„Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen oder enttäuscht sein soll, dass mir anscheinend auf Tour keine skurrilen Dinge passieren. Mit Missverständnissen sieht es ähnlich aus, vielleicht einzig, dass es ein Missverständniss ist, dass Menschen zu so ziemlich jeder Tages- und Nachtzeit denken, ich würde ihnen gerne folgende Frage beantworten: Warum die Maske?“ Keine Sorge, wir möchten das natürlich nicht wissen und verlangen deshalb keine weiteren Informationen über seine wahre Identität. Nur allzu gerne belassen wir Redshape, um den es hier in den kommenden Zeilen gehen soll, im nebulösen Dunst der Rätselhaftigkeit und gönnen ihm den Charme des Unbekannten. Beides steht ihm schließlich gut. Stattdessen reden wir mit ihm ein wenig Klartext über seine Musik, denn diese bietet regelmäßig neue Beweggründe dafür, nachzuhaken oder über sie  nachzudenken, zu philosophieren oder zu schwärmen. Seit im Jahr 2006 die erste EP die Runde durch die Läden machte, begeistert er DJs und Fans elektronischer Klänge weltweit. Schon vorher hat er jahrelang unter anderem Namen veröffentlicht, vor allem härteren, loopigen Techno. Doch erst in der Erschaffung seines Redshape-Alter Egos schien er die wahre Erfüllung gefunden zu haben und vor allem ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit. Konsequent und mehr als glaubwürdig zieht er seitdem sein Ding durch, die erwähnte und sehr markante Maske immer aufgesetzt. Die Musik spricht hier spürbar für sich. Labels wie Delsin, Styrax Leaves, Music Man und natürlich auch sein eigenes Present waren kompatible Stationen für gezielte Redshape-Veröffentlichungen, die nicht nur bei Kennern der Materie für Wirbel sorgten. Auch mit Gerd Jansons renommiertem Running Back Imprint ist er seit einer 12Inch im letzten Jahr verbandelt. Dort erscheint Anfang November das zweite Redshape-Album „Square“. Widmen wir uns also einmal diesem genauer und laden Redshape zum Plausch darüber, in dem er die Hintergründe für uns ein wenig skizziert: „Für mich ist ‚Square‘ mein bisher persönlichstes Projekt. Ich habe versucht, mich dafür so weit es geht von allen Umwelteinflüssen zu lösen und mich sehr genau darauf konzentriert, was mich als Künstler von jeher inspiriert und geprägt hat. Im Vergleich zu meinen Singles beziehungsweise auch im Vergleich zu ‚The Dance Paradox‘ würde ich also sagen, dass ‚Square‘ eine gewisse Einfühlsamkeit und emotionale Bestimmtheit kommunizieren soll.“ Der neueste Erguss des Mannes mit der roten Maske bringt inhaltlich wieder jene Musik zu Gehör, für die er bekannt ist und geschätzt wird, verblüfft aber gleichfalls mit einer gelungenen Kooperation mit Space Ape, die die Redshape-eigene Deepness mit spoken words zusammenbringt. Die Nähe zum klassischen Sound of Detroit schimmert aber logischerweise auch auf  „Square“ immer wieder in äußerst authentischer Manier durch, stellt aber kein Dogma dar. Die zwölf Tracks laden auf eine Reise voller Gefühl und erschaffen die unterschiedlichsten Stimmungen und Atmosphären. Damit begeben sie sich zuweilen auch abseits der Floors und Genregrenzen. Redshape gelingt es mit diesem Tonträger erneut, Vergangenheit und Zukunft mit der speziellen Magie zu verknüpfen und tut dies in erfrischender stilistischer Offenheit. In Equipmentfragen ist der Berliner Produzent ja bekanntermaßen ein leidenschaftlicher Fan und Liebhaber analoger Klangerzeuger. Ein Thema, über das er, so berichten es viele, die einmal mit ihm ins Gespräch kamen, gerne stundenlang und mit stets hörbarer Begeisterung referieren kann. Bei der Produktion der neuen LP ging er nun noch einen Schritt weiter und brachte sich selbst noch direkter mit ein. Handarbeit ist dahingehend vielleicht ein geeignetes Stichwort: „Neben dem Smith/Linn ‚Tempest‘ und dem für mich obligatorischen’Moog‘ standen meine ‚analogesten‘ Instrumente – meine Hände – im Hauptfokus. Also alles was man schwingt (Tambourines, Shaker etc.) und wo man draufhaut (Hihats/Toms/Snares). Ich denke, das hat dem Album auch seinen menschlichen Swing verliehen.“

