
Spotify erhält ab 1. Januar 2026 erstmals eine Doppelspitze: Daniel Ek, Mitgründer und bisher prägende Figur des Streamingdienstes, übergibt die operative Führung an Gustav Söderström und Alex Norström.
Beide gelten als enge Vertraute und gehören seit Jahren zur Führungsriege. Söderström verantwortet Technik und Produkt, Norström ist Chief Business Officer. Ek selbst bleibt als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats präsent.
Er will, wie es heißt, „die Kapitalallokation bestimmen und die langfristige Planung gestalten“ sowie das Führungsteam beraten. Damit unterscheidet sich seine Rolle klar von der in den USA üblichen Auslegung der Chairman-Position.
Söderström und Norström werden künftig direkt an ihn berichten, die neue Struktur spiegelt laut Spotify ohnehin bereits gelebte Praxis seit 2023 wider. „In den letzten Jahren habe ich einen Großteil des Tagesgeschäfts und der strategischen Ausrichtung von Spotify an Alex und Gustav übergeben“, so Ek.
Der Wechsel an der Spitze sei vor allem eine Formalität. Bereits bei Investorenkonferenzen traten die beiden Manager seit geraumer Zeit an Eks Seite auf. In einem LinkedIn-Video erklärte der zweifache Vater zudem, Spotify sei für ihn „so etwas wie ein drittes Kind“ – nun fühle es sich an, als mache es seinen Abschluss.
Söderström und Norström waren maßgeblich an zentralen Neuerungen beteiligt: Sie trieben den Ausbau des Hörbuch-Angebots voran, führten Video-Podcasts ein, setzten den KI-DJ um und bereiteten die seit Langem erwartete Hi-Fi-Funktion vor.
Mit diesen Projekten stärkte Spotify seine Position im hart umkämpften Markt, in dem es sich seit Jahren erfolgreich gegen Apple, Amazon und Google behauptet. Das 2006 von Ek und Martin Lorentzon gegründete Unternehmen ging 2018 an die Börse und zählt heute 696 Millionen monatlich aktive Nutzer, davon 276 Millionen zahlende Abonnenten.
Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 149 Milliarden Dollar, allerdings gab die Aktie nach der Ankündigung der Führungsänderung zunächst um fünf Prozent nach. 2024 erzielte Spotify erstmals nennenswerte Gewinne: 1,14 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 15,67 Milliarden.
Dass die Profitabilität so spät eintrat, liegt vor allem an den hohen Ausschüttungen an die Musikbranche. Zwei Drittel der Einnahmen fließen an Rechteinhaber – über zehn Milliarden Dollar allein im Jahr 2024.
Diese Zahlungen machen Streamingdienste wie Spotify seit Jahren zum zentralen Umsatzmotor der Musikindustrie, sorgen aber gleichzeitig für anhaltende Kritik an der Verteilung der Einnahmen.
Zuletzt stand Ek auch persönlich in der Kritik. Mit seinem Investmentvehikel Prima Materia beteiligte er sich an einer 600 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde für das Münchner Rüstungs-Start-up Helsing, das unter anderem Kamikazedrohnen für den Ukrainekrieg produziert.
Diese Verbindung führte dazu, dass Künstler wie Massive Attack ihre Musik von Spotify abzogen. Ek verteidigte sich mit dem Hinweis, er wolle europäische Technologieunternehmen fördern, „die neue Technologien entwickeln, um einige der größten Herausforderungen unserer Zeit anzugehen“.
Trotz dieser Kontroversen betonte Ek in einer Mitteilung an die Belegschaft: „Wir könnten nicht besser aufgestellt sein, und um es klar zu sagen, ich gehe nicht. Ich werde weiterhin maßgeblich an den großen, richtungsweisenden Entscheidungen über unsere Zukunft beteiligt sein.“
Quelle: Frankfurter Allgemeine
Das könnte dich auch interessieren:
Spotify verschärft KI-Richtlinien nach Gegenreaktion – 75 Millionen Titel entfernt