Radio Slave: „Ein Album bringt dir keine Gigs mehr“

„Nur weil du eine Platte veröffentlicht hast, heißt das nicht, dass du Gigs bekommst“, sagt Radio Slave im Gespräch mit Tim Sweeney für „Beats in Space“.

Seine Kritik: Sichtbarkeit und Selbstvermarktung nähmen neben der Musik immer mehr Raum ein. Viele Künstler und DJs hätten in den vergangenen zehn Jahren zunehmend „contentgetrieben“ gearbeitet.

Die Sorge dahinter: Wenn Reichweite und regelmäßige Inhalte den Takt vorgeben, droht die Musik hinter Zahlen und viralen Momenten zurückzutreten. Zudem gebe es inzwischen so viele DJs, dass selbst starke Produktionen keine Auftritte garantierten.

Dabei verweist Radio Slave auf Produzenten, mit denen er für sein Label Rekids gearbeitet habe: Einige zählten zu den besten der Welt, spielten selbst aber trotzdem nicht hinter den Decks. Einen Nerv scheint er mit seinen Aussagen getroffen zu haben, das Posting wurde mehr als 500-mal kommentiert – auch von namenhaften Kolleginnen und Kollegen.

Roland Clark reagierte knapp: „Ich bin der Beweis dafür.“ Joris Voorn sieht einen Hit wiederum durchaus als Türöffner: Er könne einige Gigs bringen, meistens brauche es aber mehr als einen. Auch Ausstrahlung und das schwer planbare Momentum spielten eine Rolle.

Cinthie erinnert an eine andere Zeit: „Früher konntest du mit einer guten Platte ein oder zwei Jahre touren. Heute zählen andere Dinge. Aber ich mache immer noch gern Platten.“

Dustin Zahn vergleicht Veröffentlichungen, Podcasts und Auftritte mit Wasser: „Sie bringen dich nicht voran, sind aber zum Überleben nötig.“ Auch Relevanz und der Bezug zum Zeitgeist zählten. Selbst wenn ein starker Track nur einige Musikfans erreichen sollte sei auch das noch in Ordnung.

Es wirkt beinahe ironisch, dass ausgerechnet ein solcher Beitrag mit einem derartigen Engagement belohnt wird. Immer feiert Radio Slave mit seinem Label Rekids dieses Jahr dessen 20. Geburtstag und 300 Releases – mit und ohne Support von Social Media.

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