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Mann trägt jetzt Brille, das passt zur an Erfahrung reicher werdenden Soundshow, die das Cocoon Team seit bereits gefühlten Jahrzehnten auf dem ibizenkischen Eiland in Bravour und mit beständiger Qualität exerziert. Allen voran Zeremonienmeister Sven, der es sich auch nach dem 16. Stelldichein nicht nehmen lässt, die Saison mit seinen subjektiven Highlights Revue passieren zu lassen. Auffällig ist vor allem eins: Melodien sind deutlicher und präsenter vertreten, sowohl was den housigen als auch den technoiden Anteil dieser Doppel-CD angeht. Er wird auf seine “alten Tage“ doch nicht nachlässig werden? Keinesfalls, denn auch dieses Statement bedeutet Weiterentwicklung und Ausbau des eigenen Anspruchs. Bereits mit dem verdrogten “XTC“ von Koze hängt er die Latte immens hoch. Danach folgen Tribals, aber nicht irgendwelche, sondern, typisch Väth, sehr ethnisch geprägt (Mathew Dekay und Metaboman) in einfühlsamer Weise. Der Umschwung auf Techno Detroit’scher Machart gelingt umgehend und reibungslos mit Urgestein Kevin Saunderson im Mix von Carl Craig, um danach auf housige Passagen zu wechseln (Leon Vynehall, Daniel Bortz) und dicke Clubstomper nachzulegen (Aaron – Spitzenclubpusher mit polterndem Undergroundbass). Die erste Seite schließt mit elektronischem Spiel zwischen technoiden Klängen (Mattheis) oder smoothem Druck von Jacek Sienkiewicz. Die zweite Session startet mit schwülstigen Synthies (Tim Green), sofort steht man mit fiependen Tönen im Anschluss mitten im Geschehen (Alex Smoke) und wird mit trockenem Techno, Acid Lines von Tim Wright (checkt das wunderbare “The Crab“) und Detroit Synthies von Deetron, Bastinov (“Prisma“) oder Floorplan weggeblasen. Diese Soundkulisse versetzt einen direkt auf den Floor ins Amnesia und man kann die Atmo direkt und intensiv auch in den heimischen 4 Wänden spüren und nachempfinden. Vielleicht ist das ja das Geheimnis dieser Compilationreihe. Dann zieht Sven das Tempo an, Bass In Ya Face mit Greenman oder Alex Bau, melodiöser 90er EyeQ/Harthouse von Pig & Dan (“Universal Love“) und Synthiegewitter à la Quadrophonia (Dimi Angelis, Petar Dundov). In diesem Mix kristallisieren sich die musikalischen Einflüsse, Stationen und St(r)andpunkte von Sven Väth eindrucksvoll und authentisch heraus. Mit Nummer 16 schreibt er ein weiteres Stück Musikgeschichte, obschon er einen Sitz im Olymp seit langem gepachtet hat. Der Rest der Welt sagt (wie immer): Danke Sven (für eine weitere, brillante Expertise)! 10/10 Cars10.Becker