Ein Film über Techno, der sich traut, nicht über Techno zu sprechen, sondern ihn einfach geschehen zu lassen – das ist „Rave On“. Kein biografisches Drama, keine Exzesse als dramaturgisches Vehikel, kein Erklärstück für Szene-Neulinge. Stattdessen: eine Nacht. Ein Club. Musik, Körper, Licht. Und dazwischen ein Geflecht aus kleinen Begegnungen, flüchtigen Gesten und einem kollektiven Rausch, der sich wie selbstverständlich zu einem Porträt der Gegenwart formt – fragmentarisch, aber nie beliebig. Wir haben mit den Regisseuren Nikias Chryssos und Viktor Jakovleski über ihren neuen Film gesprochen, der Ende Juli in den deutschen Kinos angelaufen ist.
Hier findet ihr eine Übersicht, in welchen Kinos der Film läuft:
www.kino-zeit.de/kinoprogramm/film/61884-rave-on-2025/tag/31-07-2025
Für Nikias Chryssos und Viktor Jakovleski ist das Terrain vertraut. Nikias, der 2006 nach Berlin zog, kam über die elektronischen Sounds von Videospielen und Miami Bass zum Techno. Bereits in den Neunzigern begann er, selbst Musik zu produzieren – erst mit Magix Music Maker, später mit Fruity Loops. Das tut er bis heute, unter Pseudonymen wie Erronous Zone oder House of Life. In Berlin lernte er Viktor kennen, sie gingen gemeinsam feiern und sprachen über Filme. Die Szene war längst Teil ihres Alltags. Viktor beschreibt sich selbst als „leidenschaftlichen Raver“ mit vielen befreundeten DJs, darunter auch Ed Davenport, der schließlich den Score zum Film beisteuerte. Gedreht wurde „Rave On“ mitten im Club – genauer gesagt auf zwei eigens für das Filmprojekt organisierten Partys. Eine davon fand in Kooperation mit dem Kollektiv Pattern statt, die andere mit Unterstützung des Robert Johnson aus Offenbach. Der Club, in dem diese Nächte stattfanden, wurde auch im Film zur zentralen Kulisse.

Von Anfang an sei offen kommuniziert worden, dass gefilmt werde, erklären beide Regisseure. Beim Einlass wies man nochmals darauf hin. So sei kein Raum für Missverständnisse geblieben – im Gegenteil: Viele Gäste seien „excited“ gewesen, Teil des Projekts zu werden, so Viktor.
Dass Kameras auf dem Dancefloor eigentlich tabu sind, war den Filmemachern bewusst. Doch man müsse, so Viktor, klar unterscheiden zwischen zufälligem Handy-Geknipse und einem angekündigten, gezielten Filmdreh. „Rave On“ sei ein künstlerisches Zeitdokument – und als solches legitim. Auch Nikias betont, wie wenig sich die Anwesenden von den Kameras haben irritieren lassen. Kameras, so scheint es, seien heute selbst im Club längst Teil des Lebens geworden – vor allem, wenn ihr Einsatz respektvoll erfolgt.
Neben der Musik war es den beiden wichtig, mit echten Menschen aus der Szene zu arbeiten – auch jenseits der Kamera. Die Szenenbildnerin Lea Walloschke etwa kennt Viktor seit vielen Jahren, ihre Zusammenarbeit wurde sprichwörtlich „in der Tanzwüste auf der Fusion besiegelt“. Auch das Kostümbild kam aus der Szene, und für Musikerrollen wurden mit Hieroglyphic Being und Lucia Lu echte Producer*innen besetzt. „Wir wollten keine Schauspieler, die DJs spielen“, so Nikias – sondern echte Persönlichkeiten, die sich glaubhaft in die Clubwirklichkeit einfügen.

Was bleibt, ist ein Film, der die Clubnacht nicht im Nachhinein erklärt, sondern sie im Moment belässt. Für Viktor ist es genau das, was den Zauber ausmacht: das Gefühl, „zurückzukehren zu etwas Altem, oft Vergessenem, das wir in uns tragen“. Der Club als Urszene einer kollektiven Verbindung, zeitlos in seiner Funktion. „Raven bleibt Raven“, sagt er – egal, ob 1999 oder 2024.
Und „Rave On“? Der Film nimmt genau diesen Gedanken auf – ohne Dramaturgie, ohne Narrative, dafür mit offenen Sinnen. Nicht, um den Club zu deuten, sondern um ihn zu zeigen. Ein Film wie eine Nacht: intensiv, verschwommen, echt.
„Rave On“ ist am 31. Juli in den deutschen Kinos angelaufen.
www.weltkino.de
Text: M. T.
Fotos: Telos Pictures
