Super Flu
Feliks Thielemann und Mathias Schwarz waren schon immer sehr heimatverbunden. Seit ihrer Zusammenkunft in 2005 haben sie das Bild und auch den Bekanntheitsgrad ihrer Heimatstadt maßgeblich geprägt und vorangetrieben. Nach ihrem Debütlongplayer „Heimatmelodien“ in 2010 und einigen Veröffentlichungen auf Herzblut und Traum Schallplatten, meldet sich das Duo nun mit „Halle/Saale“ aus eben jener Metropole zurück. Widmete sich der Vorgänger fast ausschließlich dem Tanzflur, so schaltet das am 7. November auf ihrem eigenen Label erscheinenden Album auch mal ein paar Gänge zurück. Malerischer und poppiger zeigen sich die Super Flus auf den insgesamt zehn Tracks, bei denen sie erneut namhafte Kollaborationen vorweisen. Eine davon ist natürlich: Opa Herbert.


Wir haben Montag, es ist 10.00 Uhr und ihr seht erholt aus. Wie war das Wochenende?
Mathias: Wir waren in Münster und Amsterdam, wo wir wie fast jedes Wochenende wieder großen Spaß hatten. Im Vergleich zu manch anderen Tagen im Jahr war das für uns aber eher um die Ecke, so dass wir nicht ganz so gerädert sind.

Euer neues Album trägt den Namen „Halle/Saale“. Nach „Heimatmelodien“ zeigt ihr euch wieder sehr verbunden mit euren Wurzeln. Wie viel Lokalpatriotismus herrscht da bei euch vor?
Feliks: Wir haben tatsächlich über viele Namen nachgedacht, letztendlich hat für uns aber nur dieser Sinn gemacht. Wir wohnen hier seit eh und je, und dieser Ort hat definitiv eine Menge dazu beigetragen, dass das Album nun so klingt wie es klingt. Zahlreiche Faktoren haben eine Rolle gespielt, und entgegen vieler Superstars kehren wir unserer Heimat – in diesem Fall einer Metropole – nicht den Rücken. Von der Grafik, über Konzept und Organisation bis Kollaboration – die meisten aus dem Team kommen hier aus Halle. Die Monkey Safaris, Opa Herbert und auch Mathias‘ Tochter. Nach „Heimatmelodien“ war das für uns schlichtweg die logische Konsequenz.

Das klingt nach einem gemeinsamen Halle/Saale-Projekt. Wie lange habt ihr an dem Album geschraubt?
Feliks: Die Skizzen waren eigentlich schon fertig, bevor wir uns kennengelernt haben vor neun Jahren. Als feststand, dass wir ein zweites Album fertig machen, haben wir diese nur noch kurz mal zurecht gebügelt und rausgehauen. Ein völlig natürlicher Prozess.

Das glaube ich sofort. Welche Entwicklung habt ihr eurer Meinung nach gemacht seit eurem Debüt in 2010?
Mathias: Einen richtigen Unterschied stellen wir persönlich gar nicht fest. Dafür stecken wir auch zu tief drin, als dass wir das objektiv beurteilen könnten. Dort draußen gibt es sehr geteilte Meinungen. Manche sagen, wir hätten uns sehr verändert. Einige monieren, wir klängen seit Jahren gleich – da scheiden sich die Geister. Unterm Strich machen wir unseren Sound, hinter dem wir stehen und freuen uns über jeden, der unsere Freude teilt.
Feliks: Als wir vor wenigen Wochen „Fibi Maybe“ – den ersten Track des Albums – als Preview ins Netz stellten und die Kommentare nur so über uns herein prasselten, gesellten sich Kommentare wie ‚Endlich klingt ihr wieder wie früher‘ zu Aussagen wie ‚Ihr habt den nächsten Schritt erreicht‘. Das ist also wie bei der Kunst – es liegt immer im Auge des Betrachters. Natürlich lässt sich nicht abstreiten, dass auf dem neuen Album wesentlich poppigere Stücke vertreten sind. Ein Album, das auch für Zuhause kompatibel ist.

Ihr habt neben den Monkey Safaris auch mit Andhim und eurem Opa Herbert gearbeitet.
Mathias: Du sagst es. Und im Prinzip entscheidet Letzterer solch wichtige Sachen hinter den Kulissen. Opa Herbert ist der, der den Takt vorgibt. Er kam auf die Idee und sagte: „Jungs, ihr kennt euch doch schon so lange, macht doch mal wieder etwas gemeinsam.“ Mit den Monkeys haben wir mit „Hallo Halle“ schon einen gemeinsamen Track produziert – auch da waren unsere Wurzeln omnipräsent. Aber auch im Hintergrund machen wir eine Menge gemeinsam, so dass dies nun völlig von der Hand ging.
Feliks: Auch die Nähe hat eine wichtige Rolle gespielt. Wir sitzen ja jeden Abend hier gegenüber in der Kneipe und spielen Doppelkopf. Da kommt man natürlich schneller ins Geschäft.

Es scheint, als schuldet ihr euren Erfolg völlig Opa Herbert.
Feliks: Im Prinzip ist er der Strippenzieher. Er sagt ständig, was cool ist und was nicht. Wenn ich z.B. mit einer Skizze für einen Track anfange, schaut er mir über die Schulter und hört sich das an. Er hat stets eine produktive Idee oder Kritik auf Lager. Seine Kompetenzen sind für uns fundamental. Auch bei diesem Album haben wir ihm die 20 Tracks vorgelegt, die da seit Jahren in der Schublade lagen. Davon hat er zehn abgelehnt. Er sagte lediglich: „Jungs, das können wir nicht machen. Die müssen aufs nächste drauf.“ Und dann ist das auch so.
Mathias: Er hat mit seinen 80 Jahren einfach die meiste Erfahrung von uns. Wir vertrauen ihm blind. Wo es hingeht mit uns oder dem Label, wissen wir allerdings nicht. Er redet immer nur so viel wie nötig – eine Art Orakel.

