sebastian groth


Kunst lebt von Aufmerksamkeit. Die tatsächlichen Auslöser für dieses notwendige Mittel können allerdings ganz unterschiedlicher natur sein. Ausstrahlung und Charisma kommen dem Künstler zu gute, aber auch Skandale können ihm einen Platz auf der Bühne sichern – mal abgesehen von der Ten-Walls-Story. Beides funktioniert, denn Schlagzeile bleibt nun mal Schlagzeile. Allerdings haben diese Protagonisten oft mit einem ruf zu kämpfen, den sie so eigentlich nicht haben wollten. Paradebeispiel dafür ist Sebastian Groth. Zwar kann man nicht wirklich von einem Skandal sprechen, wenn es um seinen Track „Pepps“ geht, polarisiert hat er jedoch allemal. Diesen Monat erscheint mit „Awake“ das neue und dritte Album des Künstlers.

Groths Begeisterung für Techno begann, wie bei vielen seiner Kollegen, schon recht früh. „Schon zur Grundschulzeit war ich fasziniert von dieser Musik. Wenn am Wochenende meine Kumpels bei mir übernachteten, dann hörten wir vor dem Schlafengehen die ‚HR3 Clubnight’ und spielten Disco mit der Lichtorgel aus der Kellerbar meiner Eltern.“ Das Schlüsselereignis, weshalb Sebastian Groth selbst Musik machen wollte, folgte nur wenig später. „Als ich die ersten Loveparades und MAYDAYs im Fernsehen sah, war es um mich geschehen – das wollte ich auch machen!“ Mit 14 Jahren, der Konfirmation sei Dank, kaufte er sich sein erstes DJ-Setup, zwei Jahre später folgte der erste Gig. „Mit 16 organisierten meine Freunde und ich einen illegalen Rave, der mit 500 Gästen auch richtig gut besucht war. Ich habe mich dabei selbst auf die Primetime gesetzt und durch die ungewohnten Umstände jeden Übergang verkackt.“ Im selben Jahr begann Sebastian mit dem Produzieren eigener Tracks. „Die CD meiner er- sten FruityLoops-Version hängt noch in meinem Studio. Ein richtiger Meilenstein für mich.“ Rund 15 Jahre später ist Sebastian Groth ein gefragter DJ, Produzent und Remixer. Gefühlt läuft bei ihm kein Track unter 130 bpm. „Tatsächlich sind die meisten meiner eigenen Stücke um die 125 bpm produziert. Allerdings kennen viele Leute oft nur meine wirklich harten oder eben die nicht ganz ernst gemeinten Nummern. Nach meinem letzten Album und besonders nach ‚Pepps’ kamen zwar jede Menge Remixanfragen, doch alle wollten nur diesen harten ‚Grothsound’. Mit der Entwicklung war ich selbst nicht zufrieden.“ Anfang des Jahres sagte Sebastian Groth alle offenen Remixe ab: „Ich hatte keine Lust mehr, lediglich die Erwartungen anderer zu erfüllen. Vielmehr wollte ich wieder das machen, worauf ich tatsächlich Lust habe.“ Mit dem neuen Album „Awake“ nutzt der Produzent aus dem Westerwald die Möglichkeit, sich neu auszurichten und als Künstler zu präsentieren. Der Name des Albums ist hier natürlich nicht zufällig gewählt: „Er steht für mein persönliches Erwachen und das Ausbrechen aus dem Tunnel, in dem ich mich festgefahren hatte. Während dieser Zeit sind insgesamt zwölf unterschiedliche Tracks entstanden, von groovigen bis zu härteren Nummern. Clubtauglich sind sie jedoch alle.“ Passend zum symbolischen Neuanfang veröffentlicht Groth sein drittes Album auf dem neuen eigenen Label Audition. „Ich betreibe mittlerweile schon sechs Jahre recht erfolgreich das Imprint ReWashed, auf dem allerdings nur harter, düsterer Techno veröffentlicht wird. Da der Sound von ‚Awake‘ breiter gefächert ist und der Zeitpunkt passt, wollte ich ein neues Label starten.“ Neben dem eigenen Album wird Sebastian auch anderen bekannten Artist eine Plattform bieten, genauere Informationen gibt es dazu allerdings noch nicht. Was hingegen schon feststeht ist eine Albumtour. Der Startschuss dazu fällt im Januar 2016. / Gutkind

Aus dem FAZEmag 046/12.2015