
32 Bit Float ist bei mobilen Recordern oder auch digitaler DJ-Hardware heute quasi Pflichtprogramm. Tascam setzt beim DR-40XP nun ebenfalls auf die Fließkomma-Technologie. Der Nachfolger des DR-40X kombiniert die Technik mit einem Vierspur-Konzept, das durch seine flexiblen Einsatzmöglichkeiten überzeugt.
Kompaktheit siegt
Optisch bleibt Tascam seiner bisherigen Linie treu. Das mattschwarze Gehäuse ist zweckmäßig konstruiert, die Tasten sitzen dort, wo man sie erwartet, und das beleuchtete Display konzentriert sich auf die Informationen, die während einer Aufnahme tatsächlich interessieren. Mit 70 × 155 × 35 Millimetern und 213 Gramm bleibt das Gerät ausgesprochen transportfreundlich. Drei AA-Batterien sorgen für die Stromversorgung. Alternativ kann der Recorder über USB-C oder ein optionales Netzteil betrieben werden. Die Mikrofone lassen sich zwischen A/B- und XY-Anordnung umstellen. So kann man je nach Situation ein breiteres Stereobild oder eine präzisere, phasenarme Aufnahme wählen.
Unterschied zu kleinen XP-Modellen
Tascam bietet mit DR-05XP und DR-07XP inzwischen ebenfalls kompakte 32-Bit-Float-Recorder an. Beide sind für klassische Zweikanalaufnahmen konzipiert. Der DR-07XP besitzt ebenfalls schwenkbare Mikrofone und damit eine ähnliche Grundidee wie der DR-40XP. Was diesem allerdings fehlt, sind die beiden professionellen XLR/TRS-Eingänge.
Genau hier wird der DR-40XP interessant. Über die beiden Kombibuchsen lassen sich externe Mikrofone oder Line-Signale anschließen. Die Eingänge akzeptieren Mikrofon- und Line-Pegel und stellen für Kondensatormikrofone 24 oder 48 Volt Phantomspeisung bereit. Und weil die internen Mikrofone gleichzeitig zur Verfügung stehen, sind bis zu vier Aufnahmespuren möglich. Das ist der Punkt, an dem sich der DR-40XP von den kleineren XP-Modellen absetzt.
Ohne Stresspegel pegeln
Bei klassischen 16- oder 24-Bit-Aufnahmen muss der Eingangspegel möglichst gut getroffen werden. Zu niedrig bedeutet unnötig wenig Nutzsignal, zu hoch kann zu digitalen Übersteuerungen führen. Gerade bei Konzerten oder DJ-Sets mit unberechenbaren Lautstärkesprüngen ist das eine nervige Gratwanderung.
Mit 32 Bit Float wird diese Gratwanderung wesentlich entspannter. Technisch liegt der Vorteil in der sogenannten Gleitkommadarstellung. Während bei 16 oder 24 Bit ein fester Zahlenbereich für die Audiosamples zur Verfügung steht, arbeitet 32 Bit Float mit einem variablen Exponenten. Dadurch können sehr leise und sehr hohe Pegel mit einem enorm großen Wertebereich gespeichert werden. Wird eine Aufnahme später in der DAW zu laut oder zu leise wiedergegeben, lässt sich der Pegel entsprechend absenken oder anheben, ohne dass allein durch die digitale Speicherung die ursprüngliche Information verloren geht.
Der DR-40XP kann WAV/BWF mit 16 Bit, 24 Bit oder 32 Bit Float und bis zu 96 kHz aufnehmen. Man muss sich während der Aufnahme somit weniger mit der perfekten Aussteuerung beschäftigen und kann sich stärker auf das musikalische Geschehen konzentrieren. Ein überforderter Mikrofonvorverstärker oder ein bereits analog verzerrtes Signal lässt sich mit 32 Bit Float jedoch nicht ausmerzen. Der große Vorteil liegt also weniger in besserem Klang als in einer deutlich höheren Fehlertoleranz bei der Aufnahme.
4 Kanäle: Mach was draus!
Die Vierkanal-Funktion eröffnet einige interessante Möglichkeiten. Seine spannendsten Einsatzmöglichkeiten zeigt der DR-40XP dort, wo Direktsignal und Raum parallel aufgenommen werden sollen. Dabei muss man allerdings wissen, dass die USB-Audiointerface-Funktion nicht dieselbe Vierkanal-Flexibilität bietet: Über USB arbeitet der DR-40XP als 2-In/2-Out-Audiointerface. Die vier Spuren beziehen sich auf die Aufzeichnung im Recorder selbst.

Hier drei Anwendungsbeispiele:
DJ-Set direkt vom Mixer plus Clubatmosphäre
Das Mastersignal des DJ-Mixers kommt über die beiden XLR/TRS-Eingänge in den DR-40XP. Gleichzeitig nehmen die eingebauten Mikrofone Publikum, Raum und Anlage auf. Damit entstehen zwei völlig unterschiedliche Perspektiven: der saubere Mitschnitt des Sets und die tatsächliche Atmosphäre im Club. Beides lässt sich später kombinieren – beispielsweise, um einen technisch sauberen Mix mit etwas Publikum und Raumgefühl anzureichern. Oder eben getrennt behandeln, wenn man den DJ-Mix in seiner Reinform verbreiten möchte.
Verstärker und Lautsprecher vergleichen
Hier wird der Recorder fast zum mobilen Testgerät. Ein Ausgangssignal kann über einen externen Eingang aufgenommen werden, während die eingebauten Mikrofone gleichzeitig festhalten, wie der Verstärker oder Lautsprecher im Raum klingt. Wer beispielsweise verschiedene Verstärker, PA-Lautsprecher oder Monitorpositionen vergleichen möchte, bekommt eine reproduzierbare Dokumentation.
