Track-Check: HGich.T – Tutenchamun (Tapete Records, 2010)

Egal, ob „Therapie wirkt“, „Tanke“, „Titteschön“ oder ihr wohl bekanntester Hit „Tutenchamun“: Die schrägen und unvergleichlichen Trash-Produktionen des Hamburger Performance-Kollektivs HGich.T genießen seit vielen Jahren Kultstatus auf YouTube – und auf der Bühne. Wir wollten wissen, was es braucht, um einen derart behämmerten und doch so genialen Sound zu produzieren und haben mit den Verantwortlichen über die Entstehung von „Tutenchamun“ gesprochen.

Normalerweise geht es im Track-Check um penible Dekonstruktionen des Sounddesigns – bei euch möchte ich erst einmal wissen, in welchem Mood ihr im Studio wart, als ihr „Tutenchamun“ produziert habt. Wie schnell ging das?
Den Song haben wir, glaube ich, an einem Tag gemacht. Vielleicht habe ich am nächsten noch ein paar Feinheiten überarbeitet. Ansonsten haben wir uns damals ganz entspannt mit ein paar Leuten aus der Gruppe getroffen und musiziert. Ich habe zu der Zeit mit einigen an der HFBK in Hamburg studiert – wir haben oft Kurzfilme, Musikvideos oder andere Projekte mit bewegtem Bild gemacht. Das war eine tolle Zeit, weil alle ähnliche Zeitpläne hatten und man sich leicht verabreden konnte, um Ideen umzusetzen.

Welches Equipment hilft euch, euren Vibe ganz intuitiv in Musik zu übersetzen?
Ich bin ein großer Fan der AKAI MPC60, mit der wir den Beat gebaut haben. Außerdem hatten wir Logic Audio, ein Mikrofon und ein, zwei Synthesizer – unter anderem den Roland Jupiter 6, mit dem man großartige Flächen und Effekte erzeugen kann. Eigentlich geht damit alles. Dazu kam noch ein Quasimidi Sirius – eher günstig, leicht trashig, aber charmant.

Das Arrangement hat viele Breaks und Raum für kleine Interludes, Samples und Effekte. Habt ihr diese Feinheiten im Instrumental umgesetzt, nachdem der Text stand, oder habt ihr darauf den Text geschrieben?
Wir haben zuerst den Text geschrieben, den als Platzhalter aufgenommen und dann die Melodien ergänzt und alles gemeinsam arrangiert.

Der Beat spielt zwar – mixdown-technisch – eine zweite Rolle, kommt aber sehr druckvoll rüber. Wie verbindet ihr Drums, Bass, Effekte und Samples zu einer Einheit?
Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Anzahl der Instrumente überschaubar ist – es sind nicht unendlich viele Synths. Ich hatte damals ein kleines Mischpult, vermutlich einen Roland Line Mixer, und das hat alles zusammengeführt.

Woher stammen die charakteristischen Chord-Stabs?
Die kommen ziemlich sicher vom Quasimidi Sirius.

Wie schwer fällt es euch, den Beat so reduziert zu halten, damit die Vocals so präsent sind?
Der Beat stammt aus der MPC60, und da ich ein Fan von psychedelischen Sounds bin, habe ich versucht, etwas Ähnliches zu bauen wie auf alten Goa-Platten. Vielleicht klingt es deshalb so reduziert – oder einfach eigen.

Woher kommt die blubbernde Acid-Line?
Das wird bestimmt der Jupiter 6 von Roland gewesen sein.

Entsteht die Vocal-Aufnahme im Zusammensein des Kollektivs oder eher in einem intimen Rahmen allein?
Die Gesangsaufnahmen entstanden direkt nach dem Schreiben der Texte, nicht an einem separaten Tag. Wir haben getextet und direkt aufgenommen. Im Raum saßen wahrscheinlich drei, vier Leute – also kein riesiges Team, aber eine kleine Runde.

Wie sind die Lyrics entstanden – wie kommt man auf so etwas?
Damals hat mein WG-Mitbewohner jeden Satz mit dem Wort „ja“ beendet – das war eine große Inspirationsquelle. Parallel war ich auf vielen Goa-Partys unterwegs und habe da viel aufgeschnappt. Ich glaube, diese Partys haben den Text stark beeinflusst.

Hättet ihr erwartet, dass Song und Video so eine enorme Resonanz erfahren würden?
Nein, das hätten wir nicht gedacht. Aber natürlich freut man sich, wenn ein Song Menschen erreicht und Freude bereitet – auch wenn mir persönlich das Musikmachen an sich schon genug Freude macht.

Aus dem FAZEmag 167/01.2026
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