
Wer sich in den Underground-Gefilden der House-Musik bewegt, der findet keinen Weg vorbei am Negentropy-Labelhead Alexandre Gouyette – besser bekannt als Brawther. Tracks wie „Endless“ (Balance) oder „Soothing“ (Cabinet Records) genießen längst Kultstatus und zeugen von Brawthers unmissverständlichem Gespür für den OG-Deepness-Sound mit Soul-Einflüssen. Für uns hat der Franzose seine Plattensammlung durchstöbert und präsentiert drei für ihn prägende Vinyl-Records.
Dee Zee
I Have A Feeling / Soul Purpose Remix (Airtight Records, 2000)
Ich habe diese Platte in letzter Zeit wieder aus dem Ruhestand geholt. Sie erschien im Jahr 2000 auf Airtight Records, und dieser Remix von Soul Purpose (alias Clive Henry und Justin Drake, auch bekannt als Peace Division) ist eine großartige Schnittmenge aus Deep-House und Techno. Sie hat Wucht und gleichzeitig viel Soul – ein perfektes Übergangstool, wenn ich entweder in technoidere Gefilde übergehen oder etwas Leichtigkeit ins Set bringen möchte, wenn es zu düster wird. Ich halte beim Diggen immer Ausschau nach Werken von Peace Division, denn ich habe längst noch nicht all die großartige Musik gehört, die sie gemacht haben.
Motor City Drum Ensemble
Stripped Down To The Bone (Compost Blacklabel, 2007)
Ursprünglich auf Compost mit 112 BPM veröffentlicht, spiele ich ihn fast immer mit +8 oder noch schneller – dank der -/+16-Pitch-Funktion der Technics-M5G-Plattenspieler. Ein heimlich treibender Groover aus Danilo Plessows früherem Alias – und er hält genau, was er verspricht: ein roher Drum-Groove mit simpler, pulsierender Bassline, tribalem Charakter und echtem House-Feeling in seiner reinsten Form. Ich habe den Track vor über zehn Jahren oft digital gespielt, und als ich mir kürzlich endlich die Platte kaufte, hatte ich völlig vergessen, wie langsam sie eigentlich ist. Ein Killer-Track.
Bastards At Work
Believe (City Spirit, 2003)
Diese Platte ist ein weiterer persönlicher Favorit von mir – ein perfekter Opener für ein Set. Wenn ich mich nicht irre, stammt das Hintergrundthema aus einem Track von Masters at Work (daher auch das Wortspiel im Künstlernamen „Bastards at Work“, während die Produzenten anonym bleiben). Außerdem ist Georges Kranz’ „Din Da Daa“-Vocal stark vertreten – ein Klassiker, der in den frühen Tagen der House-Musik in New York extrem populär war, als viele Produzenten Coverversionen und Remixe davon machten. Wenn ich diese Platte spiele, ist das meine Art, den Wurzeln der House-Musik Tribut zu zollen – und ihr gleichzeitig einen frischen Twist zu verleihen. Ein wirklich ikonisches Vocal. Ich frage mich immer noch, wer dahintersteckt.
Aus dem FAZEmag 165/11.2025