Platten des Monats – Januar 2026 – Alben & Compilations

Alben & Compilations – Platte des Monats

Mr. G
OG Retrospective (Phoenix G)
Mit einem Blick auf die originären Studiomasters erkannte Colin McBean, dass inzwischen 25 Jahre vergangen waren, als er in der Blüte seiner musikalischen Laufbahn stand und den Markt mit fantastischen Expertisen versorgte. Wehmütig über die seitdem stattgehabten Ereignisse mit Verlust von Freunden, Herzinfarkt und vielem mehr, befand Mr. G, dass es Zeit sei, den historischen Tunes im renovierten Studio (The Exchange) in London ein Remastering zu verpassen. Als Six 12“ limitiertes Boxset oder digital erwartet den Rezipienten eine fantastische Ladung an House, Tech-House und Techno der Extraklasse; darunter so exquisite Tracks wie das soulige „Daily Prayer“, das deepe groovende „Side Winder“, der chordy Dancefloorpusher („Live And Let Live“) oder „Gladesmen“ sowie das in den 90ern und Relief Sounds nahe „Day After B“. Tipp: Das melodiös und funky groovende „Emotionz“ (unveröffentlicht) und das jazzige, coole „Jet Black (unveröffentlicht). Diese Zusammenstellung verkörpert die ganz hohe Schule von House und Techno eines Meisters seines Fachs. Vielen Dank!!! 10 Cars10.Becker

Alben & Compilations – Top Five

Schiller
Euphoria (Sony)

„Guten Abend, herzlich willkommen in der neuen Welt von Schiller“ spricht eine Stimme im Epilog und Schiller selbst erzählt dann in einigen Worten, was Musik ihm bedeutet, „was wäre das Leben ohne sie, ohne diese wunderbare Magie, die uns verzaubert und uns zeigt, wie wundervoll es ist, sich einfach fallen zu lassen“. Und so lassen wir uns einfach fallen in das neue Werk Schillers, das den Titel „Euphoria“ trägt, den es hat als eine Reaktion der allgemeinen Gemengelage. Hinreißende Melodien, pulsierende und tranceartige Beats und atmosphärische Vocals wirbeln umher und präsentieren den neuen Klangkosmos von Christopher von Deylen, der nach langer Zeit wieder clubgetriebener und energetischer ist und diverse Gäste an seiner Seite hat: 8kays, Frida Gold, Karakum und Julia Sanina. Der Titeltrack „Euphoria“ entstand mit der Ukrainerin 8kays, ein kosmisch-emotionaler Trip voller Energie. Fläche und Charisma. Oder „Sieben Nächte“, das zusammen mit Frida Gold entstanden ist und das uns an die Hand nimmt in die Nacht, auf den Dancefloor, in die Ferne – synthgetrieben und aufgeladen. Mit der Leipziger Techno-Live-Band Karakum sind zwei Tracks entstanden: „Memories Of Beyond“ und „Horizon“, letzterer entführt uns rasant in höhere Sphären. Schiller hat mit „Euphoria“ ein sehr emotionales und spannungsvolles Album geschaffen, das uns verzaubert und entführt. „Musik – was wäre das Leben ohne sie?“ 10 Terence Trance D’Arby

40 Years Techno Club – The 80s 2×12″
(Zyx Music)
Die 1980er Jahre gelten nicht zu Unrecht als goldene Epoche der elektronischen Musik. Legendäre Bands ebneten den Weg für Techno, House und Electro. Auf dem vorliegenden, limitierten Doppel-Vinyl finden sich 12 Perlen der 1980er Jahre, ausschließlich in Extended Versionen. Beispiele gefällig? Kraftwerk ist mit „Numbers/Computer World 2“ vertreten, A Split Second mit „Flesh“, Soft Cell mit dem Überhit „Tainted Love / Where Did Our Love Go?“, Front 242 mit „Quite Unusual“, Talla 2XLC aka Moskwa Tv mit „Generator 7/8“ oder Anne Clark mit dem Klassiker „Our Darkness“. Wohlgemerkt, alles in Maxi Versionen. Da kann man es auch verschmerzen, dass ich bei dem einen oder anderen Act durchaus eine andere Nummer aus dem Katalog lieber auf der Compilation gesehen hätte. So zum Beispiel bei Heaven 17, von denen ich lieber „Temptation“ oder „Penthouse & Pavement“ als „Let Me Go“ gehabt hätte. Aber das ist Motzen au allerhöchstem Niveau. Ein tolles Sammlerstück. 9 Points tseb

