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Es war 2007, da gelang Rane und Serato als Widersacher des tonangebenden Native Instruments/Stanton-Systems Final Scratch ein Coup: Sie verbauten ihre externe DVS-Schnittstelle SL1 in einen Mixer und schufen mit dem TTM57SL eine kombinierte Steuereinheit, die nicht zuletzt aufgrund der kurzen Signalwege auch noch extrem smooth lief. Dieses Grundprinzip wurde bis zum heutigen Tage beibehalten und dürfte mitverantwortlich dafür sein, dass sich der US-Neuseeländische Underdog zum Front-Runner mausern konnte. Der Rane Sixty Four ist das jüngste Produkt dieser Entwicklung: Ein Vierkanal-Clubmixer als leicht modifizierte Version des großen Sixty Eight. Natürlich perfekt zugeschnitten auf die Arbeit mit Serato DJ.

So mag den Rane-Neuling beim Entpacken des Systems zunächst der Lieferumfang irritieren. Da ist selbstredend zum einen der Rane Sixty Four-Mixer, den hat man schließlich geordert. Zum anderen sind gleich vier Serato Timecode-Vinyls sowie vier Timecode CDs beigelegt. Diese Kombination ergibt natürlich erst einen vollständigen Nutzwert, wenn man auch die entsprechenden Laufwerke, sprich Turntables und/oder CD-Decks, einbezieht. Uneingeschränkt funktionieren wird der Rane Sixty Four natürlich auch ohne das Timcode-Gedöns. Also als Standalone- Mixer ausschließlich für externe DJ-Hardware (Turntables, CD-Player, Effektgeräte). Oder aber als erweiterte Steuereinheit im Laptop/Serato DJ plus Controller-Verbund. Dennoch hätte man so, nicht zuletzt aufgrund der verbauten DVS-Schnittstelle, über seine Bedürfnisse hinaus investiert und den sprichwörtlichen Kern der Rane Mixer-Serie nicht ganz erfasst. Und das ist eben die flexible Symbiose aus traditionellem Hardware-Spinning und neuzeitlicher DJ-Software.

Voll das (Schach)Brett

Seiner Innovationskraft mit optischer Poppigkeit Ausdruck zu verleihen, war nie der Stil von Rane. So kommt auch der Rane Sixty Four im ausgeschalteten Zustand sehr sachlich-technisch daher: Ein schwarzgrauer Monolith, der in seinem Schachbrett-strengen Layout wirkt, als bilde er die Straßenzüge seiner Herkunft New York City ab. Die Verarbeitung des Vollmetallboliden ist bis ins Detail gewohnt exquisit. Von den wechselbaren, in der Kontur einstellbaren Cross- und Kanalfadern über die 51 gemuldeten Quader-Buttons bis hin zu den mittengerasterten Potis. Letztere wirken im Gesamtverhältnis vielleicht erst einmal stummelig, erweisen sich allerdings bei der Arbeit, nicht zuletzt dank ihrer Gummierung, als nahezu konkurrenzlos ergonomisch. Auf zur Anschlusssektion. Die zeigt sich erwartungsgemäß üppig ausgestattet. Da sind zunächst die vier vergoldeten Cinch-Paare für den Anschluss externer Zuspieler. Sie lassen sich allesamt zwischen Phono und Line umschalten, so dass im Extremfall vier Turntables oder vier CD-Units angekoppelt werden können. Weiterhin ist ein Cinch-Aux-In für die Einbindung von Klangerzeugern vorhanden. Auch ein externes Stereo-Effektgerät lässt sich dank der Return/Master-Klinken einschleifen. Eine weitere Einschleifmöglichkeit stellt der Session Loop dar. Dieser ist für die Einbindung eines weiteren Mixers vorgesehen und wird ohne Möglichkeit der Bearbeitung direkt auf den Sixty Four-Master geroutet. Wer einen zweiten Digitalmixer sein eigen nennt, kann alternativ zu den Cinch Send/Returns auch den vorhandenen S/PDIF Session Loop nutzen. Anschlussseitig auch gleich ein erstes Highlight: Der Rane Sixty Four bringt rückseitig zwei unabhängige USB-Ports mit. Somit lassen sich über das gedoppelte 22-Kanal Audiointerface auch zwei Serato DJ-Rechner parallel betreiben. Der Idealzustand für DJ-Teams und Clubbetreiber, die auf nahtlose DJ-Wechsel Wert legen. Dem Dual-Betrieb schließt sich gleich noch eine weitere Besonderheit an. Anstelle eines, maximal zweier Kopfhörerausgänge stellt der US-Grande gleich drei Headphone-Outs zur Verfügung. Allerdings sind diese nicht getrennt regelbar. Ausgangsseitig stehen ansonsten noch ein professionelles XLR-Paar für lange Übertragungswege sowie ein getrennt regelbares Booth-Paar im Cinch-Format bereit.

