
Kokainkonsum ist in Deutschland insgesamt zuletzt zurückgegangen. Bei jungen Erwachsenen zeigt sich dagegen eine gegenläufige Entwicklung.
In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen hat sich der Anteil derjenigen, die im vergangenen Jahr Kokain konsumierten, seit 2015 verdreifacht. Das geht aus der Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit hervor.
Knapp ein Fünftel der 18- bis 25-Jährigen hat demnach bereits mindestens eine illegale Droge ausprobiert. Kokain ist in dieser Altersgruppe inzwischen die dritthäufigste konsumierte illegale Droge nach Lachgas und Ecstasy.
2025 gaben 4,1 Prozent der jungen Erwachsenen an, im vergangenen Jahr Kokain genommen zu haben. Zum Vergleich: Im Epidemiologischen Suchtsurvey von 2024 lag der entsprechende Wert über alle 18- bis 64-Jährigen bei 1,1 Prozent. Bei jungen Erwachsenen war der Anteil damit fast viermal so hoch.
Besonders häufig konsumieren Menschen Mitte 20 bis Ende 30 Kokain. Allerdings lag ihr Wert im ESA 2024 etwas niedriger als noch drei Jahre zuvor. Insgesamt bewegt sich der Konsum laut Barbara Schneider von der LVR-Klinik Köln weiterhin auf einem hohen Niveau.
Gleichzeitig bleibt Kokain im Vergleich zu anderen Substanzen weniger verbreitet. Schneider verweist auf mehr als fünf Millionen Menschen, die Cannabis konsumieren, sowie rund 2,2 Millionen Alkoholabhängige und fast zwei Millionen Menschen mit Alkoholmissbrauch.
Auch die Verfügbarkeit wird als Faktor genannt. Felix Strobach von der Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln beobachtet, dass Kokain innerhalb der vergangenen zehn Jahre alltäglicher und gesellschaftlich akzeptierter geworden sei.
Eine europäische Befragung unter 15- und 16-Jährigen liefert dazu einen weiteren Hinweis. 13 Prozent der Befragten hielten es 2024 für ziemlich oder sehr einfach, an Kokain zu gelangen. Die Daten stammen aus der ESPAD-Studie, für die Jugendliche aus 39 europäischen Ländern befragt wurden.
Deutschland lag mit 13 Prozent genau im Durchschnitt. Allerdings nahmen hier ausschließlich Jugendliche aus Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen teil. Deutliche Unterschiede zeigen sich auch zwischen Männern und Frauen.
In sämtlichen Altersgruppen konsumieren Männer häufiger Kokain. Bei den 18- bis 25-Jährigen ist die Differenz besonders ausgeprägt. Fast sechs Prozent der jungen Männer gaben 2025 an, im vergangenen Jahr Kokain konsumiert zu haben.
Bei den jungen Frauen waren es 2,4 Prozent. Für beide Gruppen stellt dies laut Drogenaffinitätsstudie den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre dar. Dabei ist der Anstieg bei Frauen prozentual stärker.
Seit 2015 hat sich ihr Anteil nahezu verfünffacht, während er bei Männern mehr als verdreifacht wurde. Ausgangspunkt waren bei den Frauen allerdings lediglich 0,5 Prozent im Jahr 2015. Strobach beobachtet in der Jugendsuchtberatung häufiger junge Männer als junge Frauen.
Die Motive unterschieden sich aus seiner Sicht teilweise: „Meine Beobachtung ist da schon, dass es bei den Männern häufig einen Konsum-Hintergrund gibt, bei dem es viel um Leistung geht, um Performance, um Macht, vielleicht auch um Aggressivität.“
Bei jungen Frauen stehe dagegen häufiger der Umgang mit den eigenen Gefühlen im Mittelpunkt. Deshalb würden aus Strobachs Perspektive eher MDMA oder Halluzinogene konsumiert, „also beruhigende, entspannende Substanzen, die vielleicht auch Glücksgefühle ermöglichen“.
Auch über die Gruppe der jungen Erwachsenen hinaus bleibt der Geschlechterunterschied bestehen. Im ESA 2024 gaben sieben Prozent der 18- bis 64-jährigen Männer an, in ihrem Leben bereits Kokain ausprobiert zu haben. Bei den Frauen war der Anteil nur etwa halb so hoch.
Quelle: 1 LIVE
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