Platten des Monats – Januar 2024

Das sind sie, unsere Tonträger-Favoriten aus dem Januar-Heft unterteilt in Alben und Compilations, Singles und EPs sowie die jeweiligen Platten des Monats. Diesmal mit Soul Button, Robag Wruhme, Rich Vom Dorf, Derek Carr, Chris Larsen, Maike Depas und vielen mehr.

Singles & EPs – Platte des Monats

Unknown Artist
(Retrospect 009)
Zu der Hochzeit der Plattenläden, die freitags von DJs bevölkert waren, gab es regelmäßig Bootlegs. Zu dieser Zeit musste man schnell sein, ein Exemplar zu ergattern. Denn zum einen waren viele DJs scharf auf die raren Scheiben und zum anderen konnte es sein, dass sie schnell aus dem Verkehr gezogen wurden, wenn sich die Original-Urheber oder Labels einschalteten. Diese Bootleg-Kultur lässt das Label Retrospect wieder aufleben, und ich feiere es. Also beides: das Label und die Releases. Auf Katalognummer 009 wird auf der A-Seite der Track „Aura“ mit seinem hypnotischen Tech-House-Korsett von einem kurzen DM-Sample aufgebrochen. Sehr cool. Auf der Flip wird es mit „Mouth To Hand“ discoider, denn Andrew und George schauen vorbei. Genau das Richtige für die ‚Ladies‘. Schnell zugreifen, denn siehe oben. 10 points tseb

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Singles & EPs – Top Ten

Chris Larsen
Have My Love (Repopulate Mars)

Los geht die neue Single von Chris Larsen mit einem sehr fluffigen, funky Housetune, in dem auch Disco nicht zu kurz kommt. Es dominieren flippige Streichersynthies und Piano-Chords das Geschehen und werden von einem wuchtigen Beatgerüst noch weiter unterstützt. Ganz anders klingt dagegen „This Beat“, denn hier kommen die Beats düster und rough, während gerappte Vocals für Kurzweil sorgen. Beide Tunes sind wie immer gut produziert und natürlich RPM-typisch, einzig für die Tanzfläche gemacht. 9Rusty

Deepmore
Touch Of Love (House Of Love)
Wow! Das nenne ich mal eine perfekte Deep House Scheibe. Nach seinem Debut im Oktober („Sweet Memories“) legt der UK based Artist mit einem weiteren Four-Tracker und Kracher nach. Super Grooveflow, herrliche Chords, kluge Vocalinteraction und eine insgesamt warme Ausstrahlung machen „Qui“ zum Aushängeschild der vierten HOL-VÖ. Die Killer-Bassline von „Funks“ und Organstabs verbreiten jazzy Atmo und eine laid-back Urlaubsatmo. Top! Weiter im Deep Flow mit Vocals und chordy Loops („Can Do“) und ein klassisches Housekonstrukt mit swingenden Percussions, bestimmenden Organpartituren und einer sich durchschlängelnden Bassline versüßen die späten, nächtlichen Stunden. Gratulation an den Master of Deepness! 10 Cars10.Becker

Derek Carr
Archive: Postlude (Partier)
Mit einer wundervollen Platte geht die Derek-Carr-Reissue-Serie von Partier in die letzte Runde. Zum Grande Final werden uns nochmal vier allerfeinste Underground-Köstlichkeiten serviert, die ein buntes Spektrum an House- und Minimal-Facetten abdecken. Den Anfang macht „Djk“ mit warmen Pads und zum Mitpfeifen motivierende Flute-Sounds, die herrlich mit der grummeligen Bassline interagieren. Mit „Theta“ präsentiert sich uns im Anschluss ein technoiden Minimal-Dub-Groover, versetzt mit allerlei kosmischen Synth-Nuancen und auf „Ariel“, einer knackigen Drum-Funk-Nummer tanzen fröhlich swingende Akkorde im Duett. „L’equipe“ lässt die Platte dann mit einem langsameren, Percussion-geladenen Vibe ausklingen. Feinkost-Wax! 10 Länkford

