagwerknutzung getrieben. Extrem gute 12“! 10 Cars10.Becker

Hier reinhören und bestellen.


Aus dem FAZEmag 174/08.2026