Platten des Monats -Oktober 2026 – Singles & EPs

Singles & EPs – Platte des Monats

Toni Rios
Acid Morning (BluFin)
Kaum zu glauben, aber das Kölner Label von Andrea Engels macht wieder Vinyl. Was für eine Freude, als der DHL-Bote das Paket mit der Toni-Rios-12“ lieferte. Die beiden 2025 erschienenen Produktionen der Omen-Legende erhalten Remix-Unterstützung von Andreas Henneberg auf A und Andre Walter auf B. Das The Glitz-Mastermind erschafft mit seiner „Acid Morning“-Variante einen groovy shakenden Tech-House-Tune der absoluten Spitzenklasse. Unmöglich sich dem Groove zu widersetzen. Auf der Flip geht es etwas knackiger, aber nicht weniger groovy zu, wenn Säure verspritzt wird, dass es nur so in den Ohren brennt. Eine klasse 12“, bei der man allerdings Vocals mögen muss. 10 points svenman

Singles & EPs – Top Ten

Alexander Kowalski
Sinee (Remixes) (Damage Music Berlin)
Alexander Kowalski hat zum großen Remix-Contest für seinen Track „Sinee“ gerufen und präsentiert nun die Resultate. Die Gewinner – das sind SMBR, Sven Köhne und GZI – haben sich offenbar das Remix-1×1 zu Herzen genommen und genau das getan, was ein Remix eben tun sollte: Den Track nicht neu erfinden, sondern neu interpretieren. Entsprechend homogen klingen die vier Tracks auf der Scheibe, die uns treibenden Dub-Techno mit Detroit-Einflüssen um die Ohren pfeffern. Eine kleine Ausnahme bildet dabei die Version von GZI, der sich etwas getraut hat und das Original in eine Broken-Beat-Nummer im 2-Step-Takt transformiert hat. Kriegt er deshalb jetzt was auf die Finger? Nö, denn möglicherweise ist seine Version genau der richtige Kontrast zum Abschluss der Platte. Good job, guys. 9 Laenkford

Black Spuma
Megamix (Wrong Era)
Black Spuma feiern mit „Megamix“ ihr mit Spannung erwartetes Comeback. Die hochgeschätzten Kollaborateure Lauer und Fabrizio Mammarella veröffentlichen ihre neue Four-Track-EP auf Mammarellas eigenem Label Wrong Era. Der Opener knüpft an Proto-Techno und 80s Electro an und erweitert die Grenzen des Labels deutlich. So verspielt und gleichzeitig hart habe ich Wrong Era selten erlebt. Der zweite Track ist schon beinahe Acid-Techno und gefällt mir fast am besten. Doch es gibt ja noch die B-seite, die mit dem Titeltrack in Electro-EBM Manier überzeugt. Erst der Closing Track „You Might Be Lonely Up Here“ zügelt das Tempo und lässt einen sachte zurück in die Realität gleiten. Sehr gelungen! 10 Transmitter

DJ Honesty
Unknown Pleasures (No Speakers)
Honesty bringt mit “Unknown Pleasures” eine spannende Miachung aus Dub-Techno und bassgetriebenen, hypnotischen Grooves zu No Speakers. Das Titelstück verbindet Dub-Tech mit leuchtenden Texturen und zaubert damit eine tolle Atmo auf der Tanzfläche. Der Remix von Arkajo arbeitet den Swing aus dem Konstrukt heraus mit wahnsinnigen Pads und Electrosynthies – ein Peak Time Roller. Schließlich kommen garagige Untertöne auf Broken Beat Perkussionen zum Tragen, wenn „Noneties“ heavy based eine sehr gute Scheibe abrundet. 9 Cars10.Becker

Gluten People
Gluten People 03 (Gluten People)
Gluten People melden sich mit ihrer dritten EP zurück und liefern erneut einen wunderbar reduzierten Clubsound ab. „A Kinky Girl From The City“ eröffnet die Platte mit einem hypnotischen Groove, subtilen Percussions und ordentlich Druck im Low End – für mich ganz klar mein Lieblingstrack. „Follow Me“ zeigt sich etwas verspielter, während „Papasito“ und „Think About The Crowd“ wieder stärker auf einen rollenden, deepen Groove setzen. Besonders schön sind die vielen kleinen Details, die sich erst nach und nach entfalten und den Tracks ihre eigene Tiefe geben. Eine sehr stimmige EP, die unaufgeregt daherkommt, aber trotzdem ordentlich Wirkung auf dem Dancefloor entwickelt. 9 Anil