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DJ Isaac
Feel So Good / Creeds Remix (Scantraxx)
DJ Isaac aka Roel Schutrups ist einer der bekanntesten Hardstyle-Produzenten der Niederlande. Mit dem Franzosen Willy Taconné aka Creeds – einer der Aufsteiger der vergangenen Monate – verbindet ihn eine enge Freundschaft. Die beiden remixen sich gerne gegenseitig, und jetzt ist der Mann aus Nantes wieder an der Reihe. Dass Creeds keine Genre-Grenzen fürchtet, ist bekannt. Aber hier reizt er sein Blatt bis zum Letzten aus: Psy-Trance, Acid, Techno und Hardstyle verarbeitet er in seinen Remix. Eine sehr wilde Nummer. Auf Festivals werden wir diese Nummer mit Sicherheit im kommenden Frühjahr zuhauf hören. 9 points harthorst

George Davis
Ona EP Part 2 (Kickin’ Up Dust)
Ganz entspannt und locker groovend geht George den zweiten Part seiner Ona EP an. Eine jazzy Bassline, sanfte Pianokeys und eine rhythmische Vocalsequenz lassen die Hüften wie von selbst swingen, wenn „Gomera“ den 5-Tracker eröffnet. Daran schließt sich die Mellow Version sowie ein Remix von Roy Davis Jr. an – letzterer lässt die Synthies elektronischer wirken, konstruiert die Percussions organischer und stellt die Vocals in den Hintergrund – lazy Sunday Afternoon! Ab auf den Dancefloor: „Bumpa“ trippt mit breaky Vibe und Flöten-ähnlichen Melodien, bevor es mit dem Slow-Buner „Soul Journey“ in den Sonnenuntergang geht, der den Blick auf unendliche Weiten eröffnet. Mega Platte! 10 Cars10.Becker

Maike Depas
Euphoria (The Innovation Studio)

Techno-Hasardeur Maike Depas liefert mit mit seiner neuen EP „Euphoria“ wieder ein druckvolles und undergroundiges Beatgewitter mit unerbittlichem Drive zwischen Hardtechno- und Trance-Vibe. „We Move“ macht den Anfang und rollt unerbittlich auf den Dancefloor, wo auch „Techno Appeal“ ansetzt, das mit seinen Vocals noch etwas raffinierter rüberkommt. „Inner Voices“ ist der Hybrid aus undergroundigen Beats und einem zuckersüßen Trance-Guss, „Midnight Run“ spielt auch mit trancigen Synthies, während die Atmosphäre sehr dark ist. Schließlich „Green Hornet“ das im leicht klackernden Galopp sehr hypnotisch vibriert und eine kitschige Melodie trägt. Insgesamt eine sehr schöne EP 8 Tech Guardiola

Norm Talley
Cosmic Waves (Pariter 09)
Repress des 2010er Tracks in weißem Vinyl. Der Track ist unverändert großartig – Detroit Techno vom Allerfeinsten. Auch die Remixes von Delano Smith und XDB aka Kosta Athanassiadis verstehen es auch heute – 13 Jahre nach dem Original-Release – noch zu fesseln. Für alle Sitzenbleiber und Freunde von troity Sounds ein Muss. Und für Balearen-Besucher ist der ibizenkisch angehauchte XDB-Remix ein Zuckerl. 10 points svenman

Radio Slave
Wake Up (Superpitcher / Idjut Boys Remixes) (Rekids)
Nach dem durchschlagenden Erfolg der im März 2023 veröffentlichten Single, mit der Matt Edwards ein neues Kapitel im Rekidsuniversum aufschlug, erfährt das House und Disco gerootete Original mit dem Mix von Superpitcher eine Acidinfusion mit Echovocalsamples und dubbed-out Soundscapes. Insbesondere der narrative Mittelpart verleiht dem Track neben dem Outospace Auftritt einen recht subtilen Charakter, der easy pumpend durch die Clubs zieht. Die Idjut Boys hingegen setzen stärker auf Groove mit Focus auf der 2 und 4, leicht hypnotisch in der Wirkung mit geflüsterten Vocals und mit der originären fetten Bassline versehen, die dem Stück letztendlich auch den ersten Platz im Vergleich verschafft. Ultrapumper und insgesamt eine mega Remixscheibe! 10 Cars10.Becker

