Techno-Files & Machtmissbrauch: Amelie Lens rechnet mit der „Bro-Kultur“ ab

Amelie Lens adressiert auf Instagram die Probleme der „Bro-Kultur“/Foto: Daniil Lavrowski
Die Hardtechno-Szene liegt in Aufruhr, nachdem ein ehemaliger US-Geschäftspartner der Agentur Steer Management unter dem Schlagwort „Techno-Files“ schwere Vorwürfe gegen diverse Künstler der Szene veröffentlicht hat. Auch Amelie Lens nutzt ihre Plattform, um auf die tiefgreifenden Probleme innerhalb der Szene aufmerksam zu machen und um mit der toxischen „Bro-Kultur“ und dem systematischen Wegschauen abzurechnen. In den vergangenen Tagen verbreiteten sich Screenshots und Chatverläufe wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken. Diese enthüllen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt im Umfeld einer der derzeit einflussreichsten Management-Agenturen. Amelie Lens hat nun ein Statement veröffentlicht, welches nicht nur direkt auf den Skandal reagiert, sondern die „Techno-Files“ in einen größeren, gesellschaftskritischen Kontext einordnet. Dabei ist für Lens die aktuelle Debatte keine bloße Schlagzeile, sondern die traurige Bestätigung einer Realität, die Frauen in der elektronischen Musikszene und darüber hinaus begleitet. „Wir sind müde“, schrieb sie auf Instagram. „Der Dancefloor ist unser Zuhause und das Backstage unser Arbeitsplatz, aber keines von beiden fühlt sich für uns sicher an“. Im Post geht sie auf die schnellen und stillen Warnblicke ein, welche sich immer wieder zugeworfen werden müssen, und die Wachsamkeit, die ein ständiger Begleiter ist. Dabei spricht Amelie Lens etwas an, über das so oft geschwiegen wird: die sogenannte „Bro-Kultur“, die Täter immer wieder schützt. Dabei räumt sie mit dem Mythos auf, dass Übergriffe nur durch „fremde Monster in dunklen Gassen“ geschehen. Die Realität der „Techno-Files“ zeigt jedoch wieder, dass die Gefahr oft von denjenigen ausgeht, mit denen man gerade noch gelacht oder gearbeitet hat. Dabei richtet sich ihre Kritik scharf gegen die schweigenden Beobachter. Sie kritisiert Männer, die bei Anschuldigungen sofort nach „Beweisen“ rufen, statt das Verhalten ihrer eigenen Freunde zu hinterfragen. Die Frage dabei für sie ist nicht, ob alle Männer verantwortlich sind, sondern: Wer weigert sich, wegzusehen? Besonders im Hinblick auf die „Techno-Files“ findet Lens deutliche Worte zum Thema Justiz. Sie berichtet mutig von einem persönlichen Erlebnis, bei dem sie trotz hunderter Drohnachrichten und psychischen Terror durch einen Täter von der Polizei abgewiesen wurde, selbst als dieser ihr nach Antwerpen hinterher flog und sich ihr direkt näherte. Die aktuellen Vorfälle und ihr Statement machen noch einmal mehr deutlich, wie viel Aufarbeitung innerhalb der Szene und über diese hinaus betrieben werden muss und, dass das Schweigen über Strukturen des Machtmissbrauchs und sexueller Gewalt gebrochen werden muss. Hier geht es zum Statement von Amelie Lens auf Instagram:
 
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Hinweis der Redaktion: Wenn Sie von sexualisierter Gewalt betroffen sind, finden Sie Hilfe und Unterstützung beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 116 016 oder online. Auch interessant dazu:  Hard-Techno-Skandal zieht weitere Konsequenzen nach sich