PdW_Tiga
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über das neue Album von Tiga nicht. „No Fantasy Required“ ist genau das, was es sein soll: Die volle Ladung Tiga. Wie man ihn kennt, und dennoch irgendwie (r)evolutioniert. Einen Ausblick auf das Album gaben ja schon die Singles „Plush“, „Bugatti“, „Don’t Break My Heart“ und zuletzt „Planet E“. Sieben Jahre nach dem letzten Album „Ciao“ ist der Kanadier mit einem prallen Package eigenen Materials wieder da, man meint, ein bisschen gereifter, aber dann zwinkert er uns lausbübisch zu: My name is Tiga. Fantasie – nicht nötig. Von der gibt’s beim Hören einen Overload. Selbst diejenigen, die mit wenig bis gar keiner Einbildungskraft ausgestattet sind, werden einen Film fahren, der vielleicht realer ist als das Leben. Tiga ist der David Lynch der Elektro-Szene, das beweist er mit dieser Platte. Der – erst – dritte Longplayer des kanadischen Star-DJs und Techno-Pop-Magiers ist Show, ist echt. Er ist surreal und hyperreal in ein und demselben Moment. In elf Tracks zeigt Tiga, wer er ist und auch wieder nicht, wer wir sind und wer nicht, er führt sich und uns selbst vor, spielt mit den Abziehbildern unser aller Egos, mit seinen eigenen und unseren Erwartungen, mit Sehnsüchten und Begierden, mit Banalitäten und Trivialitäten, mit Tiefgründigkeiten und Liebe, mit Plüsch und Poesie. Und das alles, nebenbei bemerkt, verpackt in massiv gutem Techno, Dance Music, Pop und Acid, auf ekstatischen Vocal-Trips, wobei Scissor Sisters‘ Jake Shears, Paranoid London, Hudson Mohawke sowie Matthew Dear und Clarian North ihre Finger mit im Spiel hatten. Das Album ist jede Menge Fun, (selbst-)ironisch und nachdenklich, es ist sexy and charismatisch, dunkel und funkelnd, grob und glatt, anachronistisch und futuristisch, es ist neu und es ist vintage. „No Fantasy Required” killt den Club und slapped die Disco. “With the joy that I’m feeling, I’m on planet E / total brain peace when it’s just you and me.” Mehr Tiga geht nicht. 10/10 Csilla Letay