EQD, Head High, The Traveller, Wax, WK7 – alles Projekte von René Pawlowitz. Weltweite Bekanntheit erlangte er jedoch besonders durch sein Shed-Alias. Darunter ist nun ein neues Album mit dem brachialen Namen „The Killer“ erschienen. Doch im Gegensatz zu den Vorgängern „Shedding The Past“ (2008) und „The Traveller“ (2010) ist es nicht bei Ostgut Ton, sondern auf 50 Weapons beheimatet. FAZE traf den umtriebigen Künstler eines Montagsmittags zum Gespräch im Berliner Club Weekend, wo er zusammen mit Marcel Dettmann und Modeselektor die Performance des gemeinsamen A.T.O.L. Live-Projekts probte. 


Dein Album ist innerhalb eines Monats entstanden. Warum ist ein derart kurzer Zeitrahmen so effektiv für dich?

Wenn ich ein Stück produziere, dann mache ich es von vorne bis hinten fertig. Ich kann mich nicht hinsetzen, etwas beginnen und es dann erst zwei Monate später fertigstellen. In diesem Zusammenhang ist es für mich beim Produzieren eines Albums auch der beste Weg, vorne anzufangen und hinten aufzuhören. Ohne, dass ich mir dafür jetzt extra Zeit nehme. Es geht mir auch darum, eine bestimmte Stimmung aufzufangen.

Du hast schon in anderen Interviews erwähnt, dass du mit dem Vorgänger „The Traveller“ im Nachhinein nicht ganz zufrieden warst …

Es ist eher sehr unterschiedlich. Das Album spiegelte genau meine Vorlieben zu der Musik wieder, die ich vor zwei Jahren gut fand. Im Großen und Ganzen ist es vielleicht etwas zu breit angelegt gewesen. Was mich ein wenig geärgert hat, ist, dass man vielleicht jedem Stil, der auf „The Traveller“ vertreten war, etwas mehr Aufmerksamkeit hätte schenken sollen. Man hätte noch mehr aus jedem Stück machen und die Tracks auf mehrere Projekte verteilen können.

Hast du für „The Killer“ denn bewusst mehr Stücke produziert, die zueinander passen?

Das Gefühl, das ich mit dem Album erzeugen wollte, stand für mich vorher fest. Auch beim Sound hatte ich schon meine Ideen. Alles andere ergab sich dann.

Warum ist denn überhaupt das Albumformat noch spannend für dich?

Es ist schwierig. Wahrscheinlich interessiert das Format auch niemanden mehr so wirklich, seitdem man in iTunes jeden Track einzeln laden kann. Für mich selbst macht ein Album aber durchaus Sinn. Schon alleine deswegen, weil ich mich in einer bestimmten Zeit mit der Produktion auseinandersetze. Für mich ist ein Album nicht das Produkt, das am Ende entstanden ist, sondern der Entstehungsprozess. Daher gehören die Tracks für mich auch einfach zusammen.

Wie entscheidest du denn beim Produzieren darüber, ob das jetzt Shed-Track wird oder etwas für Power House oder Wax?

Das ist eigentlich meist schon im Vorfeld klar. Manchmal gibt es so Zwischendinger, für die man sich irgendwann ein neues Alias ausdenkt, aber grundsätzlich steht es vorher fest.

Was gefällt die denn allgemein an der Idee, Musik unter verschiedenen Projektnamen zu betreiben? Bei manchen deiner Alter Egos oder Labels war es ja anfangs nicht direkt klar, dass du dahinter steckst.

Da steckt jetzt kein Plan oder Gedanke dahinter. Es geht einfach darum, Platten herauszubringen. Letztendlich ist es egal, ob jemand weiß, wer dahinter steckt.

Du bist gerade bei deinem Powerhouse Label und deinen Produktionen dafür, wie auch auf dem neuen Album „The Killer“ von britischem Sound à la UK Hardcore beeinflusst. Was macht es für dich so reizvoll, diese Musik in die Gegenwart und in deine eigenen Produktionen zu transportieren?

Ich denke, es ist ganz einfach diese positive Stimmung, die etwa in den Pianos, Orgeln oder anderen Sounds steckt, die mich daran so fasziniert.

Wie wichtig sind für dich als Shed speziell jene euphorischen, glückseligen Gefühle, die die alten UK-Hardcore-Scheiben ausstrahlen?

So etwas hat mich einfach, als ich jung war, ergriffen, und das ist wohl auch der Grund, warum ich es wieder verwende. Es erinnert mich vermutlich an die Zeit damals. Ich versuche aber, es damit nicht so zu übertreiben. Und nicht unbedingt so zu klingen, wie damals, sondern es ein wenig mit dem Heute zu verbinden.