Drei Jahre sind nun schon ins Land gezogen, seit die Redshape-Debütlangspielplatte „The Dance Paradox“ über das niederländische Label Delsin auf die Welt kam. Die Unterschiede zwischen dem Nachfolger und dieser Platte fasst der Künstler für uns folgendermaßen zusammen: „Die Arbeit an ‚Square‘ war im Vergleich viel selbstsicherer, auch angenehmer und euphorischer. Die hohen Erwartungen an das erste Album haben mich damals etwas eingschränkt, ich wollte auf jeden Fall ein ’sauberes’Album produzieren – und habe mich bedingt dadurch auf den einen oder anderen Kompromiss im Bezug auf die harmonische Gestaltung eingelassen, um in einem gewissen (deepen) Rahmen zu bleiben. Bei ‚Square‘ war das komplett anders, ich wollte mehr und fühlte mich auch fähig, all das zu schaffen. Und so war der ganze Prozess eine durchaus schöne, mehr oder weniger entspannte Zeit.“ Während manche anderen Acts ihre Fanbase alle Jahre wieder mit drastischen Veränderungen überraschen, oder auch enttäuschen, setzt Redshape im Großen und Ganzen lieber auf Konstanz und bleibt sich selbst und seinen Prinzipien gerne treu. Auch darin dürfte vermutlich ein Stück seines Erfolgsgeheimnisses liegen. „Im Kern hat sich nicht viel verändert, da ich versucht habe, mich von meiner initialen Herangehensweise nie all zu weit weg zu bewegen“, erklärt er im Interview. „Ich habe natürlich viele neue Erfahrungen hinsichtlich Komposition, Mixing und Mastering gesammelt – die ich versuche unterstützend und nicht bestimmend für meinen kreativen Prozess zu nutzen.“ Äußerst pragmatisch gibt er sich auch auf die Frage, was überhaupt ein Album für ihn anspruchsvoller macht als eine EP: „Ich nehme an, das, was es für alle Musikschaffenden der letzten 50 Jahre anspruchsvoller gemacht hat. Ein Album ist eben ein Album und eine EP eine EP.“ Im Studio kommt bei der Entstehung eines Tracks Marke Redshape für gewöhnlich erst die Melodie und dann erst Groove und Rhythmus. Eine Methode, die sich bewährt hat. „Meistens lege ich beide Hände auf die Klaviatur und fange an, gedankenlos Melodiefragmente zu spielen. Sobald ich auch nur im Geringsten zufrieden bin, overdubbe ich noch mehr Harmonieelemente, wie Basslines, Strings oder auch nur vereinzelte Chords. Dann kommt erst der Rhythmus – der sich meistens logisch aus der Harmoniestruktur ergibt. Es gibt allerdings auch Tage da läuft das genau umgekehrt.“ In den Clubs hört man Redshape nicht nur von Platte, sondern auch leibhaftig hinter den Decks und als mitreißenden Live-Act, der die tanzenden Nächte in großartige Tiefen zu ziehen versteht. Das wird auch bei der Präsentation der neuen Tracks wieder so sein. „Ich weiß noch nicht genau, wie ich ‚Square‘ live umsetzen werde. In den nächsten Wochen werde ich mir etwas überlegen. Ich habe mir ohnehin vorgenommen, die Liveshow grundsätzlich zu überarbeiten. Allerdings sind mir durch die Natur des Tourings ja Grenzen gesetzt, die mich immer wieder in meinen Umsetzungsideen limitieren. Das Prinzip der Show hat sich seit meinen ersten Live-Sets, Ende der 90er-Jahre nicht übermäßig verändert, nur die Methoden und Hilfsmittel sind natürlich moderner, genauso wie der Sound, welcher eine ständige Herausforderung zu bleiben scheint.“ Neben dem öffentlichen Spielen will sich Redshape bald auch wieder um sein Label kümmern: „Sobald ich etwas Ruhe finde, werde ich anfangen, an der Present 10 zu arbeiten. Ich habe allerdings noch nicht entschieden, ob es sich dabei um ein hauptsächliches ‚drum workout‘ oder um ein ‚melodisches‘ Projekt handelt, beide stehen auf der Warteliste.“  Seine Arbeitsumgebung möchte er ebenfalls schon länger einer Veränderung unterziehen, wie er zum Abschluss andeutet: „Ich gehöre zu der Fraktion, die immer nur planen, ihr Studio umzubauen, es allerdings niemals schaffen. Aktuell bin ich mal wieder in einer solchen Phase und hoffe, dass es diesmal klappt.“

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