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From Bassment With Love
(Detroit Techno Records / MOF)
Deichkind sangen einst auf “Remmidemmi“: „Wir wollen was erleben“, und genau das passiert auf diesem Doppelvinyl aus Detroit, das eine enorme Bandbreite an Künstlern und Musik anbeatet: Techno zwischen Underground Resistance und Inner City (Suburban Knight „Edge Of Space“), Moderner Elektro, weit abgefahrener als Egyptian Lover in den 80ern (Erotek „Bootys & Bottles“), breakende Beats aus den 70ern (B. Calloway) oder souliger Minimaltechno von The Vontells. Etwas gemäßigter und housiger geht es danach auf dem zweiten Vinyl zu: Deeper, leicht angetechter House (Folson & Tate), deeper Drum’n’Bass a la LTJ Bukem (Mr. Rabbit „The Love“). Die D-Seite ist durchgehend von Krachern bestückt: Grooviger House (Spade „The O Village“), pumpiger, marschierende Soul-Vocal-House (207737 „Enjoy The Moment“) oder das minimal, Acid jackende „Hustle Hard“ von Ray 7. Spannend, authentisch und exzellent kuratiert. 9 Cars10.Becker

Julianna Barwick & Mary Lattimore
Tragic Magic (Infiné)
Die zwei renommierten Komponistinnen zeitgenössischer Ambient- und Experimentalmusik Julianna Barwick & Mary Lattimore haben in nur neun Tagen das gemeinsame Album „Tragic Magic“ in der Philharmonie de Paris erschaffen. Das französische Label InFiné ermöglichte ihnen Zugang zur kostbaren Instrumentensammlung des Musée de la Musique – ein Setting, das dem Album eine ganz besondere Magie verleiht. Lattimore wählte drei historische Harfen aus den Jahren 1728 bis 1873, Barwick legendäre Analog-Synthesizer wie den Roland JUPITER-8 und Sequential Circuits PROPHET-5. Aus diesem Dialog zwischen jahrhundertealten Saiteninstrumenten und elektronischen Klassikern entstanden sieben faszinierende Kompositionen, die Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen lassen. Die Aufnahmen fanden kurz nach den verheerenden Waldbränden 2025 in Los Angeles statt – ein Kontext, der dem Album emotionale Tiefe verleiht. Co-produziert von Trevor Spencer (Fleet Foxes, Beach House), entfaltet „Tragic Magic“ eine Meditation über Verlust, Schönheit und die heilende Kraft der Kunst. Die „musikalische Telepathie“ der beiden Freundinnen ist in jeder Note spürbar: fließende Harfenklänge, organische Synthesizer-Sounds, alles sehr intim, aber auch kosmisch, weit und strahlend. Ein bemerkenswertes Werk. 9 Trance Zimmer

Mha Iri
Four Elements (Why Don’t You Dance)

Mit „Four Elements“ bündelt Mha Iri ihre kompromisslose Peak-Time-Ästhetik zu einem druckvollen Albumstatement. „Leader Of The Pack“ eröffnet erdig und treibend, ein markantes Riff sorgt sofort für Vorwärtsdrang. „Elements Of Dance“ zündet mit explosiver Energie und fühlt sich wie reines Feuer auf dem Floor an. In „My Zone“ wird es hektischer und luftiger, schnelle Vocals und Hardcore-Anleihen erzeugen spürbare Spannung. „Go Hard“ funktioniert als kompromisslose Rave-Waffe, während „Give You“ mit Argy melodische Hooks in den Fokus rückt. Trotz klarer Funktionalität überzeugt das Album durch konstante Energie, starke Clubtauglichkeit und ein geschlossenes Konzept, das Mha Iri endgültig als feste Größe im modernen Techno bestätigt. 08/10 scharsigo


Aus dem FAZEmag 167/01.2026