Richard Barbieri – Sound schlägt Song

Der ehemalige Japan-Keyboarder und langjährige Porcupine-Tree-Musiker gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Figuren elektronischer Klangarchitektur. Mit “Hauntings” veröffentlicht Richard Barbieri sein erstes neues Soloalbum seit “Under A Spell”.  Auch auf dem neuen Werk bewegt er sich wieder zwischen atmosphärischen Soundlandschaften, nostalgischen Bildern und futuristischen Visionen. Veröffentlicht wird der Langspieler am 10. April auf Kscope.

Der Ausgangspunkt für das Album war zunächst eine Sammlung innerer Bilder und Erinnerungen. „Ich hatte in meinem Kopf schon eine ganze Zeit lang diese nostalgischen Erinnerungen, imaginären Welten und Kindheitsvisionen gesammelt“, erzählt Barbieri. „Als ich schließlich die richtige Kombination aus Klängen und Effekten fand, wurde es möglich, diese Soundwelten zu erschaffen, die meine Gedanken und Visionen widerspiegeln.“

Der Titel Hauntings verweist dabei auf Erinnerungen, Möglichkeiten und Gedanken, die im Kopf nachhallen. Genau daraus entwickelte sich die musikalische Richtung. „Diese Ideen gaben mir eine sehr klare Inspiration für die Musik“, sagt er. „Das Album enthält mehr Sounddesign als meine vorherigen Arbeiten, und auch mit neuen Synthesizern zu arbeiten war eine Herausforderung, die ich sehr genossen habe. In gewisser Weise sind die Tracks auf dem Album wie kleine Filmscores.“ Dass viele Stücke konkrete Orte oder historische Stimmungen aufrufen – etwa „Victorian Wraith“ oder „Paris Sketch“ – ist kein Zufall. „Das war sehr wichtig“, sagt Barbieri über die Rolle von Bildern und Atmosphäre. „Als ich ein kleines Kind war, habe ich oft Erscheinungen in meinem Zimmer gesehen. Figuren bewegten sich im Raum, gekleidet im viktorianischen Stil. Ich hatte keine Angst – ich habe einfach diese schwebenden Frauen beobachtet.“ Auch „Paris Sketch“ funktioniert wie eine klangliche Zeitreise. „Das Stück ist wie ein Filmscore für eine Zeitreise“, erklärt Barbieri. „Die Musik führt den Hörer durch die Straßen von Paris – von dunklen, körnigen Bildern aus der Jahrhundertwende bis hin zu gesättigten Super-8-Farben der 60er- und 70er-Jahre.“

Überhaupt denkt der Musiker stark visuell, wenn er komponiert. „Absolut“, sagt er. „Dieses Album wird mein erstes in Dolby Atmos Surround sein, und ich denke, das wird großartig für das immersive Erlebnis.“ Trotz seiner langen Karriere ist Barbieris Ansatz im Kern gleich geblieben. „Ich wollte abstrakte Klänge und seltsame Texturen in den Kontext von Pop- und Rockmusik einbringen. Das versuche ich immer noch“, sagt er. „Manchmal muss man natürlich konventionellere Parts spielen, aber ich versuche trotzdem, die Sounds ein wenig anders oder sogar einzigartig zu gestalten.“ Wichtige Impulse kamen auch von den beteiligten Musikern, darunter Percy Jones, Luca Calabrese und Morgan Ågren. „Percy und Luca bringen immer eine neue Dimension in die Musik“, erklärt Barbieri. „Oft lösche ich sogar viele meiner eigenen Parts, nachdem sie ihre Aufnahmen gemacht haben, weil ich mehr Raum für ihre Arrangements und Melodien lassen möchte.“

Die Zusammenarbeit bleibt für ihn auch nach Jahrzehnten eine der größten Inspirationsquellen. „Die Interaktion mit anderen Musikern ist für mich immer inspirierend und oft auch angenehmer, als allein zu arbeiten“, sagt er – und blickt bereits nach vorn: „Ich hoffe, in den kommenden Jahren ein weiteres Set von Variants-EPs zu realisieren, bei dem jeder Track mit einem anderen musikalischen Kollaborateur entsteht.“

Aus dem FAZEmag 170/04.2026
Text: Triple P
www.instagram.com/richardbarbieri_music