
Mit „Rave – Die Nacht von Freitag auf Montag“ holt das Staatstheater Kassel die legendäre Clubära rund um Aufschwung Ost und Stammheim zurück – und macht daraus mehr als eine nostalgische Rückschau. Regisseurin und Autorin Laura N. Junghanns interessiert weniger der Mythos als das Lebensgefühl dahinter: „Das Projekt ist aus einer Sehnsucht heraus entstanden, mit der Frage: Was bringt uns Menschen heute noch zusammen – entgegen der zunehmenden Vereinzelung?“
Für sie treffen in „Rave“ zwei Welten aufeinander: „meine zwei Heimaten: das Theater und meine Liebe zur elektronischen Musik und Clubkultur.“ Im Kern gehe es um Begegnung – „mit anderen, aber auch mit sich selbst“. Club sei Ritual, ja auch Rausch, „aber vor allem eines: Gemeinschaft. Ein Beat, der uns bewegt; ein Raum, der Freiheit schenkt“. Dieses gemeinsame Fühlen beschreibe etwas, „das sich wie ein kleines Stück bedingungslose Liebe anfühlt.“ Die 90er-Jahre stehen für Utopie und Entgrenzung – heute liest Junghanns diese Energie bewusst doppelt: „Sowohl als auch.“ Clubkultur sei für sie „ein lebenswerter Gegenentwurf zu kapitalistischen Leistungsprinzipien und nichts weniger als eine friedenserhaltende Maßnahme im Miteinander“, weil sie Menschlichkeit feiere.

Die Herausforderung bestand darin, das Rave-Gefühl ins Theater zu übertragen, ohne „Club zu spielen“. Stattdessen vergrößert die Inszenierung „die inneren Vorgänge des Erlebens nach außen“. Acht Jahre Stammheim-Geschichte und eine einzige Nacht von Freitag bis Montag verdichten sich auf drei Stunden – „und mit ganz viel Nebel!“ Theater und Club seien sich näher, als man denke: „extreme Verdichtung“, Zeitsprünge, Mehrdimensionalität. Entscheidend bleibe „der Moment, das gemeinsame Erleben, das Hier und Jetzt“.
Auch das Ende des Stammheims 2002 wird nicht ausgeblendet. Junghanns verweist auf „unnötige, staatliche Bürokratie und finanziellen Druck“, aber auch auf die Unerfahrenheit einer sehr jungen Szene. Ihre Kritik richte sich jedoch „grundsätzlich eher an das ungerechte kapitalistische System“ als an jene, „die mutig genug waren, solche besonderen Spaces zu kreieren“. Am Ende gehe es vor allem um Würdigung: „Die Liebe zur Szene ist das, was bleibt.“

Interim, Staatstheater Kassel
Premiere: Sa 28. Feb., 19 Uhr (ausverkauft)
So 15. März, 19 Uhr
So 5. April, 19 Uhr
So 19. April, 19 Uhr
Di 28. April, 19 Uhr
Regie und Text: Laura N. Junghanns, Bühne und Video: Elizaweta Veprinskaja
Kostüme: Ariella Karatolou, Musik und Sounddesign: DJ Chi, Choreographie: Frida Laux
Dramaturgie: Alexander Olbrich, Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Grafikdesign: Bringmann & Kopetzki
Mehr Infos und Tickets unter www.staatstheater-kassel.de