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Sexy Four

Wie bereits erwähnt, ist das geometrisch klare Layout ein Segen für alle, die es betont übersichtlich mögen. Nach der Installation von Serato DJ (eine aktuelle Vollversion ist im Lieferumfang enthalten) und dem Einschalten des Gerätes verwandelt sich der Sixty Four in ein Lichtermeer. Dank des Kontrasts zur schwarzgrauen Gehäusefarbe geht die Übersichtlichkeit dabei nicht etwa verloren, sondern wird abermals stärkt. Nun wirkt das Tool aus wie NYC bei Nacht und erhält von uns dafür den Spitznamen „Sexy Four“. Der grundsätzliche Aufbau folgt dem bewährten Muster für Control-Mixer. In der Mitte befinden sich die vier Kanalzüge, die neben den einstellbaren 3-Band-EQs und Level-Reglern über jeweils einen zusätzlichen Filterpoti verfügen. Dieser greift nicht etwas auf die Serato-Software zu, sondern auf einen internen, Lowpass/Highpass-DSPFilter. Dieser ist im Bereich 20Hz bis 20kHz stufenlos regelbar und kann zusätzlich über die Mixer-Software in der Resonanzintensität geändert werden. Sinnvoll, aber dennoch nicht alltäglich: Die Kanalstreifen sind, wie der gesamte Mixer, konsequent vom Zentrum nach außen aufgebaut. Es gilt also die die Kanalreihenfolge 3, 1, 2, 4 statt des klassischen 1, 2, 3, 4. Jeweils an den Mixeraußenseiten verlaufen schließlich die MIDI-Controller-Ohren für einen direkten Serato DJZugriff. Diese teilen sich, der Kanalreihenfolge entsprechend, die virtuellen Decks 1 und 3 (links) sowie 2 und 4 (rechts). Natürlich ist auch der Rane Sexy Four kein vollumfassender MIDIController. Allerdings beweisen die Amerikaner Intelligenz bei der Auswahl dessen, was direkt über das Pult gesteuert werden kann. Da ist zum einen natürlich das Wählen und Laden eines Tracks über den Scroll/Load-Encoder. Ein längenverstellbarer Loop sowie Roll und Slip durften als extra abgesetzte Funktionen ebenfalls nicht fehlen. Für nervöse DJs beruhigend: Auch ein Sync-Button ist pro Controller-Strip vorhanden. Um ausreichend Loops und Cue-Punkte sowie Samples ansteuern zu können, greift Rane auf die sogenannte Layer- Technik zurück. Was bedeutet, dass die vier Trigger-Buttons über MIDI-Zuweisung unterschiedliche Serato DJ-Aufgaben übernehmen. So sind im Ausgangsmodus (MIDI-Belegung 1) die vier Trigger-Buttons mit vier Cue-Punkten sowie auf zweiter Ebene (erreichbar über Bank-Button) vier Loops belegt. Möchte man diesen Split nicht, also beispielsweise den kompletten Zugriff auf 2 x 4 = 8 Cue-Punkte erhalten, wechselt man mittels Layer-Button in die MIDI-Belegung 3. Will man schließlich den Sampler ansprechen, wählt man die MIDI-Belegung 2, wodurch sich die Trigger-Buttons in Sample-Launcher verwandeln. Eine ebenso clevere wie praxistaugliche Lösung, die den erweiterten Möglichkeiten von Serato DJ hinreichend gerecht wird – ein dickes Lob dafür!

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Da kriegt du Effekte

Eine Effekt-Controllersektion für Serato DJ bringt der Rane Sixty Four zwar nicht mit, ABER dafür eine interne Effekteinheit. Ein perfektes Zugeständnis an alle, die auch mal normale Vinyls und CDs drehen wollen. Unabhängig vom bereits erwähnten Filter pro Kanal bringt diese FlexFx- Sektion die sechs Basistypen Echo, Filter, Flanger, Phaser, Reverb und Robot mit. Diese klingen absolut amtlich und lassen sich sowohl auf die einzelnen Kanäle inklusive der Mikrofone legen als auch über vielerlei Parameter im Klangverhalten ändern. Das Vorhören und Synchronisieren zu den möglichen Taktgebern (Laptops, Turntables) ist natürlich ebenso möglich. Hilfestellung leistet zum einen das kleine Display, hier werden die BPM-Werte und Parameter bei Effektanwahl automatisch dargestellt. Zum anderen ist Rane mit der Neuerung des Mini-Joysticks eine echte Innovation gelungen. Hierüber lässt sich die Effektdichte im Bereich 1/16 bis 64 Beats komfortabel verändern. Aber auch zur Navigation in den Effekt- und Mixer-Voreinstellungen sowie für den Wechsel der Taktquelle ist der stufenlos in alle Richtungen drehbare Joystick vorgesehen. Bindet man einen externen Effektor über die Send/Returns an, wird dieser übrigens ebenfalls über den identischen FlexFx Bus geführt und kann im Effektmenü angewählt werden. Im Zusammenspiel mit den mannigfaltigen, austauschbaren Effekten der Serato DJ-Software selbst ergibt sich somit ein Effektarsenal, das wirklich keinen Wunsch mehr offen lässt. Wer übrigens partout auf dedizierte Sixty Four-Controller für Serato DJ besteht, kann sich einen Kanalstrip (z.B. Mic) dahingehend zurechtmappen. Denn natürlich sind sämtliche Bedienelemente des Mixers MIDIfiziert.

Too good to fail

Im Praxistest weiß der Rane Sixty Four dann auch seine ureigene Stärke abermals auszuspielen: Das bis in die Beleuchtung hinein absolut latenzfrei reaktive und stabile Zusammenspiel mit Serato DJ in allen Funktionen. Auch wird dem rasenden Wechsel zwischen den verschiedenen Medien (Analog-Vinyl, Timecode-Vinyl, CD, sonstige Zuspieler) nicht der winzigste Stein in den Weg gelegt. Keine Knackser, keine Aussetzer – alles funktioniert weich wie flüssige Butter. Dank MIDI-Clock-Synchronisierung lässt sich sogar Ableton Live oder ein anderes USB-MIDI-Gerät im Gleichschritt betreiben. Der Spaßfaktor ist enorm, der Preis natürlich auch: 2.565 EUR UVP (ca. 2.000 EUR Straße) Aber mit dieser Investition hat man vor allem als Serato DJ-Nutzer für Jahre ausgesorgt. / Matthias Thienel

www.rane-dj.de
www.serato.com