Sylvie Miles
I Love Berlin (Rave The Planet)
Im Rahmen der 18. Ausgabe der „Rave The Planet Supporter Series“ durfte die Hamburger Durchstarterin Sylvie Miles mit ihrer Berlin-Hymne „I Love Berlin“ mitwirken und zollt der Techno-Hauptstadt einen angemessenen Tribut. Mit einem spannungsgeladenen Drop, Vocals á la Eigenbau, reichlich Rave-Flavour, knackiger Acid-Bassline und einer stampfenden Kick vereint „I Love Berlin“ alles, was ein effektiver Techno-Track benötigt. Es würde mich nicht wundern, die Old-School-Rave-Nummer in diesem Jahr auf der Parade von diversen LKWs dröhnt. 8 KC.Rabbit

Tomoyoshi
90`s Kids (Natty Dub)

Na – was habt ihr in den 90er so angestellt? Ok, wir müssen hier gar nicht ins Detail gehen. Tomoyoshi jedenfalls hat in dieser Zeit seine Hausaufgaben mehr als ordentlich gemacht und ganz genau hingeschaut, wie seine offensichtlichen musikalischen Vorbilder aus Bristol damals Drumandbass unter Zuhilfenahme von Jazz, Soul, Hiphop und Funk zu dem geformt haben, was dann am Ende mit dem Mercury Price belohnt wurde. Aber weg von Toni Size und zurück zu Tomoyoshi, der mit seiner aktuellen EP auf Natty Dub mehr macht, als nur das Erbe der 90er zu verwalten, sondern auch die Dancefloors sehr funky in Schutt und Asche legt. Mein persönliches Release des Monats! 10 points Feindsoul

Alben & Compilations – Platte des Monats

Soul Button
Dual Reams Of Sound (Steyoyoke)
Manchmal kommt es vor, dass ein Track ein Album dermaßen überstrahlt, dass die übrigen Longplayer-Stücke, auch wenn sie großartig sind, einfach verblassen. So geschehen beim aktuellen Album von Steyoyoke-Labelgründer Christian Legno. Alle zehn Stücke versprühen eine faszinierende Deepness und eine ebensolche Musikalität. Der Mut, nicht vor Melodien und Vocals zurückzuschrecken passt hervorragend zu den instrumentalen Stücken. Aber jetzt komme ich zurück zum eingangs erwähnten Track und lüfte das Geheimnis: Die Nummer „Qabila“ mit ihren hypnotischen Vocals, die perfekt zum Backing passen, gehört für mich zu den besten Melodic-House-Tracks, die ich jemals gehört habe. Glaubt es mir oder glaubt es mir nicht. Ich habe den B2-Track des Albums mittlerweile 100-mal gehört und er wächst immer noch und langweilt nicht. Wow. Aber auch insgesamt ein tolles Album auf Doppelvinyl. 10 points svenman

Alben & Compilations – Top Ten

 

Anthony Rother
Robo Pop (Psi49Net)
Traditionell zu Heiligabend beschenkt uns der Offenbacher mit einem neuen Longplayer. Dieses Mal im Doppel-Album-Format. Während Album Nr. 2 experimentell flowt und an alte Fax-Releases erinnert, ist das ‚Haupt-Album‘ gespickt mit Club-Hits und klassischem AR-Sound. „For You“ ist ‚hittig‘ und der Beweis, dass auch Maschinen Liebe empfinden können. Highlights sind das Retro angelegte „Don’t Give Up“, der Club-Slammer „City Tech Noir“ und das programmatische „The Assembly Line“. Die Video-Single „Mad World“ wird im Interview ausführlich besprochen. Ein klasse Electro-Album mit einer gewollten Nähe zu poppigen Momenten. 10 points Magic Juan

 

DJ Hybrid
Diggin Through The Archives Vol. 1 (Boom93)

DJ Hybrid ist ein garngesehener Gast in dieser Rubrik, denn der Mann verdient sein Geld mit genau der Sache, bei der mir immer wieder das Herz aufgeht: DJ Hybrid reininterpretiert Jungle, Hardcore und generell Breakbeats im zeitgemäßen Sound und bringt so Farbe in die Drumandbass-Landschaft. Für Diggin Through The Archives Vol. 1 hat sich der DJ und Producer durch das Archiv seiner veröffentlichten und unveröffentlichten Tracks gegraben und einen hübschen Querschnitt seiner Arbeit zusammengestellt. 9 points Feindsoul

