Singles & EPs – Platte des Monats
Emanuel Satie
A Love Fantasy (Crosstown Rebels)
Zurück im Schoß der Damian Lazarus-Familie legt der deutsche Produzent lupenreinen (Vocal)House vor, der emotionale Tiefe und eine groovende Energie verbindet. Hier zeigt sich sein ganzes Können, das er bereits auf Cocoon, Diynamic oder Innervisions schon so treffend zur Schau gestellt hat. Das Titelstück kommt mit souligen Vocals, vibrierenden Chords und einem crispy Rhythmus – hier spürt man tief verwurzelte Energie. Dann bounct der Floor mal so richtig: „Touch“ im Zusammenspiel mit Bruno Roth klatscht housig alles weg und lässt die Leute nur noch grooven – geile, atmosphärische Nummer! Weitere Melodien und Emotionen transportiert am Ende „Some Love“, das an den Anfang anknüpft. Begeisternde Scheibe! 10 Cars10.Becker
Singles & EPs – Top Ten
Acid Pauli
Gwar Is Not The Answer (All Is Acid)
2006 veröffentlichte Acid Pauli den Track „Gwar Is Not The Answer“ auf seinem damaligen Label Smaul, 20 Jahre später gibt es nun ein Wiedersehen auf seinem aktuellen Label All Is Acid inklusive zweier neuer Remixe. Das Original transportiert warme Percussions, leichte Acid-Spuren und etwas Exzentrik, der Remix von Jonathan Kaspar hingegen lässt den Bass mit feinem Rhythmusgefühl rollen und platziert kleine Sound-Details zur Abwechslung. Acid Pauli selbst liefert den zweiten Remix. Er öffnet den Track, lässt ihn langsam gleiten und fließen, mit viel Harmonie und Entspannung. 9 Tech Guardiola
Adam Freeland & Duncan Forbes
Transhuman (Marine Parade)
Zusammen mit Spookys Duncan Forbes re-launcht Adam sein Marine Parade Label – das erste Material von ihm nach 16 Jahren und neue Musik auf MP. Seine Passion gilt Dub und Techno Sounds, sehr atmosphärisch geprägt mit Sci-Fi Vocals und statischen Texturen, die einen filmischen Eindruck hinterlassen („Transhuman“). Dazu gesellen sich Broken Beat Charakter („Stop Fighting“) mit einem sehr schönen Flow oder die Slo Mo Grooves von „S.P.A.C.E.“ als Herzschlag für die an der Oberfläche wabernden Flächen und Dubelemente. Wunderbare Studien und Einblicke, die uns Adam hier gewährt. Und warte das nächste Mal gefälligst nicht so lange, Alter! 10 Cars10.Becker
Anna Tur & Pablo Say
Awake (Say Musick)
Die zweite Zusammenarbeit von Anna und Pablo macht keine Gefangenen und geht vom Fleck weg in die Vollen mit einer treibend-groovenden Synthline und voluminös stampfenden Kicks. Im Kern vermutlich ein Acid-Techno-Track, doch irgendwie gelingt es den beiden hier mehrere Elemente aus verschiedenen Richtungen miteinander zu verknüpfen. So könnte man beispielsweise durchaus behaupten, das Ganze klingt wie ein auf Psy ausgelegter Melodic-Techno-Track. Gleichzeitig aber besitzt er eine so unermüdliche Energie, dass er mit seinem düsteren Synths und den Tech-House-artigen Vocals auch Underground-Attitüde in sich trägt. Mich erinnert das ein bisschen an früher Erfolge von Eli Brown, wie z. B. dessen „Believe“. Hypnotisch, druckvoll und mit einem unersättlichen Groove ausgestattet. Macht Lust auf mehr. 9 scharsigo
Dam Swindle
Do What You Want (PIV)
Die Amsterdamer haben es einfach drauf, qualitative hochwertige, gute und tanzbare Housemusik zu produzieren. Dieses Mal nicht auf dem eigenen Heist Label, sondern auf dem von Prunk. Vocaltouch und swingende Drums lassen „Do What You Want“ fliegen und die Massen von Beginn an toben. Wou! „Happiness“ kommt mit fluiden Percussions und einem skippy Groove – groovy & catchy. Piano Vibes gepaart mit US Vocal-House kommt extrem solide und sehr melodiös – reißt sogar den Steher an der Tanzfläche mit. Als Zugabe gibt es den Burnski Remix, der den Groove etwas tighter gestaltet; er macht daraus einen Late-Nite Flip. Superb as ever! 9 Cars10.Becker
Mark Jackus, Marcus Sur
Ashes & Snow (Cuscus Limited)
Mark Jackus und Marcus Sur verpassen ihrem 2022er „Ashes & Snow“ eine Vinyl-Edition – inklusive neuem Remix von Soodmann. Zur Erinnerung: Das Original war bereits ein herrlich atmosphärischer Progressive-Builder mit analogen Arpeggios, quäkenden Filtern und dieser leicht entrückten Global-Underground-Früh-CD-Magie. D. Digglers Version zog den Track in Richtung treibenden Prog-Sog: mehr Schub, mehr Psychedelik, mehr Schichten aus Arps, Percussion und Synth-Washes, die sich langsam hochschrauben. G-Man alias Gez Varley wählte den Dub-Ausgang. Stotternde Beats, rauere Texturen und ein Soundbild, als würde die Vorlage durch ein verbogenes Tape-Deck laufen. Die Version von Soodmann lässt sich akustisch irgendwo zwischen den beiden Remixen verorten, zieht das Tempo jedoch nochmal saftig an und bringt eine träumerische Trance-Note zum Vorschein. 9 Tenorali