Stammt von ihm auch der Begriff „Feel-Good-Techno“?

Feliks: Das wissen wir gar nicht so recht. Uns persönlich ist es sehr wichtig, dass diese ganze Sache Spaß macht – denn nur darum geht es. Von daher: Feel Good Techno. Wir wollen stets einen positiven Vibe verbreiten.

Was waren die positivsten Vibes, die ihr in diesem Jahr gesammelt habt?
Mathias: Wir waren in diesem Jahr sehr oft im Ausland und haben erstmals eine Brasilien-Tour gespielt. Auch wenn dort Winter war, hatten wir großen Spaß. In Reykjavík waren wir auch zum ersten Mal. Eine Menge schöner Frauen. Dieser Sommer stand definitiv im Zeichen der Tiere. Ich für meinen Teil habe Delphine und Walfische gesehen. Das waren meine persönlichen Highlights.
Feliks: Bei mir waren es die Ziegen hier aus der Nähe sowie die Affen im Zoo. Mehr kann man unter Umständen bald in unserem neuen Video sehen, das – wie könnte es auch anders sein – ganz im Zeichen der Stadt steht. Abgedreht ist es schon, aktuell sitzen wir an der Soundbearbeitung, und wir denken, zum Albumrelease wird das Baby das Licht der Welt erblicken.

Wird es zu „Halle/Saale“ eine Album-Tour geben?
Mathias: Oh ja! Anfang November startet unsere offizielle Halle/Saale Tour mit einer Menge Terminen in Deutschland wie München, Leipzig und Stuttgart, ehe es im Dezember nach Uruguay, Chile, Bolivien, Kolumbien und Mexiko geht. Pünktlich zu Weihnachten sitzen wir aber wieder in Halle.

Feliks scheinbar schon früher. Checkt man euren Tourkalender, sieht man, dass viele dieser Dates im Ausland nur Mathias spielt. Woran liegt das?
Feliks: Geredet wird in letzter Zeit sehr häufig darüber. Der Grund ist ganz simpel – das Essen im Flugzeug. Ich für meinen Teil bin ja eher gourmetorientiert. Da dieser Standard aber höchst selten erfüllt wird und es mir verwehrt bleibt, selbst etwas mitzubringen, bleibt mir eigentlich keine andere Wahl, als zuhause zu bleiben und Mathias diese unglaublichen Reisen erleben zu lassen.
Mathias: Wir waren in diesem Jahr in Australien. Feliks sich erbarmt und zwei Äpfel eingepackt. Beim Zoll wurden wir von einem kleinen Polizeihund beschnüffelt. Ich war schweißgebadet. Mein Koffer war randvoll von Zigarettenstangen, die nicht versteuert wurden. Doch urplötzlich läuft der Hund an meinem Koffer vorbei und fängt in unmittelbarer Nähe der Äpfel an zu bellen. Das wars dann mit der Einreise. Das macht Feliks natürlich nicht mit. Jetzt gibt es nur noch Kurzstrecke. So kann man von Gourmet- zu Gourmet-Restaurant spucken und alles ist in Ordnung.“

Neben der Tour und dem neuen Album seit ihr in diesem Monat auch die Hosts für den offiziellen FAZEmag Download-Mix …
Feliks: Und darüber freuen wir uns sehr. Wir hatten natürlich einige Sachen in der Hinterhand – und selbstverständlich haben wir uns für unser Lieblingsblatt alles andere als lumpen lassen. Voller Stolz haben wir einige neue Monaberry eingefügt. Aber auch Sachen von Sunset Handjob, unserem zweiten Label, das in den vergangenen Wochen eine Art Pause eingelegt hat. Dort starten wir jetzt auch wieder voll durch.

Ihr habt es vorweg genommen. Was passiert in den kommenden Wochen auf den Labels Monaberry und Sunset Handjob?
Mathias: Erst kürzlich ist ein neuer Track von Hanne & Lore erschienen. Dann wird der Fokus erstmal auf dem Album liegen. Ein neuer Track von Ole Biege liegt allerdings auch schon in der Pipeline. Monkey Safari werden auch bald wieder etwas releasen, ehe es mit Remixes zu unserem Album weitergeht. Im Frühjahr 2014 ist eine Compilation zu unserem 25-jährigen Bestehen geplant. Dort werden bestimmt alle Künstler veröffentlichen, die jemals bei uns einen Finger gekrümmt haben.
Feliks: Dort wird auf jeden Fall auf die nächsten 25 Jahre gefeiert.

Stehen schon Remixer für eure Stücke fest?
Mathias: Dazu können wir aktuell noch nicht viel sagen. Auch in diesem Fall obliegt das auch jemand anderem. Opa Herbert trifft sich just in diesem Augenblick auf einen Kaffee mit Nina Kraviz zu Vertragsverhandlungen. Wir sind gespannt, was dort herauskommt oder ob Opa doch nur den Kaffee wollte …
Feliks: So wie ich ihn kenne, hat er gerade ausnahmsweise nicht das Business im Kopf. / Rafael Da Cruz

www.super-flu.de

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