
Techno-Tüftler, Cartridge-König und 16-Bit-Soundvisionär: Der Hamburger Produzent Denis Karimani alias Remute macht seit Jahren elektronische Musik auf alten Spielekonsolen – von SNES bis N64. Jetzt kehrt er mit „Remute²“ zurück und liefert ein komplettes Album, das exklusiv auf dem Commodore Amiga läuft – inklusive Echtzeit-Grafik und -Sound direkt vom Originalchip. Zum 40. Jubiläum des Kult-Computers feiern wir mit ihm die Zukunft im Gewand der Vergangenheit. Im Interview erzählt er mehr zu seiner Passion.
Denis, wie würdest du einem Laien grob die technischen Arbeitsschritte erklären, die für die Umsetzung eines Musikalbums auf einer Retro-Konsole nötig sind?
Zunächst zwingen die technischen Limitierungen dazu, Ideen auf das Wesentliche zu reduzieren. Ohne Ballast zeigt sich, wie stark eine Idee wirklich ist – auch im Songwriting. Technisch heißt das: stark komprimierte, kurze Samples – ein Super-Nintendo-Track darf z.B. nur 64 kb groß sein, beim Amiga sind es immerhin ca. 2 MB. Die Songs werden zudem in Echtzeit vom Soundchip der Konsole generiert und müssen mit spezieller Software programmiert werden. Daher bezeichne ich mich auch gern als Musikprogrammierer.
Drehen wir die Zeit ein wenig zurück: Wie kam dir seinerzeit erstmals die Idee, Musik auf unorthodoxen Medien zu releasen?
Ich veröffentliche seit rund 20 Jahren Musik, u.a. über Labels wie Traum Schallplatten, Tresor oder Ladomat. Zwar hatte ich es mit tollen Leuten zu tun, bekam aber auch die Schattenseiten der Musikindustrie zu spüren. Der Kuchen ist groß, doch wer zu viele Stücke will, gefährdet Authentizität, Qualität und Integrität – willkommen im Business-Techno, wo „Nein, das geht nicht“ oft die Devise ist. 2019 zog ich die Reißleine: Warum im Kollektiv untergehen, wenn elektronische Musik Individualismus ermöglicht? Schon als Kind fasziniert von Computern und Konsolen, war es für mich nur konsequent, Musik gezielt für diese Geräte zu programmieren – samt Veröffentlichungen auf Modulen und Floppy Disks. So entstanden die weltweit ersten Techno-Alben für Mega Drive, SNES, Gameboy, N64 und Co.
Nun also der Commodore Amiga. Die wichtigsten Facts zu der Umsetzung des Albums auf dem Amiga – und natürlich zum Sound?
Mein neues Album „Remute²“ enthält 15 Songs zwischen düsterem Electro-Pop, knalligem French-House und industriellen Techno-Bangern – was man nicht so alles in 2 MB Arbeitsspeicher kriegt?! Der Amiga-Soundchip lässt sich mit frühen Samplern wie dem Akai S900 vergleichen: Aus kurzen Samples werden große Klanggebilde und die 8-Bit-Samplerate tut ihr Übriges zur Klangfärbung. Jeder Song wird zudem mit Visuals angereichert, die der Amiga beim Abspielen dann auch in Echtzeit erzeugt. Ich freue mich besonders, das demnächst audiovisuell live umzusetzen auf der Bühne.
Welche Konsolen stehen noch auf deiner Liste? Ist das überhaupt mit allen technisch umsetzbar?
„Nein, das geht nicht“ – das habe ich aus meinem Sprachgebrauch getilgt. Und so bin ich immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Momentan habe ich großes Interesse an Homecomputern der 80er.
Du bist – wer hätte es gedacht – ein großer Retro-Gaming-Fan. Dein absoluter Lieblingsklassiker?
„Doom“ ist meine Religion!
Zockst du auch aktuelle Titel? Falls ja, was läuft bei dir derzeit rauf und runter?
Mich begeistert das neue „Doom: The Dark Ages“. Aber sonst stehe ich eher auf Titel im modernen Pixel-Art-Look wie z.B. „Turtles: Shredder’s Revenge“ oder das kommende „Terminator 2D: No Fate“.
Tracklist „Remute²“:
1. Disclaimer 00:43
2. Doppelganger 02:00
3. Gatekeeper 01:26
4. Zone 03:27
5. The Ripper 02:56
6. Simulator 02:42
7. Yes 02:56
8. Sky High 03:19
9. Realm Of Desperation 02:03
10. Time To Regenerate 01:55
11. Aguirre 03:04
12. All In 03:01
13. Fuck You Up 03:09
14. Syncing Out Of Existence 01:27
15. Revert 01:25

Techno-Tüftler, Cartridge-König und 16-Bit-Soundvisionär: Das Album „Remute²“ von Remute ist am 4. Juli 2025 erschienen.