War da nicht noch was? Gab Es im März nicht noch ein paar dicke Titel, die hier mal wieder nicht abgefeiert wurden? Musste das schon wieder sein? Wird die Chronistenpflicht hier immer noch mit Füßen getreten? Fragen über Fragen. Die traurige Wahrheit: Sie alle lassen sich mit „ja“ beantworten. Daher wollen wir uns lieber schnell den Themen widmen, die ernsthaft unter den Nägeln brennen. Zum Beispiel: Für wen ist „Mass Effect 3“ denn jetzt wirklich geeignet?

Die Antwort ist auc


h hierbei so klar  wie knapp: für alle. Denn im letzten  Teil der Saga darf man nicht nur  bestimmen, wie Held Shepard als Mann oder Frau aussieht und agiert. Man kann nun auch zwischen drei Modi wählen, die jeweils ein deutlich anderes Spielerlebnis zur Folge haben. Der so genannte Rollenspielmodus entspricht den Vorgängern und bietet ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Kämpfen und interaktiven Dialogen. Im Modus „Action“ muss man demnach nicht zwischen Antworten wählen, sondern konzentriert sich eher darauf, ob Shepard allein, im Team, aus der Distanz oder mit Hilfe neuer, knackiger Nahkampf-Attacken zu Felde zieht. Das daraus resultierende Geballer entspricht zwar nicht dem Niveau eines „Gears of War 3“, macht aber dennoch Spaß. Zumindest mehr als dann im Storymodus, bei dem die Kämpfe doch sehr leicht sind, damit man sich voll und ganz von der epischen Story mitreißen lassen kann. Und die ist wirklich mitreißend. Denn das Universum brennt. Die Reaper sind auf dem Vormarsch. Ein Planet nach dem anderen fällt den gigantischen Metall-Kraken in die Tentakel. Auch die Erde. Deren letzte Rettung: Shepard. Experte im Kampf gegen die intergalaktischen Weltenfresser und damit beauftragt, einen Gegenangriff der alliierten Milchstraßen-Völker zu leiten. Wer will, darf dies auch gerne erstmals im Koop-Modus für bis zu Spieler angehen, der sich auch erfreulich auf die Solo-Kampagne auswirkt. Kurzum: „Mass Effect 3“ ist ein großartiges Finale, das auf PC, PS3 und Xbox 360 Kenner wie Einsteiger begeistern wird.

Wer es gerne etwas linearer hat, der sollte ein Auge auf EAs „SSX“ werfen. Die Neuauflage der Action-Snowboardserie kennt nämlich nur eine Richtung: bergab. Hier gilt es, die neun tödlichsten Abfahrten der Erde zu bezwingen. Auf Snowboards natürlich, mit den krassesten Tricks seit Erfindung des Sessellifts und noch bevor Extremsport-Schnösel Griff die Pisten auf K2, Kilimandscharo oder den Rocky Mountains für sich erobert hat. Er soll dafür büßen, dass er seine Freunde vom Team „SSX“ einfach abserviert hat, um allein Karriere zu machen. Das ist zwar inhaltlich so dünn wie die Luft auf 8.000 Metern, aber spätestens auch dann völlig egal, wenn man seinen ersten, x-fach gezwirbelten „Truckdriver FlipFlop“ gestanden hat und sich wie ein Lord of the Board fühlt. „SSX“ nimmt es mit der Physik nämlich nicht so ganz genau, und das erinnert wohlig an die Zeiten, als man mit der Franchise oder ähnlichen Titeln wie „Tony Hawk’s Pro Skater“ noch Spaß auf der PlayStation 2 hatte. Demzufolge ist die Steuerung auch so umgänglich, dass Einsteiger schnell Erfolge erzielen, während die Kenner mit aneinander gereihten Stunts ihre Energieleiste füllen, um damit ihre Supermoves abzufeuern. Je mehr Punkte man hat, umso mehr Gimmicks wie Körperpanzer, Atemmasken oder Wingssuits kann man sich kaufen. Wichtige Hilfen für rund 150 Strecken, die auf Basis topografischer NASA-Daten gestaltet wurden und reich an Gefahren wie Lawinen, Extremkälte, Dunkelheit oder klaffende Felsspalten sind. Leider wurde hier auf Mehrspieler-Möglichkeiten verzichtet, was dem einen oder anderen PS3- oder Xbox-Spieler die Langzeit-Motivation rauben könnte.

