Track-Check – Depeche Mode – Precious/Michael Mayer Remix (Mute, 2005)

Als Leadsingle des elften Studioalbums, „Playing the Angel“, stürmte Depeche Modes Klassiker „Precious“ im Herbst 2005 die internationalen Charts. Das Release ging einher mit elektronischen Remixen von Sasha und Michael Mayer, der neben einer Ambient-Version auch einen „Balearic Mix“ beisteuerte und den Synth-Pop-Hit zu einem zeitlosen Clubtrack formte. Wir haben mit ihm gesprochen.

Michael, wie sah deine Gefühlswelt aus, als feststand, dass du „Precious“ remixt?

Ich war natürlich völlig aus dem Häuschen. Zum einen, weil ich natürlich Depeche-Mode-Fanboy der ersten Stunde bin und zum anderen, weil ich sogar meinen Lieblingstrack vom Album remixen durfte.

Depeche Modes Original klingt melancholisch, geht aber durchaus nach vorne. Welche Anreicherung wolltest du „Precious“ verpassen?

Der Plan war, den semi-balearischen Vibe des Originals weiter herauszukitzeln. Depeche Mode stehen ja nun nicht unbedingt für diesen fluffigen Sound, aber genau darin lag der Reiz. Bis heute bereitet es mir eine diebische Freude, das Original durch den Remix in einen ganz anderen Kontext zu setzen.

In wie vielen Einzelspuren hast du den Song übergeben bekommen und wie viele Originalelemente abseits der Stimme kann man noch im Remix hören?

Als Fanboy versteht es sich von selbst, so viele Elemente meiner Helden wie möglich zu übernehmen. Um die Gitarre kam ich z.B. nicht herum, obwohl ich nie mochte, wenn Martin Gore die Synths gegen eine Gitarre eingetauscht hat. Ich kann mich noch gut an die Gänsehaut-Momente erinnern, als ich die Einzelspuren zum ersten Mal hörte. Es war, als wäre ein Vorhang beiseite gezogen und ein großes Geheimnis offenbart worden.

Bist du hier grundsätzlich anders vorgegangen, als bei Remixen zu Clubtracks?

Ich remixe am liebsten Musik, die außerhalb des Clubkontextes steht. Einen Technotrack zu remixen, macht einfach weniger Spaß. Am Ende kommt dann eben ein anderer Technotrack heraus. Das motiviert mich nur begrenzt.

Gibt es bei solchen Major-Remixen mehr Feedbackschleifen als üblich?

Es gab kaum Feedback. Man sagte mir lediglich, dass die Band zwar glücklich sei, aber einen zusätzlichen Ambient-Mix wollte. Den habe ich dann ziemlich schnell mit einem völlig kaputten, nicht MIDI-modifizierten Arp Axxe zusammengekloppt. Offenbar mit Erfolg. Dass der Mix auf einer wunderschönen Picture 7“ veröffentlicht wurde, teilte das Label mir natürlich nicht mit. Ich musste mir eine Kopie auf Discogs schießen. Typisch Majors.

Einen der interessanten Sounds hören wir direkt von Anfang: Wie ist der glockenartige Synth-Sound entstanden?

Der Sound kam ursprünglich aus einem Logic-Soft-Synth, dessen Name mir entfallen ist. Den habe ich dann mit irgendetwas anderem gedoppelt und einen Phaser draufgelegt.

Das Arrangement baut über eine lange Zeit eine balearisch-hypnotische Spannung auf. Wie gelang dir dieser tranceartige Aufbau?

Der Aufbau, sowie auch die Bassline, zitieren den 90s-Wild-Pitch-Sound meines alten Helden DJ Pierre. Der hat sich auch immer viel Zeit gelassen, was ja gerade diesen hypnotischen Effekt bewirkt.

Zur hypnotischen Stimmung gehören vor allem zwei Elemente: die tonalen Hi-Hats und die lang auswaschenden Vocalpads. Wie bist du hier ans Sounddesign herangegangen? 

Ich wollte auf jeden Fall, dass die tollen Background-Vocals von Martin Gore eine prominente Rolle spielen. Durch Spielereien mit Loop-Punkten und Tape Delay fingen die dann irgendwann an, so verhuscht zu trancen.

Wie sehen deine Release-Pläne für das restliche Jahr aus?

Ich war sehr produktiv und sitze gerade an den letzten Verfeinerungsarbeiten für mein neues Album, das im Oktober bei Kompakt erscheinen wird. Mein letztes Soloalbum – ich traue es mich fast nicht zu sagen – kam 2012 heraus. Keine Ahnung, was ich seitdem so gemacht habe, aber ich hatte offenbar keine Langeweile. Im Juli kommt noch ein Remix für die unglaublich talentierte Lucie Antunes auf Infiné raus und auf der neuen Total-Compilation bin ich natürlich auch vertreten.

 

Hier könnt ihr euch den Remix von Michael Mayer zum Track „Precious“

Aus dem FAZEmag 149/07.2024
www.instagram.com/michael__mayer