Platten des Monats – Dezember 2025 – Singles & EPs

Singles & EPs – Platte des Monats

Dino Lenny
Not About The Volume (Rekids)
Ein Urgestein der Tech-Szene debütiert auf Rekids. Mit Releases auf R&S oder Innervisions und Kollabos mit Underworld, Wu-Tang oder Madonna weltweit etabliert, kickt nun er mit „Not About The Volume“ eine pumpende Tanzflächengranate auf Nummer 277 des Labels. Der geloopte Bass ist leicht Jazz-infiziert und beinhaltet Party-starting Vocals; daraus entwickelt sich ein Höllengroove, der den Tänzer vom ersten Moment an mitreißt. Mega!!! Der Remix von Tiger Stripes konzipiert die Bassline neu, stärker gewichtet und fokussiert mit amplifizierten Synthieelementen und einer hypnotischen Wirkung. Top Tunes! 10 Cars10.Becker

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Singles & EPs – Top Ten

Chase West
Scream! (Solid Grooves)
Leude: So viel vorab – dies ist eines der besten Solid Grooves Releases ever! Nachdem sich Chase im Miami in lokalen Clubs und im DC10 auf Ibiza einen Ruf erkämpft hat, debütiert er dieser Tage auf Sold Grooves mit einer aufhörenerregenden Scheibe: „Scream“ überzeugt massiv durch eine ultrafette, funky Bassline in Kooperation mit einer Mouthharptonalität. Dieser entfachte Mördergroove im Zusammenspiel mit den eineindeutigen Femalevoiceaufforderungen („You Know What I Want, Come Here, Closer“) macht sein Debut zu einer echten Dancefloorwaffe, die auf Ultrarotation geht! 9 Cars10.Becker

Emanuel Satie
Give It All (Defected)

So darf sich ein Defected-Debüt wohl zeigen lassen. Emanuel Saties Club-Snack „Give It All“ gefällt von der ersten Minute an als stimmungserzeugender House-Track. Nach den ersten animierenden Beats leitet eine euphorische Chorlinie ins Herz des Tracks, nur um sich anschließend in einem tiefen Beat aus Groove und reduzierten Claps zu entladen. Der Track entfacht sofort das Gefühl von Harmonie und Unity, wie es wohl nur House Music kann. Wer genau hinhört, wird wohl genauso wie ich besonders am Zusammenspiel der energetisch schwingenden Hats und der dröhnenden Basslinie Freude haben. 08/10 scharsigo

Erwin
Arepas (Arepas Records / Matter of Fact)
Mit „Arepas“ startet der Berliner Produzent Erwin sein eigenes Imprint – und liefert zum Auftakt gleich eine vielseitige, warmherzige Platte, die zwischen Minimal, Deep House und Ambient mühelos hin- und herwechselt.  Der Titeltrack „Arepas“ eröffnet mit einem weichen, rollenden Groove und schwebenden Loop-Melodien, die sich langsam entfalten. Die Percussions bleiben zurückhaltend, während vereinzelte Vocoder-Farbtupfer dem Track eine angenehm menschliche Note verleihen. Toll ist der weit ausgedehnte Breakdown, in dem die Chords fast symphonisch aufblühen, bevor der Flow wieder in vertraute Deepness kippt. „Well Deserved“ führt diese Stimmung nahtlos fort – ebenfalls warm, groovig, mit einer zarten Vocal-Atmosphäre, die zwischen Hallfahnen und Rhythmus schwebt. „Infinite Fries“ bringt etwas mehr Leichtigkeit ins Spiel: verspielt, rhythmisch klar, mit kleinen Piano-Motiven, die sich angenehm festsetzen. „Blueberry Cream“ schlägt eine emotionalere Richtung ein, tief und sinnlich mit getragenen Vocals und viel Raum im Mix. Zum Abschluss zeigt „Aguardiente“ eine komplett andere Facette von Erwin: ein ruhiges Ambient-Stück, getragen von einem intimen Pianothema, das wie ein Blick ins private Skizzenbuch wirkt. Top Label-Einstand. 10 Laenkford

