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Sowohl Rennie Foster als auch John Norman zählen zu den Aushängeschildern der kanadischen Technobewegung. Während Rennie Foster oftmals die verspielte Art von Techno bevorzugt, widmet sich John Norman eher den straighten Clubtracks. Beide sind nun auf der aktuellen Single von Rennie Foster vereint. Das in Berlin beheimatete Label thoughtless bringt die „Perimeter Abstract“-EP heraus. Rennie Foster legt dabei eine spannende Nummer vor, die von John Norman zweimal geremixt wurde. Wir sprachen mit beiden über das Nachtleben, Techno und ihre erstmalige Zusammenarbeit.

Wenn du in deinem Studio in Kanada Remixe produzierst, wie bei der Version von „Perimeter Abstract“, welches ist dein Lieblings-Part bei dem Ganzen?

JN: Für mich gibt es mehrere Arten, um einen Track zu remixen. Zum einen ist da der übliche Ansatz, bei dem man einige Aspekte des Originals ändert und seinen Stempel draufdrückt und dann ist da der „nimm alle Teile, wirf sie in einen Hut, schüttle alles durch und nimm das Ergebnis, was dir am besten gefällt“-Ansatz. Ich bevorzuge Letzteres, weil es mir erlaubt, genau die Sounds aus dem Original zu nehmen, welche mich am meisten inspirieren, sie neu zusammen zu setzen und so eine andere Version der Originalstory zu erzählen. Manchmal ist es nicht so einfach, weil das Original schon so gut ist, aber genau das mag ich: herausgefordert werden um dann zu sehen, dass ich Erfolg habe.

Welcher Teil des Originals von „Perimeter Abstract“ hat dich beim Remix am meisten inspiriert?

JN: Das Original ist unterlegt mit Fragmenten von CB-Funk-Unterhaltungen. Das, zusammen mit den Sirenen und der gesamten Atmosphäre des Tracks, hat mich dazu inspiriert, zwei Versionen zu produzieren: eine mit Fokus auf die Sirenen und eine ohne Sirenen! Meine Idee war, diese Dinge in meinen Remixen prominenter in den Vordergrund zu rücken.

Du warst vor einigen Wochen auf Ibiza. Was denkst du über das Nachtleben dort?

JN: Es gibt immer was zu tun, ob nun in San Antonio oder an Orten wie das Café Mambo, und das bis spät in die Nacht. Dadurch, dass Künstler mehrere Nächte in unterschiedlichen Locations spielen, kriegt man einiges geboten. Man kann jede Nacht ausgehen und hat die Wahl: da ist das Pacha, immer etwas drüber mit all den Kostümen und den Performern; das riesige Space, wo der DJ auf der Terrasse auflegt und Flugzeuge drüber fliegen bis hin zum Sankeys, das an einen Manchester Warehouse-Club erinnert. Die Menge an Talenten, die sich hier in nur 6 Monaten die Ehre geben, ist unvergleichlich!

Was sind deine Pläne für 2015?

JN: Dies ist dann wohl der Moment um zu verkünden, dass ich mich um mein eigenes Label UNT Records kümmern werde, inklusive einiger Events und einem verbesserten Release Schedule. Ausserdem stehen ein paar eigene Veröffentlichungen an, ebenso wie ein paar 2014-Nachfolger zusammen mit Dantiez Saunderson. Und dann arbeite ich noch mit einem Künstler an visuellen Projekten für meine Live-Shows. Alles in allem freue ich mich schon sehr darauf.

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Vielleicht magst du uns ein bisschen zum Verhältnis zu eurem deutschen Label, Thoughtless Music, erzählen, Rennie?