Field Recording für Klang-Samples
Maschinen, Bahnhöfe, Werkzeuge, Motoren, Gewitter oder Meeresrauschen können realistisch direkt vor Ort aufgenommen und später als Samples verwendet werden. Die eingebauten Stereomikrofone liefern dabei die räumliche Perspektive, während externe Mikrofone andere Klangcharakteristiken ermöglichen. Perfektes Rohmaterial für Percussion, Texturen oder Atmosphären.
Gleiches gilt für natürliche Instrumente wie Klavier, Gitarre oder Schlagzeug. Sie können gleichzeitig aus unterschiedlichen Entfernungen aufgenommen werden, um mehr Räumlichkeit zu erzeugen. Eine Spur liefert die nähere Perspektive, die eingebauten Mikrofone die Distanz mit natürlichem Hall.
Sicherheitsnetz und doppelter Boden
Wer zusätzliche Sicherheit möchte, kann die Dual-Recording-Funktion nutzen. Dabei lässt sich parallel eine zweite Aufnahme mit reduziertem Pegel erzeugen. Kommt es während einer Aufnahme unerwartet laut zur Sache, hat man damit eine Sicherheitskopie. Hinzu kommen Low-Cut-Filter, Limiter, automatische Aussteuerungsfunktionen, Voraufnahme und Timer-Funktionen. Der Recorder ist damit nicht darauf angewiesen, dass man jede Aufnahme minutiös vorbereitet.
Bedienung ohne App- und Touch-Zirkus
Die Bedienung folgt dem klassischen Tascam-Prinzip: Tasten und Regler statt Smartphone-Menüs. Das wirkt zunächst etwas altmodisch, hat unterwegs aber Vorteile. Aufnahme, Wiedergabe, Eingangspegel und die wichtigsten Aufnahmefunktionen sind direkt über eigene Tasten erreichbar. Ein zentrales Datenrad dient zur Navigation durch die Menüs und zur Bestätigung von Einstellungen. Das Display zeigt unter anderem Aufnahmepegel, Aufnahmemodus, Dateiformat, verbleibende Aufnahmezeit und weitere Statusinformationen. Auch die beiden Eingänge lassen sich direkt konfigurieren. Je nach Einsatz kann man zwischen Mikrofon- und Line-Pegel wählen, die Phantomspeisung aktivieren und die gewünschte Eingangskonfiguration festlegen. Nach kurzer Eingewöhnung geht vieles erstaunlich schnell. Gerade bei einer Aufnahme, die plötzlich beginnt, ist das angenehm: Recorder aus der Tasche, Mikrofone ausrichten, Speicherkarte prüfen – Aufnahme.
Klang und Speicherung
Die integrierten Mikrofone liefern einen klaren und für einen mobilen Recorder erstaunlich realistischen Stereoeindruck. Sie eignen sich damit nicht nur für Umgebungsgeräusche, sondern durchaus auch für Musikaufnahmen. Wer klanglich weitergehen möchte, greift zu externen Mikrofonen. Hier spielen die HDDA-Mikrofonvorverstärker und die XLR-Eingänge ihre Stärken aus. Gespeichert wird auf microSD-, microSDHC- oder microSDXC-Karten. Bei den Aufnahmeformaten bleibt Tascam flexibel: WAV/BWF steht mit 44,1, 48 und 96 kHz sowie 16 Bit, 24 Bit und 32 Bit Float zur Verfügung. Zusätzlich kann der Recorder MP3 mit 44,1 oder 48 kHz und Bitraten zwischen 32 und 320 kBit/s aufnehmen. Für ernsthafte Musik- und Filmproduktion ist WAV/BWF natürlich die erste Wahl. MP3 ist dagegen praktisch, wenn lange Aufnahmen oder Referenzmitschnitte möglichst wenig Speicherplatz beanspruchen sollen.
Fazit
Der Tascam DR-40XP ist kein revolutionär neues Recorder-Konzept. Vielmehr nimmt Tascam einen bewährten Vierkanal-Recorder und bringt ihn mit 32 Bit Float technisch auf einen aktuellen Stand. Seine eigentliche Stärke liegt in der Kombination: schwenkbare Stereo-Mikrofone, zwei XLR/TRS-Eingänge, Phantomspeisung, vier Aufnahmespuren, Dual Recording, flexible Aufnahmeformate und 32 Bit Float. Dazu kommt die Möglichkeit, ihn per USB-C als kleines Audiointerface zu verwenden. Seine interessanteste Seite zeigt der DR-40XP dort, wo mehrere Klangperspektiven zusammenkommen: DJ-Mix plus Clubatmosphäre, Instrument plus Raum oder direkte Aufnahme plus Field-Recording-Material. Genau dadurch wird aus dem kleinen Handheld mehr als nur ein Recorder.
Gegenüber den kleineren XP-Modellen ist er weniger kompakt, dafür aber erheblich vielseitiger. Gegenüber seinem Vorgänger DR-40X ist er sinnvoll modernisiert. Auch der DR-40X bietet vier Spuren, schwenkbare AB/XY-Mikrofone, zwei XLR/TRS-Eingänge mit Phantomspeisung und USB-Audiointerface. Der große Schritt des DR-40XP liegt deshalb vor allem in der 32-Bit-Float-Aufnahme. Der DR-40X bleibt bei maximal 24 Bit. Auch die unterstützte Speicherkartenkapazität steigt beim XP deutlich. Wer häufig unter unvorhersehbaren Bedingungen arbeitet, bekommt mit 32 Bit Float einen überzeugenden Grund für den Umstieg auf das Upgrade-Modell. Zumal sich sein Preis mit rund 255 EUR in Grenzen hält.
Aus dem FAZEmag 175/09.26
www.tascam.eu