
1997 veröffentlichte Mijk van Dijk sein Album „Glow“, das erste unter seinem richtigen Namen, denn zuvor benutzte er ausschließlich Aliasse wie Microglobe, Marmion oder Loopzone. Einer der Key-Tracks des Albums war „More“ und so ist es nicht verwunderlich, dass dieser Track nun samt Rework und Remix von Superstrobe neu veröffentlicht wird. Wie der Original-Track und das Rework entstanden sind, beantwortet uns Mijk hier im Interview.
Hallo Mijk, ich habe gerade nach dem Original von „More“ auch dein aktuelles Rework des Tracks angehört. Selbstverständlich ist das ein riesiger Unterschied beim Mixing zwischen all den Jahren. Was hat sich da in deinem Studio geändert, und wie nimmst du die Möglichkeiten heutzutage wahr im Vergleich zu denen von 1997?
Beim Vorbereiten von Stücken für meine Live-Sets wollte ich „More“ nicht einfach „nachbauen“, sondern einen neuen Ansatz dazu finden. Das Original entstand noch in einem typischen 90s-MIDI-Studio. Aber schon damals träumte ich von einem Total-Recall-Studio, das in einen Koffer passt – so wie jetzt ein Laptop mit Ableton Live und ein paar zusätzlichen Geräten.
Wie entstand denn überhaupt die Idee zu „More“, und wie schnell hat sich die Idee dann entwickelt?
1992 bezeichnete mich das Frontpage-Magazin als „Multi-Mijk“, denn ich wollte mich nie auf einen einzigen Stil festlegen. Ich denke, ich habe eher „Trademark-Sounds“ als einen „Trademark-Style“. Ich liebe einfach die Vielfalt von Techno, House und darüber hinaus. Deswegen „More“.
Wie hast du den charakteristischen Drumbeat erstellt? Wie viele Drumsamples konntest du im damaligen Studio übereinander layern?
Die Drums entstanden größtenteils im Sampler – Layering war nahezu unbegrenzt.
Hast du die Stimme damals aufgenommen, oder kommt sie aus einem anderen Kontext? Wie hast du sie bearbeitet?
Das ist meine eigene Stimme. Ich nahm mich auf DAT auf, sampelte die besten Parts und bearbeitete sie mit Effekten. So entstanden meine Vocaltracks, bis Ableton Live kam.
Wie ist das Arrangement mit all seinen Breaks und Variationen entstanden?
Ich bin von elektronischer Popmusik der 80er geprägt. Komplexe Arrangements wie bei Trevor Horn oder Martyn Ware haben mich beeindruckt. Meine Tracks sind oft Geschichten mit verschiedenen musikalischen Landschaften.
Woher stammen die charakteristischen Synth-Plucks, und wie hast du sie im Arrangement moduliert?
Es könnte ein Korg Poly-800 gewesen sein.
Bei „More“ hört man relativ viel Reverb im Verlauf des Tracks. Wie findest du da die perfekte Balance aus Sphäre und noch genug Druck, der durch zu viel Hall verwaschen sein kann?
Reverb ist „Space“, und ich mag „spacige“ Stücke. Oft denke ich, ich verwende noch viel zu wenig Hall.
Wie entstanden 1997 die Reverse-Effekte, wie der im Intro?
Ich habe Reverse-Sounds immer geliebt – umgedrehte Beats wie im Detroit-Techno und Reverse Reverb auf Stimmen, wie bei Depeche Modes „Personal Jesus“. Das war 1997 noch aufwändig: Samples mit Hall aufnehmen, umdrehen, per MIDI triggern und fein verschieben. Das neue Bounce-Feature in Ableton Live macht das jetzt unglaublich einfach.
Wie kann man sich den damaligen Workflow beim Mixdown und Mastern vorstellen?
Der Mixdown wurde direkt auf DAT aufgenommen. Modulationen, die nicht mit MIDI-CC automatisiert werden konnten, passierten live. Das Label schickte das Premaster dann zum Mastern. Die aktuelle Version von „More“ ist ein Remaster der originalen DAT-Aufnahme, weil auch die Mastering-Technik in den letzten drei Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht hat.
Was für Projekte und Releases stehen noch für dieses Jahr an?
Alles neu macht der Mai: erst mein spezieller Geburtstagsgruß auf Tom Wax‘ 100. Phuture-Wax-Veröffentlichung, dann zusammen mit Baby Doc „Wild & Loose“, meine erste Single auf Paul Oakenfolds Perfecto-Fluoro-Label. Härter geht’s weiter mit „Grunge“ auf meinem Label Microglobe – und, kaum zu glauben, ich starte mein eigenes House-Label The House of Microglobe (HOM) mit der programmatischen ersten Single „Here We Go!“. Ende Mai dann „A Cold Sun High“ auf BluFin. Im Juni weitere Releases auf Microglobe und HOM sowie eine Single mit Tom Wax auf Spartaques Codex Recordings.
Außerdem freue ich mich schon sehr auf meinen Float mit Volume Berlin Records und meinem Microglobe Collective bei der Rave The Planet – und auf meinen Live-Auftritt bei der Nature One am 31. Juli, der auch meine Liveact-Saison für 2026 einläuten wird. Wer es nicht schafft, am Freitag zur Nature One zu kommen, kann mich vielleicht in einem anderen Club oder auf einem Festival erleben. Ich würde mich sehr freuen!
Aus dem FAZEmag 171/05.2026