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German Electro Tracks
(ZYX)
Okay, der Titel ist etwas irreführend. Aber Neue Deutsche Welle trifft es auch nicht komplett. Elektronisch ist das hier alles, aber unter Electro verstehe ich zumindest etwas anderes. Aber entscheidet selbst. Hier treffen wir u.a. auf das erste Sven-Väth-Solo-Projekt Off mit dem Riesenhit „Electrica Salsa“, das über jeden Zweifel erhabene „Okay“ von O.K. aber eben auch auf Bruce & Bongo oder Hannes Kröger. Das ist mit Sicherheit tanzbar, aber für mich verwirrend. Absolut großartig ist dann der Toten-Hosen-HipHop-Track „Hip Hop Bommi Bop Bop“ und noch mehr der Rheingold-Klassiker „Dreiklangsdimensionen“ in der Maxi Version. Ebenfalls großartig, aber nicht wirklich ‚german‘ ist Paul Hardcastles „19“. Jens Lissat mit seinem Uralt-Techno-Projekt Sigmund und seine Freunde ist dann auch noch dabei, aber leider auch Trio und Nina Hagen. Die guten Stücke überwiegen und schmunzeln hier und da ist auch nicht verkehrt. 8 points Monthy Hilter

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Kreidler
Twists [A Visitor Arrives] (bureau b)

Die Düsseldorfer Band Kreidler feiert in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag – herzlichen Glückwunsch –, punktet mit ihrem sehr eigenen Stil elektronischer Popmusik, die geprägt ist von rheinischem Kraut, britischen Post-Punk, internationaler Polyrhythmik und Clubs der Jetztzeit. „Twists (A Visitor Arrives)“ ist das siebte Album, das sie auf bureau b veröffentlichen und geht diesen Weg sehr gepflegt, unprätentiös und intensiv weiter. Dabei helfen bei vier von Tracks die Albumgäste Khan Of Finland, Maxim Bosch, Natalie Beridze und Timuçin Dündar. Schnurrende Rhythmen, übersprudelnde und brechende Beats, elegante Melodien, weit offene Soundtrackflächen, ein lässiges Saxophon, polternde Electronica-Brocken, avantgardistische Songstrukturen und jazziger Freestyle – Kreidler servieren hier ein Album, das herausfordert, aber auch belohnt. Ein Trip mit Kopfkino und Abfahrt. 9 Tech Guardiola

Moritz Hofbauer
In A Blurry World (FCKNG Serious)
Nach einer Reihe an EPs auf Boris Brejchas FCKNG-Serious-Label betritt der Live-Produzent nun die ganz große Bühne und schickt sein Debütalbum „In A Blurry World“ ins Rennen. Die Scheibe ist Dancefloor-orientiert und überzeugt mit einer bunten Palette aus Trance-, Techno- und Minimal-Einflüssen, die nicht selten in emotionalen Synthesizer-Feuerwerken münden. Der Titeltrack „A Blurry World“ eröffnet Hofbauers Reise durch den Äther mit einem kraftvollen, wummernden Bass, dem sich eisige, entrückte Synthies entgegenstellen und auf Tracks wie „Sleepless Mind“ oder „Ice Cold“ dröhnt uns ein Hightech-Minimal-Sound entgegen, den wir von Labelboss Boris Brejcha aus seinen alten Tagen kennen. Immer wieder nimmt Hofbauer auf der LP das Tempo raus und entführt den Hörer in dramatische, wabernde Klanglandschaften, nur um das Tempo im nächsten Titel wieder anzuziehen und einen knallenden Techno-Roller aufs Parkett zu klatschen – etwa in „Oneironaut“ mit seinen bedrohlich-pulsierenden Basslines und einem dunklen Rauschen. „Time Of My Life“ bringt diesen Ansatz schließlich zu seinem logischen Ende, eine nahtlose Verschmelzung von Melodie und Kraft. 9 Tenorali

Robag Wruhme
T.O.R. LP001 (Tulpa Ovi Records)

