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„Crew Love Is True Love“ – Dieses Motto wird in der Welt der elektronischen Musik von vielen verwendet, von wenigen gelebt. keinemusik hingegen scheint der Inbegriff dafür zu sein, was es heißt, gemeinsame Sache zu machen. Neben Adam Port, der bereits im Juni 2012 für uns den Download-Mix fertigte, und &Me, seines Zeichens auch Teil des erfolgreichen Terranova-Projektes, gehören David Mayer, Reznik sowie Rampa zum inneren Kreis der Berliner Bande, deren Roots man im HipHop findet. Letzter heißt mit bürgerlichem Namen Gregor, lieferte mit „AY“ den vermeintlichen Hit der kürzlich veröffentlichten „Workparty Four“ ab und fertigte mit dem KD7 aktuell ein eigenes Effektgerät. Nebenbei blieb ihm noch etwas Zeit für den ersten Download-Mix in 2014.

DJ Set 23 RampaDas neue Jahr beginnt damit genauso furios, wie das vergangene endete. Allein in 2013 erhielt Rampas Diskografie einen beachtlichen Umfang mit vielen vorzeigbaren Labels. „Broken Toy“ auf keinemusik, „Anyway“ auf Mobilee, „Where Did I Go Wrong“ auf Defected, „Dirty Son“ auf Pets Recordings und z.B. „Painkiller“ mit Homeboy Re.You auf Kompakt sind nur ein Teil seines Outputs. Mit RAR gründete er mit Re.You einen neuen Live-Act. „2013 war ein sehr tolles Jahr! Mir kam es allerdings vor wie zwei Monate. Die Zeit verfliegt geradezu. Wenn ich in meinen Kalender schaue und 109 Shows zähle, kommt mir das total absurd vor. Im vergangenen Jahr haben wir mit RAR – was für Rampa And Re.You steht – bei Cocoon unterschrieben, und wir planen aktuell das neue Jahr. Der Sound ist und wird immer mehr eine Mischung aus Re.You, Rampa und einer extra Prise Ruffness. Auch das Basteln am Live-Act hat sehr viel Spaß gemacht, und am Ende kam das KD7 bzw. der Plan, DJ-Effektgeräte zu bauen, dabei heraus. Ich bin um die Welt geflogen und habe trotz Schlafmangels so dermaßen viel gesehen und kennengelernt – megageile aber natürlich auch Abturn-Gigs gehabt (lacht). Außerdem haben wir letztes Jahr unser neues Studio eingerichtet und uns durch diverse Grillabende und etwa eine halbe Million Liter Kaffee unten im Stattbad gut eingelebt. Unsere Freundin Dani hat im Hintergrund einen prima Job gemacht und uns bei der Organisation des Labels echt in den Arsch gerettet! Vielen Dank nochmal dafür an dieser Stelle. Ihren Job wird ab 2014 Reznik übernehmen. Er kümmert sich dann um alle Labelangelegenheiten, Vertrieb, Marketing etc. – uns ist es wichtig, wirklich alles selbst zu machen. Reze, gib dir Mühe! (lacht).“

