
Die Debatte um Vorwürfe von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in der Hard-Techno-Szene beschäftigt inzwischen auch Festivalveranstalter.
Nature-One-Chef Oliver Vordemvenne hat sich nun ausführlich zu den Diskussionen um Fantasm, die Initiative METOODJS und die Frage geäußert, ob die elektronische Musikszene ein grundsätzliches Sexismusproblem hat.
Ausgangspunkt sind die seit Monaten geführten Diskussionen rund um Vorwürfe gegen verschiedene Artists der Hard-Techno-Szene. Die Debatte gewann insbesondere durch Veröffentlichungen in sozialen Medien an Reichweite und führte dazu, dass mehrere Veranstalter beschuldigte Künstler aus ihren Programmen nahmen.
Gleichzeitig wird über den Umgang mit Anschuldigungen, Verantwortung und die Grenzen öffentlicher Vorverurteilung diskutiert. Vordemvenne mahnt dabei zu einer differenzierten Betrachtung.
„Es ist eine sehr komplexe Sache. Es ist ja auch nicht ein Fall, sondern verschiedene Fälle. Man muss aufpassen, dass man nicht alles über einen Kamm schert und pauschalisiert.“ Sexueller Missbrauch sei schlimm und müsse ernst genommen werden. Wenn es „wirklich valide Anhaltspunkte gibt“, müssten entsprechende Konsequenzen folgen.
Gleichzeitig betont der Veranstalter der Nature One die Bedeutung rechtsstaatlicher Grundsätze. „Aber man muss immer auch das hohe Gut der Unschuldsvermutung abwägen. Man muss immer beide Seiten hören und nach sorgfältiger Analyse dann zu einer klugen, verantwortungsvollen Entscheidung kommen – verantwortungsvoll gegenüber allen Beteiligten.“
Besonders kritisch sieht Vordemvenne die Dynamik sozialer Netzwerke. „Ich bin manchmal erschrocken, wie pauschal und wie oberflächlich da im Internet gehandelt und kommentiert wird.“
Gerade bei solch sensiblen Themen sei es notwendig, sich Zeit für eine intensive Auseinandersetzung zu nehmen. Das schnelle Ausladen von Künstlern nach Vorwürfen bewertet er kritisch: „24 Stunden nach einem Post Acts zu canceln, das ist für mich ein Vorgaukeln von Verantwortung, kein Wahrnehmen echter Verantwortung.“
Im Zusammenhang mit dem diesjährigen Line-up bestätigt Vordemvenne zudem, dass es einen Künstler gebe, bei dem Nature One die Entwicklung genau beobachte.
„Es gibt noch einen Künstler, bei dem wir im Austausch mit dem Management sind, der alle Anschuldigungen klar abgestritten hat und bei dem es ein laufendes Gerichtsverfahren gibt. Das beobachten wir sehr genau und werden uns rechtzeitig entscheiden, wie wir handeln.“
Auch zur Frage, ob die Technoszene ein generelles Sexismusproblem habe, bezieht der Veranstalter klar Stellung. „Ich würde sagen: Nein. Die Gesellschaft im Allgemeinen hat ein Sexismusproblem. Und da die elektronische Musikszene ein Teil der Gesellschaft ist, gibt es das da in Abstufungen ähnlich, wie es das in der Gesamtgesellschaft gibt.“
Zwar habe ihn die Schilderung einzelner Vorfälle aus dem Umfeld von Veranstaltungen überrascht, dennoch sieht er darin kein flächendeckendes Problem der elektronischen Musikkultur.
„Dass es in Einzelfällen Fehltritte und Sexismus gibt – ganz bestimmt. Aber so wie es das überall in der Gesellschaft auch gibt.“ Für die Nature One selbst könne er sagen: „Bei uns gibt es das nicht. Das werde ich auch immer offensiv vertreten.“
Abschließend warnt Vordemvenne vor einer verzerrten Wahrnehmung der Szene. Die elektronische Musik sei weder eine perfekte Gegenwelt noch ein Ort, an dem problematisches Verhalten alltäglich sei.
„Es wäre falsch zu sagen, die elektronische Musik oder Entertainment allgemein wäre die heile Welt – das ist ja auch Quatsch. Aber so, wie das teilweise dargestellt wird, als wäre es gang und gäbe und überall – das ist sicher übertrieben.“
Quelle: Volksfreund
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