Jeder, der sich in Deutschland mit elektronischer Tanzmusik auseinandersetzt, ist schon auf den Augsburger Rainer Weichhold getroffen. Sei es in seiner Funktion als Chef von DJ-Propaganda, A&R und Labelmanager von Great Stuff Records, Macher von Kling Klong Records oder einfach bei seinen DJ-Gigs. Neben seinen DJ Coaching-Seminaren gibt Rainer Weichhold nun auch im FAZEmag jungen Produzenten jeden Monat Tipps, was sie beachten sollten, wenn sie den inneren Drang verspüren, in der großen weiten Welt der Musikindustrie ihr Glück zu suchen. Kontaktiert Rainer gerne direkt unter rainer@klingklong.com!

Aus gegebenem Anlass und weil mir weiterhin auffällt, wie leider Unwahrheiten kursieren, wollte ich diese Plattform nutzen um die Angelegenheit von einer anderen Seite zu beleuchten. Ständige Schimpfereien auch von bekannten DJs, von denen man einen gewissen Durchblick im Business erwarten könnte, zeigen, wie sehr die Verleumdungs-Taktik von Google funktioniert. Im Detail: Der milliardenschwere US-Konzern Google mit Unmengen von Anwälten, PR-Agenturen und bezahlten Lobbyisten musste feststellen, dass die kleine deutsche GEMA sich nicht mit Peanuts abspeisen lassen will, um die Komponisten und Texter zu vergüten, deren Songs auf YouTube gespielt werden. Die britischen, französischen, italienischen etc. Gesellschaften hatten bereits klein beigegeben und sich quasi von Google über den Tisch ziehen lassen, aber die GEMA wollte stark bleiben, die deutschen Künstler schützen und ist deswegen gegen Google vor Gericht. Und zwar mit zwölf beispielhaften Videos, die die GEMA hat sperren lassen. Natürlich in Absprache mit den betroffenen Künstlern und Plattenfirmen.

Google weiß natürlich, wie wichtig die YouTube-Filme einerseits zur Promotion von Musik sind und andererseits auch, wie sehr über YouTube Musik konsumiert wird. Deswegen war die nun einsetzende Taktik sehr raffiniert und ausgeklügelt, um der GEMA mal so richtig eins reinzuwürgen: YouTube SELBST sucht sich seither nach Zufallsprinzip abertausende von Videos aus, sperrt sie für Deutschland und packt einen Banner davor mit den bekannten Sätzen wie: ‚Sorry, die GEMA hat uns dafür keine Rechte gegeben.’

Wie geplant und gewünscht ging Googles Plan bestens auf. Millionenfach wird seither über die GEMA geschimpft, und der Shitstorm hält nun schon seit Jahren an, denn alle glauben natürlich was da steht: Die GEMA würde verhindern, dass diese Video zu sehen sind. Dabei verhindert die GEMA ja nur ganze zwölf Videos, bei allen anderen suggeriert uns YouTube nur, dass es die GEMA sei, um schlechte Stimmung gegen den Verein zu machen. Eine ganz brillante PR-Taktik, um davon abzulenken, dass man auf dem Rücken der Künstler Milliarden scheffelt und ihnen nichts davon abgeben möchte.

Leider ist die GEMA nicht gewieft genug, um dagegen anzugehen, hat von PR scheinbar keinen Plan und bekanntermaßen auch noch einige andere Baustellen am Laufen.

Und so begab es sich, dass eine gesamte Bevölkerung auf Googles raffinierten PR-Trick reingefallen war und einen grandiosen Hass auf die GEMA entwickelte, die eigentlich nur deutsche Komponisten und Autoren vor der Abzocke eiskalter US-Konzerne bewahren wollte.

Fazit: Manchmal ist es anders, als es scheint.