Und so tourt Rampa dieser Tage nicht nur mit seinen neusten Releases durch die Clubs, sondern eben auch mit dem sogenanntem KD7. Uns erzählt der gebürtige Freiburger, der am Technischen Gymnasium Abitur in Mathematik und Elektrotechnik absolvierte, über die Produktionszeit sowie die Idee: „Im Grunde ist das ein Umbau und eine Optimierung des DD7 von Boss – ein Gitarren FX-Gerät, das aber auch schon länger von einigen DJs und Live-Acts benutzt wird. Ich hatte ihn auch bereits im Einsatz bei RAR. Jedoch ist es für Gitarren gemacht und nicht für DJs und somit einfach nicht optimal. Zufällig lernte ich diesen Sommer dann Benjamin kennen. Er hat eine kleine Hardware-Firma namens Electric Diaries. Wir redeten viel über Technikkram, verstanden uns prima und fingen an, gemeinsam zu basteln. Mittlerweile hat er sogar seine Werkstatt bei uns in den Studios. Es kam also erst die Idee, einen TAP einzubauen, um einfach und schnell die BPM anzupassen. Dann störte mich aber, dass der ON/OFF-Knopf ein Fußpedal ist, das man von Hand nicht immer einfach bzw. schnell genug drücken konnte. So kam das Ding in ein neues, leichteres Gehäuse. Damit war auch mehr Platz zwischen den Potis und ich konnte diese endlich richtig benutzen. Das passierte alles noch ohne jeglichen Hintergedanken, nur mit dem Ziel, den Live-Act geiler zu machen und natürlich auch Gewicht zu sparen. Wir bastelten auch noch diverse andere Sachen in der Zeit. Jedenfalls sponnen wir dann weiter rum und veränderten den Eingangs- und Ausgangspegel, so dass wir den Klang für hohe Line-Input-Signale verbessern konnten, ohne am Output etwas zu verlieren. Wir bauten einen MIX-WET-Schalter ein, damit man auch nur das reine FX-Signal raus bekommen kann, wenn man das Gerät z.B. als Send-FX benutzen will. Das macht beim Allen & Heath unter anderem total Sinn, und jeder von uns benutzt das Ding mittlerweile beim Auflegen. Komisch eigentlich, dass es kein anständiges Hardware DJ FX gibt. Zumindest konnte ich bislang kein cooles finden. Eine weiteres echt tolles Feature ist der MOM-Button. Das MOM steht für Momentary, und dieser Knopf schickt das Signal auf den FX, solange man ihn gedrückt hält. Macht Spaß, damit ein Delay z.B. auf eine Snare zu packen. Und wir haben die Feedback-Kurve angepasst, damit es nicht mehr so schnell unkontrolliert übersteuert.“

Diese Optimierung des Vorhandenden sprach sich schneller herum als erwartet – erste Vorbestellungen trafen ein, und die finale Idee war geboren. „Ich dachte: Wieso nicht?Machen wir aus DD7 einfach KD7 und sind ab heute eine Tuningfirma (lacht). Der Name KD7 ist eine einfache Ableitung und steht für KeineDelay7.“ Monja Gentschow, die bei keinemusik für die Artworks zuständig ist, entwickelte anschließend das Logo. „Wir haben viel ausprobiert und geändert bis wir mit allem 100% zufrieden waren. Natürlich kam uns der Gedanke, ein komplettes Delay selbst zu bauen, da es enorm Kosten spart und man noch hier und da etwas optimieren kann. Aber das würde den zeitlichen Rahmen sprengen, und man muss auch sagen, dass das DD7 wirklich geil klingt. Wir sitzen gerade  schon an einem Reverb, das zu 100 Prozent und von Stunde Null an von uns entwickelt und gebaut wird.“

Den KD7 nutzte Gregor ebenfalls auf bereits erwähntem „AY“, einem von vier Tracks der „Workparty Four“, dem wohl wichtigsten Release der keinemusik-Crew, das in diesem Fall auch zeitgleich Katalognummer 20 bedeutet. „Es ist der ‘Workparty’-Sampler, auf dem alle vier Produzenten einen Track haben. Definitiv ein schöner Jahresabschluss. Ich bin sehr sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Wir haben extra versucht, etwas Zeitloses zu erschaffen und keinen offensichtlichen – ich nenne es mal – ‘Beatport-Hit’ darauf zu packen. Erstmals haben wir eine Picture Disc produzieren lassen. Da hatten wir anfangs so unsere Probleme, da sie ursprünglich auf schwarzes Vinyl gepresst wurde und das nicht so schick aussah. Aber da wir RANDMUZIK (Presswerk Leipzig) mögen und sie uns auch, war das am Ende kein Problem, und wir haben mit leichter Verzögerung alles fein hinbekommen. Zu der Platte legen wir noch einen versiegelten Brief mit Kombination aus Liebesbrief, Tracklist und Stickerpack bei.“

