
Es gibt bestimmte innovative Klassiker der elektronischen Musik, bei denen man sich fragt, wie diese klingen würden, wenn man die Idee heute umsetzen würde – aber nicht als billiges Remake, sondern mit derselben Grundidee in komplett anderer Umsetzung. Eine Antwort darauf liefert uns jetzt der Hardtechno-Geisterzug.
„The Nighttrain“ ist einer der größten Rave-Klassiker der 90er-Jahre. Der Track stammt vom spanischen Projekt Kadoc aus dem Jahr 1995. Schon zur Zeit des großen kommerziellen Booms der elektronischen Musik in den Massenmedien, stellte das Stück eines der innovativsten Releases dar. Man nehme: ein Vocal-Sample eines alten R&B-Songs von James Brown aus den 60er-Jahren. Dazu: den aufkeimenden Techno-Hype und eine einfache Idee – immerhin liefert der Originaltitel von James Brown bereits die Steilvorlage. Also: Bahn-Hupgeräusche miteinbauen, den Klang sich schließender Bahnschranken und – elektronische Musik, die das Fahren eines Nachtzugs imitiert – was letztendlich das wirklich Innovative am Track ist. Denn die elektronische Musik simuliert einen eilenden, nächtlichen Zugexpress, der über die Gleise rauscht. Auf diese Idee muss man erst mal kommen. Hört man „The Nighttrain“, sieht man den Nighttrain gedanklich vorbeirauschen und erhält auch akustisch das selbe Gefühl – besonders geil kommt das im Club während DJ-Sets.
Mit Musikvideo auch geil – „The Nighttrain“ von Kadoc:
Doch wie würde diese Grundidee heute, im Jahr 2024 klingen? Ein deutscher Newcomer-Produzent liefert uns die entsprechende Antwort. Der „Geisterzug“ ist ein rasender Hardtechno-Banger von RuditheRaven, der 2021 sein Debüt-Album herausbrachte und produktionstechnisch zwischen einem weiten Spektrum elektronischer Musik, von Trance über House bis hin zu Hardtechno variiert. Der ehemalige Comiczeichner hat mit altem Equipment seines Vaters sowie einer kostenlosen Software angefangen.
Bei „Geisterzug“ sieht man die Bahn in noch flotterem Tempo vorbeirauschen – dem Trend entsprechend in Hardtechno-Geschwindigkeit. Wie beim „Nighttrain“ wurden hier Bahngeräusche mit eingebaut. Die James-Brown-Vocals wurden durch die deutschen Vocals „Vorsicht, Zugdurchfahrt!“ ausgetauscht. Das erinnert wiederum ein wenig an Luca-Dante Spadaforas Hardtechno-Vertonung der „Blitzer App“. Anstelle des Nighttrain-Gebimmels finden sich düstere SuperSaw-Synthies, wie sie im Hardtechno der letzten Jahre typisch sind. Hier das Resultat:
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