SUPERBOOTH24 – Schneiders Release

Foto: Angela Kroell

16. – 18. Mai im FEZ Berlin

Sie ist inzwischen offiziell Europas größte Fachmesse für elektronische Musikinstrumente: die SUPERBOOTH in Berlin. Dennoch hat sie sich auch in ihrem 24. Jahr ihre Unabhängigkeit bewahrt. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie vorteilhaft dieser Independence-Status ist, um auf externe Faktoren schnell reagieren zu können. Inzwischen geht es wieder steil bergauf. Die Messe platzt aus allen Nähten. Veränderungen wird es deshalb weiterhin geben, wie SUPERBOOTH-Gründer Andreas Schneider offenbart.

Andreas, zunächst dein Resümee zur letztjährigen SUPERBOOTH23?
Die letzte SUPERBOOTH war aus meiner Sicht die beste. Seit Corona war das gleichzeitig die erste, mit der wir auch wirtschaftlich wieder etwas auf die Beine gekommen sind. Darauf lässt sich aufbauen.

Die Aussteller haben also nach der Corona-Zurückhaltung wieder Vertrauen gefasst?
Absolut. Wir sind in diesem Jahr schon wieder so weit, dass wir zahlreiche Bewerber auf das kommende Jahr vertrösten oder ihnen ganz absagen müssen.

Eine Verdichtung ist nicht möglich?
Das Gelände wirkt zwar sehr groß, aber du kannst nicht an jede Ecke einen Aussteller platzieren, ohne die Atmosphäre zu gefährden. Hinzu kommen die kulturellen Aktivitäten, die wir ebenfalls nicht einschränken wollen. Genau diese Mischung macht die SUPERBOOTH aus. Es soll sich thematisch allerdings auch nicht zu sehr entgrenzen. Was weiter wächst, ist der Outboard- und Pro-Audio-Bereich. Also Studioequipment, Speaker, Kopfhörer usw. Ähnlich wie bei den Gesprächskonzerten für Synthesizer ist für deren Vorführung jetzt ein Teil des Kinos vorgesehen.

Hat sich die MINIBOOTH für Kids bewährt?
Ja, da sind wir sehr glücklich. Unsere Idee, Kindern und Jugendlichen einen niedrigschwelligen und spielerischen Einstieg zu bieten, wird es also auch in diesem Jahr geben. Die MINIBOOTH findet vom 9. bis 12. Mai statt, diesmal also sogar über vier Tage. Ich finde es sehr wichtig, dass wir die nächste Generation an unsere Passion heranführen, damit sie die Vorteile von Qualitätsware kennenlernt. Natürlich kann man auf Mobilgeräten Hip-Hop machen, dem verschließen auch wir uns nicht. Aber es gibt dann vielleicht auch in jeder Hinsicht nachhaltigere Möglichkeiten.

Apropos Hip-Hop. Die Musikrichtung ist zwar seit vielen Jahren bestimmend, wirkt aber kaum in die SUPERBOOTH hinein.
Es gibt da einfach praktisch keine Bewerbungen. Die Szene scheint eine völlig andere zu sein, auch mit anderen Veranstaltungsformaten. Wir sind ja eher experimentell-elektronisch aufgestellt, mit ein bisschen Noise, Jazz, hybridem Zeug bis zu Alternative-Pop und Filmmusik.

Was dürfen wir künstlerisch erwarten?
Oh, es hat sich wieder viel Prominenz angekündigt. Natürlich die üblichen Verdächtigen wie Daniel Miller oder Tobi Neumann. Leute wie Mijk van Dijk, Stimming, Attics oder Karl Marx dürften ebenfalls vielen bekannt sein. Jean-Michel Jarre und Hans Zimmer haben aus Zeitgründen leider abgesagt.

Hast du persönliche Highlights?
Durchaus. Zum einen ist es die isländische Cellistin Hildur Guðnadóttir. Sie hat unter anderem einen Filmmusik-Oscar für den „Joker“ erhalten. Sie löst damit ein Versprechen ein, das sie mir anlässlich einer ziemlich kuriosen Geschichte gegeben hat. Und zwar wurde ihr vor einiger Zeit auf einem Berliner Festival ihr Spezialcello, ein Dorophone, geklaut. Genau das wurde dann tatsächlich uns zum Kauf angeboten. Wir haben es ihr dann zurückbesorgt. So die Kurzversion. Die Langversion erzähle ich besser nicht. Zum anderen freue ich mich riesig auf Rosi Förster von Pro-Vocation. Auch mit ihr verbindet sich eine persönliche Geschichte. Sie hat vor 25 Jahren den Vertrieb für Dopfer gemacht, als ich gerade mit SchneidersBuero anfing. Vor Kurzem stand sie dann überraschend bei mir im Laden und erzählte, dass sie mit ihrer Combo in Berlin auftritt. Die machen eine Mischung aus Elektronik, Jazz und haben auch Tänzerinnen dabei. Die Gute ist jetzt 84 Jahre alt und hat nichts von ihrem Enthusiasmus verloren. Ich hoffe, ich kann in dem Alter mithalten. Ich habe mir deshalb vorgenommen, mich noch weiter aus der SUPERBOOTH herauszuziehen, um wieder mehr Musik zu machen. Und um mich um meinen Laden zu kümmern. Ich leite sozusagen mein Release ein. In diesem Jahr wird es deshalb auch den Altherrenabend zum letzten Mal auf der SUPERBOOTH geben.

Moment, die SUPERBOOTH ohne Mister SUPERBOOTH?
Ach, wer will denn einen alten Sack wie mich noch labern hören? Mehr als quatschen mach ich doch ohnehin kaum noch [lacht]. Die detaillierte Organisation haben schon andere übernommen, die machen das mindestens so gut wie ich. Ich weiß auch noch gar nicht, wer auf dem letzten Altherrenabend meine Gesprächspartner sein werden. Vielleicht stelle ich auch einfach eine Flasche auf den Tisch und führe ein Selbstgespräch.

Erwarten uns sonst noch Veränderungen?
Vielleicht. Nach sieben Jahren im FEZ denken wir darüber nach, mal wieder den Standort zu wechseln. Weil es dort, wie erwähnt, zu eng wird und es inzwischen ehrlich gesagt auch zu teuer wird. Wenn kleine Aussteller nicht mehr die Kosten für einen einfachen Stand stemmen können, die wir aufgrund der gestiegenen Miete gezwungen sind abzurufen, müssen wir unsere Augen nach Alternativen offen halten. Das machen wir derzeit.

Das Veranstaltungsprogramm und die Ticketpreise findet ihr auf www.superbooth.com.

Aus dem FAZEmag 147/05.2024
Vorschau- und Beitragsbild: Angela Kroell