Dass der Wahlberliner diese äußerst lange To-Do-Liste so meisterlich absolviert, ist sicherlich auch seiner Abstinenz so einiger Genussmittel zu verdanken. Bei einem Gig auf Ibiza im Hochsommer berichtete er, neben Alkohol und Drogen auch dem Fleisch abgeschworen zu haben. „Ich habe immer mal wieder solche extremen Phasen. Es ist ja nicht so, dass ich noch nie etwas getrunken hätte. Wer mich kennt, wird das wissen (lacht). Da ich aber so viel unterwegs war und mit dem Label und den ganzen Projekten einfach so viel um die Ohren hatte, wollte ich zu 100 Prozent klar im Kopf sein, um Vollgas geben zu können. Am Anfang war es schwer, vor so vielen Leuten zu stehen, weil man natürlich bei einer großen Crowd immer noch nervös wird und Alkohol  dabei hilft, locker zu werden. Das Gefühl, das man bekommt, bei kompletter Nüchternheit und vollem Bewusstsein, wenn 5.000 Leute die Hände in die Luft werfen, ist aber unbeschreiblich. Es ist viel intensiver und hält auch länger an. Auch in kleinen Clubs ist es irgendwie cooler. Natürlich brauche ich auch ab und zu mal ein Reset im Schädel. Bei unserer letzten Nacht im Watergate war das z.B. so ein Moment. Den Sonntag darauf habe ich mit Kater und einem Profihelm im Bett verbracht. Gehört für mich ab und an mal dazu. Drogen waren und sind für mich eh nie ein Thema gewesen und werden es hoffentlich auch nie. Das sage ich nicht, weil meine Mutti das vermutlich liest (lacht).“

Somit bleiben kaum Hindernisse, um klar und mit geballtem Enthusiasmus die kommenden Pläne anzugehen. Im April wird RAR erstmals auf Tour gehen. „Da Re.You als DJ bei Mobilee ist, ich mit keinemusik bei clique bookings und in den USA bei CAA unter Vertrag bin und dadurch vier Agenturen gemeinsam arbeiten müssen, macht es bei uns mehr Sinn, gemeinsame Touren zu machen.“ Genaue Termine, an denen das Duo mit RME Fireface 400, dem MFB 522 Drumcomputer, dem Electro Harmonix 45000 Recorder, der KNAS Federhall/Filter, einem selbstgebauten 5-Channel-Mixer sowie natürlich dem KD7 unterwegs sein wird, sollen in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden. „Wir basteln gerade noch an ein paar neuen Sachen. Das Ziel ist, mit ordentlichem Druck und optimaler Soundqualität am Ende rauszukommen. Wir entwickeln uns als Team von Gig zu Gig weiter und versuchen, immer etwas zu verbessern. Darum freuen wir uns so sehr auf die Tour, weil wir dann einen ganzen Monat nichts anderes machen und uns voll darauf konzentrieren können. Ich denke so gern an unsere allererste Show im Watergate zurück. Wir beide hatten absolut keinen Plan. Es gab noch nicht einmal ordentliche Proben, keine Zeit für einen Soundcheck, und dann haben wir die Stunde Primetime auf dem Mainfloor gespielt. Ich dachte nur, hoffentlich kommt überhaupt ein Ton raus und nicht nur ein dumpfes Brummen. Haha. Erste Bassline – alle Hände hoch – Ganzkörpergänsehaut, und alles war gut!“

Ein gemeinsames Release als RAR auf Cocoon gesteht bereits in den Startlöchern, Ende März wird es eine EP auf keinemusik geben. Auch mit Andrea Oliva steht ein Track in der Pipeline. „2014 möchte ich lieber weniger als mehr machen. Ich denke, es macht mehr Sinn, den einzelnen Releases mehr Zeit zu geben, um produziert und gehört zu werden. Gerade heute, wo es so viel Musik gibt und so viel über Masse geht, ist es mir und eigentlich uns allen sehr wichtig, einen Gang runter zu schalten und die immer schmal bemessene Zeit dazu zu verwenden, etwas zu schaffen, dass es verdient, gemocht zu werden.“ Dennoch stehen einige To-Dos bereits jetzt auf der Agenda. „Studio weiter ausbauen, noch öfter Zuhause kochen, mit Benjamin neue Geräte entwickeln, meine Produktionen verbessern, eine Bar aufmachen, keinemusik und RAR noch geiler machen und schlichweg: weitermachen.“ 

Der Mix:
FAZEmag DJ-Set #23: Rampa – exklusiv bei iTunes

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