Filtrack
Anxiety…My Old Friend EP (Nix)

Die Releases von Nix finde ich immer sehr spannend. Die EP von Filtrack bildet da keine Ausnahme. „Anxiety…My Old Friend“ besteht aus vier Tracks, die sich durch knackige Percussions, wobbly Basslines und eine Atmosphäre ungelöster Spannung auszeichnen. Anstatt die Nerven zu beruhigen, schärfen die Tracks sie und sorgen für körperliche Anspannung und Vorwärtsdrang auf der Tanzfläche. Die A-Seite strahlt eine geballte Kraft, Spannung und Energie aus, die einen immer weiter vorantreibt. Auf der B-Seite geht es genauso weiter, da Filtrack mit rohen, tanzbaren aber irgendwie deepen Tracks die Magie aufrechthält. Die gesamte EP verwandelt Beklemmung in Techno und lädt dazu ein, sich auf das Unbekannte einzulassen und sich dann freizutanzen. Tolle Scheibe! 9 Transmitter

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Patrick Gibin
Let It Go – The Joaquin Joe Claussell Remixes (Mother Tongue)
Aus dem 2024er Album „Strength In Numbers“ des mittlerweile in Italien beheimateten Patrick Gibin, knüpft sich Brooklyn Legende Joe Claussell drei Titel zu Interpretationszwecken einmal näher vor. Er appliziert seinen Signaturesound auf „Let It Go“, indem er einen Livebass, jazzy Keys und lebensbejahende Melodien betont und den innersten Kern des Hörers maximal erwärmt. Auf diese reichhaltige Gestaltung folgen härtere und treibende Sequenzen: „Joint Purpose“ bringt uns deepe Houseatmo, überschreibt sie mit kosmischer Energie und fängt ritualisierte Magie ein. Den Höhepunkt jedoch bildet das 14-minütige „In This Together“: Dieses Masterpiece wacht ganz langsam mit dem Sonnenaufgang auf und mit den intensiver werdenden Synthiesequenzen verwandelt sich das Teil ab Minute sieben zu einem dichten Jazz-Dance-Territorium. Es folgt eine weitere Bearbeitung von „Joint Purpose“ mit stripped-back House und von eher darkem Soul geprägter schattiger Atmo. Improvisierter Jazz mit Off-Grit Hits und Rimshots auf nochmals „In This Together“ schließt eine bemerkenswerte Remixscheibe eines der besten Musiker des Planeten ab. 9 Cars10.Becker

Ryan Crosson, Greg Paulus, Cali Lanauze
A Matter Of Time (Opulence)
Uhhhhhh yeahhhhhh! Slo Mo Deep House auf extraordinärem Niveau. “A Matter Of Time” ist ein Masterpiece an der Schnittstelle von Jazz und House. Das groovt lasziv und gekonnt lässig, die Trompete als präsentes Instrument auf dem Rhythmusteppich. Ich zeige mich wahrlich geflasht! Der erste Remix stammt von Reboot (Tikitiki Remix): Typisch hochtonige, helle Perkussionarbeit, eine mittlere Klimax und eine dubbig-deepe Hintergrundgestaltung passen sich dem Original treffend an und verwandeln es trotzdem in etwas Anderes und Eigenständiges. Dennoch überzeugt mich der wolllüstige und vor Bass nur so triefende Yokoo Mix weitaus mehr: Hier pumpt der Track deutlicher und marschiert perfekt im Umfeld der Boxen – tolle Überarbeitung, die in seiner Monotonie massiv überzeugt. Alle drei Stücke absolute Volltreffer, die in der Platte des Monats münden. 10 Cars10.Becker     