Es ist bemerkenswert, dass du zwischen 1998 und 2002 überhaupt keine Platten mehr gekauft hast. Fandest du damals – nach den für dich sehr wichtigen Technojahren ’96 und ’97 – denn alles schlecht oder kommerziell, was auf dem Markt kam?

Nein, ich wollte einfach nur eine Pause machen. Es gab auch nichts Neues mehr. Das Technoding ist ja seit 1995 eigentlich durch. Das, was jetzt stattfindet, sind ja eigentlich auch nur Wiederholungen.

Gerade in den letzten Jahren und auch unter Einfluss verschiedener Berliner Labels und Clubs, ist der rohe, dreckige Techno wieder populär geworden. Gefällt dir das überhaupt oder empfindest du es ebenfalls nur als Wiederholung?

Letzteres, denn neu ist das wirklich nicht. Im Grunde ist es funktionell, aber es haut mich nicht um.

War das auch ein Grund dafür, dass du dich mehr auf andere Einflüsse konzentrierst?

Ja, vor allem gebrochene Sachen bieten meiner Meinung nach viel mehr Möglichkeiten. Wenn man mit der geraden Bassdrum anfängt, ist man eigentlich schon darin gefangen. Da kann man nicht mehr viel variieren. Das ist vielleicht der einzige Grund, warum eine gerade Bassdrum immer noch so cool ist. Es geht mir aber auch um die Möglichkeiten beim Arrangieren. Mit der geraden Drum ist man schon beim Dancefloor, und es gibt nicht mehr so viel, was man machen kann, ohne dass der Track an Funktionalität verliert.

Wie wichtig ist denn für dich die Bassarbeit in deinen Tracks?

Also für mich spielt der Bass immer die entscheidende Rolle. Nicht die Basdrum an sich, die darf eigentlich nicht so viel Bass haben, aber die Line, die darunter ist. Cool ist es, wenn man sie nicht richtig hören kann, sie aber, wenn man den Track lautdreht, fühlt. Ich stecke da schon viel Arbeit rein. Ich verliere mich nicht darin, aber mir geht es darum, dass das ganze auch laut noch funktioniert.

Du pflegst in einigen deiner Stücke auch einen guten Umgang mit prägnanten Melodien. Wie gestaltet sich die Suche danach?

Es muss auf jeden Fall eine Melodie sein, die man sich öfter anhören kann. Und keine, die nach dem dritten Mal Hören schon zu kitschig oder zu einfach klingt. Ich nutze Melodien nicht als Effekt, sie müssen greifen. Der Wiedererkennungswert eines Stücks mit Melodie ist natürlich wesentlich höher, als der eines Technotracks. Ich glaube auch, dass es länger im Bewusstsein bleibt. Es wäre gut, wenn man meine Musik auch noch in zehn Jahren hören könnte.

Wenn man von deiner Musik spricht, muss man auch über den Schmutzfaktor deiner Tracks reden.

Der ist sehr wichtig. Vor vier Jahren habe ich mein Studiosetup umgestellt. Ich arbeite generell mit Cubase. Damals wechselte ich den Rechner, aber der hatte eine neue Soundkarte, und ich musste wieder von vorne anfangen. Ich habe es erst überhaupt nicht hinbekommen, dass ich dieses Brummschleifenrauschen wieder mit drin hatte. Mittlerweile geht es aber, und die Tracks hören sich so an, wie sie sich in meinen Ohren anhören sollen. Cleane Produktionen finde ich extrem uninteressant. Es muss schon ein bißchen kratzen.

Wer hat dich bei dieser Klangästhetik maßgeblich beeinflusst?

Ganz klar: Basic Channel. Und da gerade auch dieses Brummen und dieser Dreck, der einfach dazu gehört. Als ich im Hard Wax arbeitete, hatte ich Zeit, alte Jamaica Roots Scheiben anzuhören. Und die haben auch diesen Sound, der viel Bass hat, viel Höhen, aber in der Mitte relativ wenig. Das hat mich fasziniert. Die Maurizios sind genau meine Referenz. Und das ist auch der Unterschied zu den Technoplatten heute, die in der Mitte alles und nichts oben und nichts darunter haben. 

Wie erwähnt machst du mit Marcel Dettmann und Modeselektor das A.T.O.L. Projekt. Die musikalische Zusammenarbeit mit anderen ist vermutlich eher ungewohnt für dich, oder?

Wenn man immer alleine arbeitet, ist es auf jeden Fall nicht einfach, sich auf so ein Projekt einzulassen. Aber wir proben nun schon einen Monat und haben uns langsam gefunden und entwickeln ein Bandgefühl. Das ist es, was Spaß macht. Wir sind natürlich vier Leute, die alle ihren eigenen Musikgeschmack haben und ihre eigene Herangehensweisen. Das ist dann nicht so einfach. Aber wir haben ja schon letztes Jahr zusammengearbeitet, und es läuft daher gar nicht so schlecht.

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