SEVEN Record Store – „Wir haben großes Glück, dass es in Berlin so viele tolle und unterschiedliche Plattenläden gibt.“

Foto: Mara Menzel

Mit dem SEVEN Community Record Store hat im Mai ein neuer Plattenladen in Berlin-Mitte eröffnet – der einzige mit House- und Techno-Fokus im Bezirk. Was 2024 als Label startete, ist inzwischen zu einem eigenen Store gewachsen, der Labelarbeit, Merch, kuratierte Vinyl-Selections und Community-Gedanken miteinander verbindet. Im Interview erzählt uns Inhaber Glenn Elliott, der SEVEN gemeinsam mit dem Berliner Producer und DJ Lucas Kreimeier alias CRYME ins Leben gerufen hat, mehr zu ihrer gemeinsamen Vision, zum Plattenkatalog, zur Standortwahl und zum Interieur des Stores, der mit einer einladenden Atmosphäre und vielen liebevollen Details zu überzeugen weiß.

SEVEN war ursprünglich 2024 als Label gestartet. War ein eigener Plattenladen von Anfang an Teil eurer Vision?
Das kam erst später. Unser erstes Release hat etwas länger gedauert als gedacht, also haben wir die Zeit überbrückt, indem wir T-Shirts und Merch gemacht haben. Nach einem Jahr haben wir gemerkt, dass wir aus dem ursprünglichen Wohnzimmer, in dem alles angefangen hat, in ein richtiges Büro ziehen müssen. Wir fanden die Idee cool, im neuen Büro ein bisschen Verkaufsfläche zu haben, um Merch und unsere Platten zu verkaufen. Und dann wurde irgendwie ein kompletter Plattenladen daraus – ich frage mich oft, wie das eigentlich passiert ist, lol. Das Ganze wurde zu einer viel größeren Nummer, als wir anfangs dachten. Hätten wir gewusst, wie viel Arbeit das ist, hätte es uns vielleicht abgeschreckt. Aber jetzt bin ich froh, dass wir es gemacht haben. Es gibt nichts Schöneres, als jemanden im echten Leben zu treffen, der etwas liebt und kaufen will, das du selbst gemacht hast.

Foto: Mara Menzel

Die Konkurrenz in Berlin ist groß. Was macht euren Laden besonders?
Wir haben großes Glück, dass es in Berlin so viele tolle und unterschiedliche Plattenläden gibt. Wir kennen und respektieren uns alle gegenseitig und jeder Laden hat seine eigene Besonderheit. Wir sind einer der kleineren Läden, deshalb ist es für uns wichtig, eine Auswahl zusammenzustellen, die man woanders nicht so leicht findet. Wir fokussieren uns auf die ganzen Subgenres von House und Techno und verbringen viel Zeit damit, Musik von winzigen Labels, unbekannten Artists und der echten Underground-Szene in Berlin aufzuspüren, die andere Läden vielleicht nicht haben.

Foto: Mara Menzel

Wie sieht es an der Technik-Front aus? Was ist bei euch verbaut?
Verbaut haben wir eine wunderschöne, maßgefertigte pinke DJ-Booth, die schon im Wallpaper Magazine, in Architectural Digest und auf der Milan Design Week zu sehen war. Wir haben vier Vinyl-Listening-Stations mit SL-1200ern, Graham-Slee-Vorverstärkern, Kopfhörerverstärkern und Sennheiser HD25. Dazu gibt es eine Kassetten-Listening-Station und eine für CDs. Optisch ist es eine besondere Mischung aus Alt und Neu. Wir sind alle Technik-Nerds und haben neun alte CRT-Fernseher bei uns stehen, darunter die vier ikonischsten italienischen Design-Fernseher von Brionvega. Zwei davon stehen im MoMA in New York.

Neben den klassischen Features eines Plattenladens soll der SEVEN Store auch ein Safe Space sein. Wie setzt ihr das um?
Das fängt beim Team an. Wir sind eine sehr freundliche Truppe – das ist kein Laden, in dem man sich nervös oder eingeschüchtert fühlt. Wir wollen, dass sich der Laden schön gemütlich, freundlich und einladend anfühlt und wir lieben es, wenn Leute stundenlang bei uns stöbern und Musik hören. Die Listening-Stations sind zum Sitzen, es gibt kostenlose Softdrinks und Kaffee, eine Unisex-Toilette und ein paar Sitzplätze draußen für die sonnigen Tage.

Foto: Mara Menzel

Der Laden liegt in Berlin-Mitte. Ein paar Worte dazu, warum ihr diesen Standort gewählt habt?
Immer mehr unserer Freunde wohnen in Berlin Mitte und die Gegend wird kulturell echt spannend. Es gab keinen Plattenladen mit House- und Electronic-Fokus in Mitte, also hat es Sinn gemacht, diese Lücke zu füllen. Viele unserer Kunden sind aus der Nachbarschaft und haben gesagt, wie schön es ist, einen neuen Laden in der Nähe zu haben.

Zu eurem Sortiment gehört – natürlich – eine große Auswahl an eigenen Label-Releases. Welche Artists sind bei euch unter Vertrag, und für welchen Sound steht SEVEN?
Musikalisch sind wir an der Schnittstelle von House & Techno. Unser Sublabel A.2AUM (ausgesprochen A-RAUM) steht für einen recht minimalistisch und reduzierten Sound – dubby, breaky und atmosphärisch. Auf A.2AUM haben Ground16 aus der Schweiz und Andu Simion aus Rumänien veröffentlicht und auf SEVEN haben wir schon Artists wie Cinthie oder Ackermann gehostet. Es wird bald nochmal in eine neue Orientierung geben, die im Dezember mit einem großartigen Release von Nesa Azadikhah startet.

Foto: Mara Menzel

Ist auch der Rest des Katalogs vom SEVEN-Sound inspiriert? Welche Labels findet man bei euch?
Das ist eigentlich symbiotisch – ich glaube, der Katalog ist schon ein wenig von uns inspiriert, aber andersherum sind wir auch von den Platten inspiriert, die wir im Laden haben. Einen Store zu führen heißt, dass man richtig viel Musik hört, und das ist eine der großen Freuden an der Arbeit. Wir führen Labels wie Big Trouble, Berg Audio, Kompakt, Cabaret und Kalahari Oyster Cult.

Zum Abschluss: eine Platten-Empfehlung des Hauses?
Das muss natürlich eine von unseren eigenen sein – das Debüt von Moody Mehran aus Amsterdam, „Cruise Terminal“, erscheint als SEVEN7012. Der offizielle Release-Termin ist im September, aber alle unsere hauseigenen Releases gibt es bei uns im Laden schon früher – die Platte wird es dann ab Mitte Juli geben.

Der SEVEN Community Record Store befindet sich an der Torstrasse 220 in 10115 Berlin. Die Öffnungszeiten, den Katalog und weitere Informationen findet ihr unter seven.berlin.

Aus dem FAZEmag 173/07.2026
Text: M.T.
www.instagram.com/seven.berlin/