Tm Shuffle & Cyclic Random
Moodsurf Vol. 1 (Vuo Records)
Fantastische Sounds aus Finnland. Tm Shuffle und sein Vuo-Records-Imprint gehören schon seit geraumer Zeit zu meiner Top-Tier-List im Kosmos von Dub Techno und Deep House. Für die erste Edition von „Moodsurf“ hat er sich nun Verstärkung in Form von Cyclic Random ins Boot geholt, der uns mit „Mango“ und „Rubus“ zwei absolute Deepness-Delikatessen serviert. Wer sich in einer Welt voller Echos, Modulationen und Dub-Chords verlieren will, ist hier an der richtigen Adresse. Tm Shuffle selbst steuert mit „Avantouinti“ einen Track bei, der diese wohltuende, analoge Wärme um eine Prise Melancholia ergänzt. Großartig. 10 Laenkford

The Advent
Coordinated Beatdown EP (South Signatures / MOF)
Cisco Ferreira hat nichts verlernt über die letzten 30 Jahre. Harter Techno mit massivem Perkussioneinsatz peitscht die Crowd wie eh und je über das Parkett. Mit Titeln wie „Binary Pulse“ oder das in Detroit mit dubbigen Chords verwurzelte „Echo Alliance“ spielt er in der höchsten Technoliga und hält sich alle Konkurrenten gekonnt und mit Abstand vom Hals. Auch auf der Flip beginnen wir Detroit-isch: „Divide“ hat aber auch flächige, warme Anteile im Gepäck. Zum Schluss gibt Cisco zusammen mit Raffaele Attanasio nochmal alles, wenn der ikonische Advent Signaturesound den Tänzer und Hörer glücklich einfängt. 10 Cars10.Becker

Tonn Piper feat. Kitcha
Old Guard
(R.O.A.M.)
Noch so eine Nummer, die im November an mir vorbeirauschte, aber hier definitiv Erwähnung finden sollte. Tonn Piper ist nicht erst, seit er Andy Cs Haus-und-Hof-MC wurde eine so feste wie wichtige Größe im Drumandbass-Zirkus. Und damit stellt sich die Frage: Wieso ist der Mann nicht auf viel, viel mehr Produktionen vertreten? „Old Guard“ zeigt anschaulich, dass der Mann sein Handwerk nicht nur im Club versteht, sondern auch im Studio mehr als nur gut aufgehoben ist. Der Track selbst ist ein düsterer, breakiger Roller, der an die Glanzzeiten von Andy Cs Label RAM erinnert und einen Brückenschlag zwischen der guten alten Zeit und der nicht minder guten neuen Zeit darstellt. Absolutes Essential für jede gut sortierte Plattenkiste! 10 points Feindsoul

Various Artists
VA Vol. 8 (Monday Off)
Mary Yuzovskayas Monday-Off-Label präsentiert die bereits achte Vinyl-Only-Compilation des Hypnotic-Techno-Labels – mit Beiträgen von Feph, Rasser, Mathys Lenne und Xhato. Die in Miami ansässige Künstlerin Feph eröffnet mit „A Realization“ – ein Track voller elektrischer Spannung, bei dem feine Klicks und sirrende Ströme über einem stoischen Beat flirren. Präzise, kühl, aber lebendig. Danach zieht Rasser mit „Constant Pulse“ das Tempo an: metallische Hits, verzerrte Rhythmen, alles treibend und kantig – klassischer Peak-Time-Stoff mit industriellem Touch. Auf der B-Seite zeigt der Franzose Mathys Lenne mit „A Gentle Singularity“, warum er zu den spannendsten Vertretern der europäischen Hypnotic-Techno-Szene zählt. Sein Track ist eine elegante Spirale aus fließenden Percussions und surrenden Drones, die sich behutsam ins Bewusstsein bohren. Xhato schließt mit „Lemon Swirl“ – sanfter, introspektiver, beinahe meditativ. Eine dichte, sphärische Schlussnote, die dieses wunderbare Release perfekt abrundet. 10 Laenkford

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Aus dem FAZEmag 166/12.2025