RF: Klar! Noah Pred, Chef von Thoughtless Music, wohnt in Berlin, ist aber aus der Gegend in Kanada, aus der ich stamme. 1997, als er noch ein Teenager war, hat er meine erste Vinyl ‘House, Work’ herausgebracht, was Noah zu einer wichtigen Person in meinem musikalischen und privaten Leben macht. Nach all den Jahren arbeiten wir immer noch zusammen, wofür ich sehr dankbar bin. Thoughtless Music ist ein großartiges Label, das gerade seine 100. Veröffentlichung gefeiert hat. Wer es noch nicht kennt, checkt es aus!

Du warst lange Zeit auf Japan-Tour? Welche Eindrücke blieben am stärksten?

RF: Japan hat ein unglaubliches Gleichgewicht zwischen Tradition und Moderne in allen Bereichen, angefangen von Kunst, Kultur und Architektur bis hin zu persönlichen Einstellungen, was durch einen kurzen Besuch oder Tourismus nicht entdeckt werden kann. Ich habe mehrere Jahre dort gelebt und trotzdem ist die japanische Kultur mit ihren verschiedenen kulturellen und sozialen Schichten immer noch ein Mysterium für mich.

Gibt es Pläne, einmal nach Deutschland zu kommen?

RF: Ich war schon mal in Deutschland. Vor einigen Jahren hab ich in Frankfurt gespielt. Es war ein Zusatz-Gig zu einer Show in Paris als ich noch bei F-Communications und Subject Detroit unter Vertrag war. Früher war ich öfter in Europa unterwegs, aber heutzutage ist es schwieriger, mit den ganzen anderen DJs zu konkurrieren, die auf meinem Bekanntheits-Level sind und dazu noch um und bei Berlin wohnen. Zu meiner Tokio-Zeit war ich zu weit von Europa entfernt und nun, da ich in Vancouver lebe, ist die Entfernung nicht gerade weniger. Ich werde oft für Shows angefragt, aber das Organisieren von Flügen, Hotels, etc liegt außerhalb meiner Fähigkeiten. Ich habe dieses Jahr viel Studioarbeit vor mir, da muss ich schauen, wie sich das Gig-technisch entwickelt. Ich vermisse Europa sehr, aber das Spiel heisst nun mal Angebot und Nachfrage und zur Zeit liefere ich das Angebot.

Was war das erste Gefühl als du den Remix zu „Perimeter Abstract“ gehört hast?

RF: Ich liebe sowohl den John Norman als auch den Arthur Oskan Remix, weil sie beide deren Handschrift tragen. Arthur’s Mix baut auf meinen Elementen auf und entwickelt sich dann mehr in die melodische, song-ähnliche Richtung. Im Gegensatz dazu hat John den Track soweit auseinander genommen und daraus einen starken,  treibenden DJ Track gemacht. Ich wusste dass beide einen guten Job machen werden, weil ich ihre Vorgehensweise kenne. Trotzdem war ich angenehm überrascht, dass die EP stilistisch so gut zusammen geht, sie hat für jede Art von DJ oder Hörer etwas Starkes dabei und ist trotzdem in sich geschlossen.

Was macht ihr nach diesem Release? Gibt es Pläne für eine weitere Remix-Kooperation?

RF: Ich werde John’s Remix definitiv für mein Label in 2015 anfragen. Wir haben auch schon über zukünftige gemeinsame Remixe für andere Tracks gesprochen. Ich selbst werde im Januar eine 12’ mit Ornaments, einen Remix für Myles Serge und einen Track auf der nächsten Soiree 4 Tracker rausbringen. Außerdem eine Kollaboration auf einer Dan Shake-Platte, die auf Black Acre rauskommen wird. Digital kommt eine vintage-space-techno-Kollaboration auf SubSpec, eine EP auf Deepen und regelmäßige Veröffentlichungen auf RF, mit Remixen von NubianMindz, Amir Alexander, Mark Archer, Samuel L. Session, Antwon Faulkner, Sean Deason, Jamie Anderson, D.J. Fulltono und anderen Underground Genies.

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Fotocredit: Cory Aronec und Mark Oxley