Esben Andersen aus dem dänischen Aarhus fand recht früh zur Musik, und der Grund dafür wohnte nur eine Tür weiter: „Ich habe mit dem Gitarrespielen begonnen, als ich fünf war. Der Nachbarsjunge war ein großartiger Gitarrenspieler, der schon mit sieben wahnsinnige Solos zocken konnte. Ich wollte unbedingt so sein wie er. Allerdings habe ich nicht wirklich geübt, sondern einfach irgendwelche Notensequenzen herunter gespielt und fand, dass das ganz gut klang.“ Seine Eltern dürften da anderer Meinung gewesen sein, und auch seinen Freundeskreis konnte der ambitionierte, aber ungeübte Saitenquäler nicht so recht überzeugen. „Ich habe ihnen immer meinen Lieblingsakkord vorgespielt und gemeint: ‘Klingt das nicht fantastisch?’ In den meisten Fällen verursachte diese Frage nichts als ausdruckslose Gesichter.“

Etwas, wovon sich Esben nicht entmutigen ließ, und so spielte er trotz mangelnder Anhängerschaft in wechselnden Bands und schrieb immer wieder auch eigene Songs. Dass das Bandleben an sich nichts für ihn war, merkte er allerdings recht bald. „Ich mag es, wenn die Dinge so gemacht werden, wie ich das will. Kompromisse sind nicht gerade meine Stärke. Als ich dann den Computer als Musikinstrument für mich entdeckte, war ich schon etwas älter. Ich wusste sofort, dass dies genau mein Ding war.“ Diese Erkenntnis liegt nun sieben Jahre zurück, und womöglich hat Esben den ehemaligen Nachbarsjungen auf der Musikkarriereleiter inzwischen hinter sich gelassen. Immerhin ist er es, der im Frühjahr 2012 im Vorprogramm seiner Landmänner WhoMadeWho unterwegs war. Und er war es auch, den ich im Rahmen der Kölner c/o pop noch einmal im Coco Schmitz als Main Act erlebte. Zu beiden Gelegenheiten gelang es ihm mit Rangleklods ganz mühelos die Anwesenden mit düsteren Elektronikbeats, hoffnungsfrohen Melodien und Gesang zu begeistern. In den sieben Jahren, seit der Kurzzeit-Berliner und heutige Kopenhagener den Computer als sein Instrument entdeckte, sind unzählige Songs entstanden, die jedoch nie das Ohr der Öffentlichkeit erreichten. „Ich habe nie versucht, etwas zu releasen, weil ich immer dachte, es sei nicht gut genug. Das Projekt Rangleklods habe ich dann vor drei Jahren gestartet.“ Ein etwas seltsam anmutender Name, und ganz bewusst bedeutungslos: „Es ist eine Kombination aus zwei Wörter, die zusammen allerdings keinen Sinn ergeben. Aber genau das wollte ich. Dass die Musik nicht gedanklich mit etwas verknüpft wird, wie es bei vielen anderen Bands der Fall ist. Ich wollte, dass jeder Zuhörer für sich selbst entscheiden kann, was Rangleklods für ihn bedeutet.“

Nach den vielen Jahren des Experimentierens mit Komposition und Soundästhetik war es vergangenen Herbst so weit; in Esbens Heimatland erschien sein Debüalbum „Beekeeper“. In Deutschland wird man darauf noch bis zu diesem Herbst warten müssen, kann sich die Zeit aber gut mit der auch hier digital verfügbaren EP „Home“ vertreiben. Es sei denn, man war auf einem der Rangleklods-Konzerte. Hier verkauft der Künstler höchstpersönlich seinen Tonträger, und dieser ist stark beeinflusst von allerlei Musikern und Genres vergangener Tage. „Ich habe zahlreiche musikalische Helden, wenn sie auch alle sehr unterschiedlich sind. Ich bin ein riesiger David Bowie-Fan. Außerdem sind da noch The Doors, Simon & Garfunkel, Phil Spector und viele andere Bands und Künstler dieser Ära. Im Bereich der elektronischen Musik sind es The Field und James Holden. Andere Einflüsse kommen aus der afrikanischen Popmusik der 70er, sind 80er-Pop-Punk und frühe House-Geschichten.“ Aber es gibt auch eine Band des aktuellen Musikgeschehens, die Esben begeistert: „Ich habe am Wochenende beim Roskilde Festival gespielt und dort Bon Iver live gesehen. Das war das beste Konzert, das ich jemals erlebt habe. Er hat zehn andere Typen mit auf der Bühne, und die Art, wie sie ohne Worte kommunizieren, ist fantastisch. Und die Songs selbst sind natürlich auch wundervoll und wahnwitzig. Das war absolut inspirierend.“ Widerstrebt es Esben auch, im Bandkontext zu musizieren, so ist er auf der Bühne dennoch nicht allein. Ihm zur Seite steht Tikki Hasselriis Jensen, eine Gitarristin und Sängerin, die Esben als echten Glücksfall für seine Auftritte bezeichnet. Im Studio hingegen ist er dann doch lieber für sich „Nur wenn ich den Überblick verliere oder nicht weiter komme, wende ich mich an Pernille Smith-Sivertsen, eine Sängerin, die auch auf meinem Stück ‘Clouds’ und einigen Albumnummern zu hören ist. Wir haben dieselbe Vorstellung von Musik, und sie ist so etwas wie mein zusätzliches Paar Ohren. Ohne sie wäre Rangleklods nicht dasselbe.“

Wer bisher noch nicht die Gelegenheit hatte, Rangleklods live zu erleben, kann sich schon mal auf den kommenden Herbst freuen, denn zum Albumrelease von “Beekeeper & Home” (Ink Music/Rough Trade) am 19. Oktober soll es auch eine Tour geben. „Und ich bin jetzt schon ganz aufgeregt deswegen. Deutschland hat so einen gute Konzertmentalität. Die Leute haben uns zugehört, selbst als wir nur Support waren. Und unsere CDs waren schon nach der Hälfte der Tour ausverkauft. Ich kann es kaum erwarten, zurückzukommen.“

www.rangleklods.com