Ein Titel, in den man sich dagegen so richtig verbeißen kann, ist THQs „Ninja Gaiden 3“. Denn der dritte Kampf des Ryu Hayabusa, der sich diesmal einem mysteriösen Maskenmann und dessen Weltvernichtungsplan stellen muss, ist wieder mal eins: sackschwer. Vorausgesetzt man spielt ab Schwierigkeitsstufe „normal“ und aufwärts, was vor allem den Veteranen der Serie gefallen wird. Es ist allerdings auch keine Schande in den „Hero“-Modus zu wechseln, der auch diejenigen zum Super-Ninja werden lässt, denen die Skills oder das nötige Nervenkostüm für die alles entscheidende Schlacht fehlen. Was alle Lager erfreuen sollte, ist die Vertiefung von Ryus Charakter, dessen Morde unter anderem damit reflektiert werden, dass sie in Form von dämonisch roten Adern über seinen Arm strahlen. Der Rest ist Geschnitzel auf höchstem technischen Niveau. Man darf taktisch verstümmeln, demzufolge viel Blut fließen lassen, noch mehr blocken und kontern, ein paar Tasten zu richtigen Zeit drücken und mit einem dynamisch-druckvollen Kampfsystem jede Menge Over-the-Top-Action im Japano-Style erleben. Man muss sich halt nur an den etwas wilden Perspektivwechsel der Kamera gewöhnen. Als netter Bonus stehen auf Xbox 360 und PS3 noch zwei Mehrspieler-Modi zur Verfügung. Bei „Koop“ überwindet man zu zweit immer wieder Gegnerwellen, während sich im Versus-Feature zwei Teams mit bis zu vier Spielern gegenseitig zerschnippeln dürfen.

Neues aus der Nebelstadt erwartet uns mit Konamis „Silent Hill: Downpour“. Jenes erzählt die Geschichte des Häftlings Murphy Pendleton, der in einen neuen Knast verlegt werden soll, aber dabei mit seinem Gefangenentransport im Straßengraben landet. Als Murphy wieder erwacht, ist die Welt plötzlich ein ganzes Stück dunstiger wie auch merkwürdiger geworden, woraufhin sich der seelisch angezählte Mann schon bald in einem Albtraum aus seinen Ängsten und den eigenen Sünden wiederfindet. Logisch, der Unfall fand ja auch in der Nähe von Silent Hill statt. Das mag zwar atmosphärisch nicht ganz an die großen Vetreter der Serie (also Teil 2) ranreichen, überzeugt aber mit solider Steuerung, etlichen Sidequests oder der gewohnt spannenden Suche nach Alltagsgegenständen, mit denen man sich unter anderem gegen  schlurfende Schattengestalten wehrt, und überrascht mit tollen visuellen Effekten, die das Hirn immer wieder gerne durch den Fleischwolf drehen. Darüber hinaus erlebt man hier wohl einen der unbequemsten Einstiege der jüngeren Videospiel-Geschichte. Der routinierte Survival-Horror erscheint für die Xbox 360 und die PS3.

Womit wir auch wieder beim letzten Titel und somit Geralt von Riva angelangt wären. Dessen 2. Abenteuer, „The Witcher 2 – Assassins of Kings“, erscheint nun nämlich erstmals für die Xbox 360 und führt den Monsterjäger in ein Geflecht aus Königsmorden, politischen Intrigen und Verrat rund um das Land Temerien. So gilt es große Entscheidungen zu treffen, zahlreiche Quests zu absolvieren, ausgefeilte Dialoge zu führen und jede Menge Gegner in ihre Schranken zu weisen. Das Ergebnis ist alles andere als linear, weiß grafisch zu begeistern und richtet sich mit jeder Menge Gewalt, Moral und Sex vor allem an die erwachsenen Rollenspieler. Konsoleros werden sich außerdem darüber freuen, dass hier so dynamisch wie taktisch in der Schulterpersektive gekämpft wird. Man sollte sich allerdings darauf gefasst machen, dass Geralts automatische Zielerfassung mitunter recht unübersichtlichen werden kann. Oder dass der dritte Akt noch immer nicht ganz so stark ist wie alles andere zuvor. Doch damit kann man Angesichts der ansonsten epischen wie erwachsenen Präsentation leicht leben.

 In diesem Sinne:  Spielt, ihr Narren …

Daniel Schröckert