
Wir hatten HIER über die unverhältnismäßig wirkende Razzia im Münchener Club Rote Sonne am vergangenen Wochenende berichtet.
Nun haben sich diverse Betroffene, die sich zur Zeit der Razzia im Club befunden haben, zu Wort gemeldet. Wichtig zu erwähnen ist die Tatsache, dass die folgenden Aussagen nicht vom Clubbetreiber oder dem Umfeld des Clubs getroffen wurden.
Ein zentrales Problem scheint gewesen zu sein, dass es keine ausreichenden Übersetzungen für die internationalen Gäste gab. Das Wort Razzia wurde wohl kommuniziert – existiert aber im Englischen so nicht. Allgemein haben viele Gäste beklagt, dass es zu wenige Erklärungen zur Situation gegeben hat. Auch dass den Betroffenen diverse Dokumente vorgelegt wurden, die sie unterschreiben sollten, empfanden viele als problematisch. Die Gäste waren teils bis in die frühen Morgenstunden dort festgesetzt, psychisch und physisch ausgelaugt und viele beklagen, dass sie nicht wirklich wissen, was sie da eigentlich unterschrieben haben.
Allerdings möchten die Gäste nicht die Rechtmäßigkeit der Razzia an sich anzweifeln, denn dazu fehlen ihnen schlichtweg die Infos und das ist Sache zwischen Club und Staatsanwaltschaft / Polizei. Sie möchten jedoch über ihre individuellen Erlebnisse und die Maßnahmen sprechen, die sie in diesem Rahmen ertragen mussten und ob diese Maßnahmen wirklich verhältnismäßig waren.
Ein Gast-DJ an diesem Abend war DJ Benkhlifa aus Tunesien, der sich wie folgt äußert:
What was supposed to be a regular night behind the decks turned into one of the most surreal and intense experiences I’ve ever had.
I was DJing at Club Rote Sonne in Munich on the night of July 5 when, out of nowhere, the atmosphere completely shifted. More than a hundred police officers stormed the club in a full-scale drug raid.
In the middle of my set, I was suddenly interrupted—an officer approached me, ordered me to stop the music, and told me firmly not to move.
I had to place my hands on my chest and keep them there, completely still, for what felt like an hour.
The lights were on, the music was off, and the entire club was frozen in a kind of stunned silence, except for the sound of officers moving through the crowd.
I was completely sober, with nothing on me, but that didn’t change how tense things felt. Eventually, they started escorting people outside one by one. We were led into tents where we had to undress for a full-body search. It was invasive and dehumanizing, but no one had a choice. After the search, they took our photos, and then, after about two hours, they let us go.
There was no explanation, no apology—just procedure. The whole thing left me shaken and disappointed. As someone simply doing their job and bringing music to a crowd, being treated like a suspect without cause felt unjust. I understand the need for safety, but the way it was handled stripped everyone in that space of their dignity.
Weiblicher Gast A……
Wir saßen draußen gegen 3.00 Uhr im Raucherbereich mit Rücken zum Eingang, als auf einmal Polizisten den Bereich stürmten und in den Club liefen. Innerhalb von Sekunden war unsere kleine Gruppe von 6-7 Polizisten umstellt, die uns angeschrieen haben, dass wir uns nicht bewegen und unsere Hände nach oben halten sollen.
Eine sehr einschüchternde Situation.
Dann wurden wir aufgefordert, unsere Handflächen vor unserem Körper zu halten und uns nicht zu bewegen. So saßen wir dann circa 2.5 Stunden in der Kälte. Irgendwann wurde uns auf Nachfrage erklärt, dass es sich um eine Razzia wegen des Verdachts auf Rauschgifthandel handelt, wir alle kontrolliert werden und man nicht weiß wie lang es dauern wird. Wenn wir uns nicht daran halten/weigern würden, würden sie Gewalt anwenden. So wurden wir dann die ganze Zeit mit Taschenlampen beobachtet. Während unseres Wegs durch den Club zu den aufgebauten Zelten wurde ich an meinen Händen festgehalten und im Zelt musste ich mich vor einer weiblichen Polizisten komplett ausziehen. Diese tastete mich auch ab und durchsuchte jede Tasche an meinen Klamotten und auch meine Haare. Auch da wurde mir nochmal gesagt, dass Gewalt angewendet wird, wenn ich mich wehre. Dann wurde ich von einem Polizisten zu einem Tisch zur Befragung gebracht. Danach habe ich Dokumente bekommen, die ich alle unterschreiben sollte um gehen zu dürfen. Diese wurden mir aber nicht erklärt und ich wurde auch ziemlich gestresst, so dass ich nicht weiß, was ich da tatsächlich unterschrieben habe. Da bei mir nichts gefunden wurde, durfte ich dann als letzte um 6.20 Uhr gehen.
Männlicher Gast E….
Ich war im Raucherbereich der Roten Sonne als plötzlich viele Polizisten in den Club stürmten, wie viele es waren schwer zusagen aber mir kam es sehr unverhältnismäßig vor. Es wurde zwar auf deutsch gerufen „Polizei!“ und es wurde gerufen,dass es sich um eine Razzia handle jedoch wurde nichts auf Englisch übersetzt oder erklärt, was ich für sehr bedenklich halte, da die Sonne ein sehr internationales Publikum hat. Dadurch wussten einige Besucher gar nicht was passiert, wodurch die ohne hin schon sehr bedrohliche Situation noch verschlimmert wurde. Wir mussten einige Zeit draußen im kalten hocken was einigen leicht bekleideten Gästen zu schaffen machte, da wir regungslos auf Steintreppen sitzen mussten. Es wurde jeder einzelne Gast, auf der Straße hinter der Sonne in extra aufgestellten Zelten bis auf die Unterhose kontrolliert, was mir auch unverhältnismäßig vorkam. Zudem wurden auf offener Straße ohne Sichtschutz Bilder von uns gemacht was sehr befremdlich war, zumindest ein Sichtschutz wäre das mindeste gewesen. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Polizisten keiner klaren Linie gefolgt sind. Einige durften rauchen (inklusive mir) während wir auf die nächsten Schritte warten mussten, während andere grob am Arm gepackt würden und die Hände vorm Körper zusammen halten mussten, obwohl sie ohne Gegenwehr gewartet haben und schon längst gründlichst durchsucht worden sind. Das ganze hat sich sehr willkürlich angefühlt. Dieser Punkt wurde dadurch bestärkt, dass manche die gefroren haben Decken bekommen haben und andere nicht. Als ich durch die verschiedenen Schritte geleitet wurde, musste ich mehr mals wieder von vorne anfangen, da dass Drucken von einzelnen Dokumente vergessen worden ist, was die Prozedur unnötig in die länge gezogen hat und Kräfte aufreibend war. Somit begann das Ganze um ca 02:20 und ich wurde um 05:40 heimgeschickt. Wohlgemerkt ich war einer der Ersten und manche haben schon seit Stunden gefroren. Es hat sich all in all nicht angefühlt wie ein Einsatz fûr die Allgemeinheit sondern eher wie eine willkürliche Ohrfeige gegen unsere Subkultur, die nicht den Eindruck gemacht hat als würde jeder fair, gleich und angemessen behandelt werden, wie es eigentlich in unseren Kreisen normal ist.