Havsmörker
Ilväder (Refraction Records)
Fabelhafte EP vom Havsmörker-Duo aus Finnland, die hier leichtfüßig zwischen Dub House, Breaks und Hypnotic Techno pendelt. Der Titeltrack eröffnet mit breiten Flächen und einem nächtlichen, klirrend kalten Setting in der skandinavischen Tundra. Ein sagenhafter Drift into the Deepness. Auf der B-Seite folgt dann das unaussprechliche ‚Nordanväderslyckan‘ mit einem technoiden Grundgerüst und einer Folklore-artigen Mystik, die sich durch Flöten, Bratschen und Gitarren entfaltet. Sehr psychedelisch. Tolle, unique Platte. 10 Tanaka

Kölsch
Speicher 140 (Kompakt Extra)
„Kölsch“ klingt natürlich nach Köln und nach Kompakt, aber der Künstler Kölsch kommt aus Dänemark und veröffentlicht erneut eine EP bei Kompakt. „Anti Promi Energie“ (der Grund für den Titel würde den Autor dieser Zeilen sehr interessieren) bewegt sich zwischen den Balearen und Nord-Europa und klingt sofort sehr nach Kompakt und beim zweiten Track kommt kölscher Humor ins Spiel, denn „Verschwinden“ ist mutmaßlich unter dem Einfluss von Kölsch entstanden: Perkussion, ganz viel Kompakt, Nervosität, und dann bringt „der Mann mit dem Hut“ (Kölsch) ein Folk-Sample ins Spiel und schlägt vor, dass wir alle in die Ewigkeit zusammen verschwinden sollen. Das wär doch mal was! 9 Dirk Domin

Maceo Plex
The Plan (Ellum Audio)
Seit drei Jahren haben wir von Maceo nichts mehr gehört. Nun offeriert uns der US-Produzent mit „The Plan“ einen wuchtigen Techno-Hammer, der dunkel und viszeral seine Vibes ausbreitet. An den Vocals: Baby Monsta und das klingt im Verbund wie Chemical Brothers Stuff. Top! Auf der Flip ein komplettes Kontrastprogramm: Lockeres und melodiöses Cinemageschehen mit schimmernden Keys und Synthies – mir zu schwülstig. Wegen des tollen Auftakts jedoch. 9 Cars10.Becker

Maximilian
MIKROKOSMOS EP 8 (EVIDEON Studio Records)
Maximilian begibt sich auf Analogkurs und schickt mit „Mikrokosmos EP 8“ zwei Hardware-House-Trips auf schweres 180g-Vinyl. „Le Couppey“ eröffnet deep und hypnotisch mit dubbigen Texturen, kleinen Acid-Sprenkeln und einer Spoken-Word-Stimme, die dem Track eine leicht mystische Note verpasst. Toller Sound – sehr geduldig und sedierend. Auf der B-Seite wird „Brahms“ dunkler und etwas dramatischer. Die breiten Pads und Streicher-Einheiten stehen klar im Mittelpunkt und sorgen für ein fantastisches Ambiente. Die Vocals – auch hier wieder sehr dramatisch – setzen dem Ganzen die Krone auf. Volle Punktzahl! 10 Laenkford

The Indiigo Child
Memories EP (Waveform Entertainment)
The Indiigo Child aus San Francisco legt mit „Memories“ eine angenehm warme Two-Track-EP vor, die House, Soul und R&B zusammenführt. Der Titeltrack setzt auf einen staubtrockenen, schön swingenden House-Groove, über dem ein sehnsüchtiger R&B-Sample hängt. Das wirkt emotional, aber nie überzuckert, und bekommt durch die reduzierten Drums genau den richtigen Bump für Club und Kopfhörer. „East Bay“ geht etwas verspielter zur Sache: federnde Drums, elastischer Bass, verwischte Vocals und melancholische Chords sorgen für eine lässige Bay-Area-Wärme. Schön gefühlvolle Scheibe mit Seele, Punch und sehr stimmigem Flow. 8 Tanaka

Triple Five Sol
Sounds From The Pound Vol. 1 (Puppy Cuts)
Das neue Label von Vin S & Five aus San Francisco kommt von Anfang an gehörig auf Touren: „Blocked“ entwickelt sich zu einem Monster Stripped-back Groover, 303 Understatement und ein paar Gospelsamplers jackt das Teil gekonnt in einem irgendwie 70er/80er Mode – sehr geil! Darauf folgt Deep House, leicht knarzend mit dicken Drums und Reverb Rimshots – Modern Disco-House at it’s best! Ein granularer Rhythmus und intermittierende Pads kreieren eine klasse und entspannte Atmo („Grocery Bag“). Eine organische 80er Bassline und ein Dub-like Chord im Zusammenspiel mit Vocals transportiert abermals jede Menge an Emotionen. Johnny Five und Vin Sol gelingt mit diesem Labellaunch ein Paukenschlag, den wir mit Interesse weiterverfolgen werden. 10 Cars10.Becker

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Aus dem FAZEmag 176/10.2026