Plattenschätze – mit Ken Ishii

Unsere neue „Plattenschätze“-Edition führt uns nach Tokio zu Ken Ishii. Der 55-jährige Japaner zählt zu den einflussreichsten Techno-Künstlern Asiens und blickt auf eine riesige Diskografie mit legendären Releases wie „Jelly Tones“ (R&S Records, 1995), „Play, Pause and Play“ (Sublime Records, 2005) oder „UTU“ (1993) auf Richie Hawtins Imprint Plus 8 zurück. Wir haben Ken Ishii gebeten, seine Plattensammlung zu durchforsten und einen seiner größten Schätze zu präsentieren.

Ryūichi Sakamoto – B-2 Unit (Alfa, 1981)

B-2 Unit von Ryuichi Sakamoto – Mitglied von YMO (Yellow Magic Orchestra) – erschien 1981, zu einer Zeit, als YMO in Japan landesweit ein Phänomen waren. (Interessanterweise führte sich Sakamoto auf diesem Album als „Riuichi“ ein, wobei ich nicht weiß, weshalb.) Anfang der 80er kannte wirklich jede Altersgruppe den Namen der Band; selbst als Zehnjähriger war mir YMO bereits ein Begriff.

Während YMO mit ihrem Mega-Erfolgsalbum „Solid State Survivor“ inklusive „Rydeen“ und „Technopolis“ ihren kommerziellen Höhepunkt erreichten, veröffentlichte Sakamoto B-2 Unit als bewussten Gegenentwurf zu seinem Status als Popstar. Die Musik ist radikal, wegweisend und klingt völlig anders als das, was man von YMO kannte. Inspiriert von Electro und Dub der 80er-Jahre entwickelte er einen eigenständigen Sound: abstrakte Klangtexturen, New-Wave-Elemente im Gesang, rhythmisch eingesetzte Gitarren sowie der prägnante Einsatz des Prophet-5-Synthesizers und der Linn-Drum-Machine verschmelzen zu einer außergewöhnlich ausbalancierten Produktion – ein echtes Meisterwerk.

Das Album prägte zahlreiche elektronische Künstler in Japan – mich eingeschlossen – ebenso wie Akteure wie Takkyu Ishino oder sogar Visual-Kei-Bands wie BUCK-TICK. Während YMO den Massengeschmack bedienten, war B-2 Unit vielmehr ein „Album für Musiker“. Ich höre es bis heute und lerne immer noch daraus.

Für mich ist „Riot in Lagos“ der herausragende Track des Albums. Ein einzigartiges elektronisches Stück, vollgepackt mit frischen Ideen, eigenständigen Synth-Sounds und einer akribischen Produktion. Der Track erregte sogar die Aufmerksamkeit von UK-Künstlern und führte 1997 zu Tao – Riot in Lagos Remixes auf Language, mit Beiträgen von Plaid und Buckfunk 3000. Ich erinnere mich noch gut, wie mir Claude Young von dieser 12-Inch erzählte – ich bin sofort in den Plattenladen gegangen, um sie zu kaufen.

Aus dem FAZEmag 170/04.2026
www.kenishii.com