2014_09_PdW_Slouse
Ja, es gibt ihn noch. Rainer Trüby, der in den 90er und 00ern einen der Protagonisten des Nu Jazz und House aus Deutschlang darstellte. In der letzten Zeit ist es produktionstechnisch etwas ruhiger um ihn geworden, doch nun meldet er sich mit Fischzügen in ruhigeren Gewässern zurück. Die Rede ist hier von Slo-Mo House, der bewussten Entschleunigung, um den immer größer werdenden, immer schnelleren Ansprüchen der heutigen Gesellschaft, musikalisch begegnen zu können. Rainer hat die besten Expertisen dieser Richtung auf dem gesamten Erdball zusammengetragen und versammelt sie nun in Form von 12 Stücken auf dieser Compilation. Es wäre unwirklich einzelne Künstler und Stücke hervorzuheben, denn man muss die gut 75 Minuten als zusammenhängende Einheit begreifen, ein in sich abgeschlossenes Ganzes, ja Kunstwerk. Reduzierte Kompositionen, Gelassenheit und nachdenkliche Momente schenken uns Künstler wie Uffe, Egyptian Nipples oder Fetsum. Mit Maurice Fulton im Mix kommt auch Disco zum Tragen oder Sello klopft sanft mit Acid Lines an. Von Intimität bis Club hat Mr. Trüby alles im Gepäck und serviert es gekonnt, wie man es nur mit Erfahrungen von über zwei Jahrzehnten im Musikbiz auf dem Buckel zu leisten im Stande ist. Diese Zusammenstellung verdeutlicht: Rainer hat an Reifegrad gewonnen und darf hierzulande als unser Gilles Peterson deklariert werden. Grandios. Mein Tip: Ron Deacon und sein abgedreht-spaciges “Untitled“. 10/10 Cars10.Becker