Moody Mehran
Cruise Terminal (SEVEN)
Melodisch und mit balearisch-inspirierten Trance-Elementen kommt diese EP daher. „Cruise Terminal“ ist ein schöner Sundowner-Track und lässt mit seinem treibenden Bass und den empfindsamen Synths eine 90er-Trance-Atmosphäre aufkommen. Etwas sphärischer ist „Come On Now“. Eingebettet in schnelle Arpeggios und einen hypnotischen Groove sind hier schöne Vocalfragmente eingearbeitet. Der Maruwa-Remix zu „Cruise Terminal“ ist etwas progressiver und treibender, behält aber den warmen Kern des Originals bei, während der tribal-lastige Track „SURE!“ etwas mystischer und spannungsgeladener ist. Enden tut es mit „Learn 2 Love“, das aus meiner Sicht musikalisch folgerichtig etwas ruhiger, harmonischer und verträumter ist und die EP gut abrundet – eine Nummer, die wunderbar ans Ende eines DJ-Sets passt und bei der man einfach loslassen kann! 8 B.Laudien
Orlando B
Go Deeper EP (Contemplate)
Deeper, formschöner House von Orlando, der Melodien und Flächen miteinander zu verheiraten weiß. Die Vocals auf dem Titelstück verleihen dem Titel Tiefe und etwas Verruchtes. Noch eine Spur besser positioniert sich „Soul Frequency“: Wunderbare, langflächige Chords bewegen sich elegant auf einem moody Housegeflecht und bringen den Hörer zum Strahlen. Im Stile von Naked Music und dem Petalpusher bewegt sich „A Different Blue“ – deeper, locker groovender House mit Wohlfühlcharakter. Breakender Chill rundet diese extrem gelungene 12“ ab. 10 Cars10.Becker
Shabi
All Night Stompin‘ EP (At A Glance)
Das Berliner Small-Great-Things-Sublabel At A Glance geht mit Shabi in die fünfte Runde und liefert hier eine ausgezeichnete House-Platte mit feinstem Disco-Drive. „All Night Stompin’“ macht seinem Namen direkt alle Ehre: pumpender House-Groove, fester Tritt auf dem Beton und ein Vocal, das mit Technotronic-Verweis echten 90s-Charakter erzeugt. „Dee Vibe“ zieht anschließend etwas schriller und aufgekratzter durch die Boxen und ist schön bumpy unterwegs. „Free Our Minds“ rundet die EP mit groovy Bassline und auflockernder Energie ab. Ich sag wie’s ist: Knaller! 10 Laenkford
Syphon Filter (Butter Sessions)
Nach ihrem hervorragenden Label-Sampler zu Beginn des Jahres bauen die beiden Australier, unterstützt durch den Produzenten Mosam Howieson, eine EP mit drei Stücken plus Remix zusammen. Der Titeltrack bildet den energetischen Auftakt im Gewand des Techno: wuchtig, druckvoll, gewissermaßen simpel, aber effektiv, garniert mit Industrial-Sounds. Das anschließende „Inertia“ setzt mit seinen leicht gläsernen Chords eher auf hypnotische Klangwelten und erhält im Break einen klassischen Trance-Anstrich, der zum Träumen anregt. „Mirror Pool“ knüpft an diese Machart an, setzt aber thematisch eher das Schimmern, bzw. Spiegeln auf einer Pool-Oberfläche um; treibend und flüssig zugleich. Abschließend nimmt sich der Niederländer Ruben Üvez alias Konduku dem Track an, reduziert das Tempo und versieht das Ganze mit seinem eigenen Sound-Design. 88 Master J
Various Artists
RE:VERSAL 003 (Re:versal/Universal)
Das Label Re:versal bringt Klassiker des Dance-Muic-Genres zurück auf Vinyl und bedient sich da aus einem Archiv aus über 100.000 Releases des Mutterlabels Universal. Die Katalognummer 003 präsentiert die House-Helden Frankie Knuckles und Larry Levan und nimmt uns mit auf eine Zeitreise. Frankie Knuckles (Warehouse, Chicago) und Larry Levan (Paradise Garage, New York) waren enge Freunde und Pioniere des DJ-Berufs, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Knuckles verwandelt Womack & Womacks „MPB“ in einen Ballroom-Groove, während er mit Adeva auf „What Am I Missin'“ eigene Wege geht. Levan zeigt mit Gwen Guthries „Peanut Butter“ und Syreetas „Can’t Shake Your Love“ sein Gespür für Soul im Clubkontext. Vier Tracks, die Geschichte geschrieben haben, vereint auf einer Platte. 10 House Hinski
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Aus dem FAZEmag 175/09.2026