„Digital ist besser“ sangen dereinst Tocotronic und gaben damit schon früh ein Statement zur kommenden DJ-Diskussion ab. „Vinyl ist auch super“ denkt sich allerdings Gaborrobag und packt (fast) all seine Releases seines eigenen Labels Tulpa Ovi – gegründet im Juli 2021 – auf eine Doppel-LP, inklusive des neuen und exklusiven Tracks „Loss Breda“ feat. Lysann Zander und einem Edit von Jimi Jules von „Kapox Grapén“. Ersterer frickelt sehr schwungvoll los, es kommt Leben in die Bude, Synthies und Beats purzeln, bevor dann mit laaangem Anlauf Lysann auftaucht und mit ihren bezirzenden Vocals zusätzliche Verzauberung auslöst. Rundes Ding! Jimi Jules verwandelt „Kapox Grapén“ in einen tiefergelegten Bassbeatbrummer, Flat Eric würde gerne drinsitzen und die Glocken höchstpersönlich läuten. Und auch die bisher schon veröffentlichen sechs Tracks knarzen, klackern und tänzeln sehr vergnügt und Robag-einzigartig über den Dancefloor. 10 Dieter Underground

Italo Disco Collection Vol. 33
(ZYX)
In unserer vergangenen Print-Ausgabe sind wir ausführlich auf das Phänomen Italo Disco eingegangen. Und hopp erscheint bei ZYX die mittlerweile 33ste Ausgabe der Italo Disco Collection. Nicht für Fans des Genres ein Muss. Auch temporäre Italo-Disco-Liebhaber werden mit Hits wie “Give Me Your Love” von Fun Fun, “Hey Hey” von Radiorama oder vor allem mit “The Night” von Valerie Dore ihren Spaß haben. Insgesamt 22 Stücke auf zwei CDs sind hier enthalten und jedes lohnt sich. 8 points Bunga Bunga Bob

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Labelle
Noir Anima (Infine)
Die schwarze Seele also. Eine Reflektion seelischer Tiefen, die eine progressive Reise in psychedelische Welten bedeutet. Teils mit abenteuerlicher Rhythmik und Soundtextur („L’Homme Felin“), dann aber auch technoid-experimentell zwischen Detroit und Aphex Twin herumgeisternd („Danse Chaman“). Von Euphorisch („Entre Allee“) bis Dancefloor („Ciel“), von komtemplativ („Temple Ocwean Univers“) bis dystopisch („Instant Clair Intemporel“) deckt Labelle ein sehr breites Spektrum von Techno ab und interpretiert spannend diverse Grenzen. Eher speziell. 7 Cars10.Becker

New Visionairies
Roadmaps ( Lovemonk)
An dieser Stelle kollaborieren der Holländer Phil Martin und der Australier Joel Sarakula. Sie verstehen es einen geilen Vintage Sound mit fließenden Rhythmusgruppen und hypnotischen Synthies zu etablieren. Bereits der Auftakt „Giallo Day“ groovt mit einem fetten Gitarrenhook und coolen Hammondspielereien. Zahlreiche namenhafte Gastmusiker säumen die zehn Titel, denen solider und zugleich packender Funk und Soul innewohnt. Tip: Das entspannte und andersartige Latinteil „Brasiliance“. 8 Cars10.Becker

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Saint Malo
Saint Malo (Lovemonk)
Das Debut von Javier Jiminez Rolo beschreibt eine nie unternommene Reise in die Bretane zur mystischen Insel St. Malo, die sich im Strom der Gezeiten aus dem Wasser empor streckt und sechs Stunden später wieder hinein taucht. Und so entführt uns sein Album an entlegene Orte, besticht mit einer narrativen Stärke („Le Havre“), das die Imaginationskraft des Hörers wesentlich beflügelt. Suggestiv, begleitend, fordernd und umschmeichelnd – hier werden die Vorbilder von Javier immanent, die mit Burial, Caribou, Nils Frahm oder Max Richter namenhaft in seine Umsetzungen Einzug halten. Obsession, Emotion und spielerische Momente – „Saint Malo“ bietet eine spannende Mischung, die Genregrenzen verschwimmen lässt. Cool. 7 Cars10.Becker


Aus dem FAZEmag 143/01.2024